Eigentlich wollte Holger von der Osteuropa-Historikerin Franziska Davies (Twitter) nur kurz erklärt bekommen, wer eigentlich dieser Stepan Bandera war, über den gerade in Deutschland so gerne diskutiert wird. Stellt sich aber raus: Dazu braucht man Kontext, und der wiederum ist alles andere als einfach.
Die Klangqualität ist leider nicht beste. Wir bitten um Entschuldigung.
Shownotes
Habsburgerreich – Zarenreich – Rusische Kolonisation – Bolschewiki – Yuri Slezkine – Masha Gessen, Neue ökonomische Politik – Kulakentum – Robert Kindler (Buch): Stalins Nomaden – Holodomor – Genozid/Völkermord – Raphael Lemkin (Buch): Axis Rule in Occupied Europe – Harvard Ukrainian Research Institute – Gareth Jones – Walter Duranty – Babyn Jar – Das vergessene Massaker von Korjukiwka – Franziska Davies, Katja Makhotina (Buch): Offene Wunden Osteuropas – Wassili Grossmann – Jewgeni Jewtuschenko – Leonid Krawtschuk – Boris Zabarko (Buch): Nur wir haben überlebt – (Video) Präsident Zelensky zum 8./9. Mai – Dmytro Donzow – Organisation Ukrainischer Nationalisten – Stepan Bandera – Hitler-Stalin-Pakt – Kai Struve (Buch): Der Sommer 1941 in der Westukraine – Massaker von Jedwabne – Massaker in Wolhynien und Ostgalizien
min 26: Dieser Nationalismus war in Deutschland von anfang an im Einigungsprozess enthalten.
Bei Scharnhorst und Gneisenau gibt es Sätze wie:“Wir müssen von Frankreich lernen, wir müssen das, was uns die Franzosen vorexerziert haben, nachahmen; nicht zuletzt freilich, um ihnen mit gleicher Münze zurückzuzahlen.“
Franzosenhass und Selbstüberhöhung gab es schon bei Gottlieb Fichte, ernst Moritz Arndt und
Kleist. Ideen vom deutschen“Urvolk“, vom besten Volk Europas waren von Anfang an dabei und sind nicht erst im Prozess dazugekommen.
Meine Leseempfehlung:“Von Bismark zu Hitler“ vom Autor Sebastian Haffner.
lG
Jan
Tolles Interview mit historischen Einblicken die man so nicht kennt. Danke 🙂
Wunderbarer, inhaltlich tief gehender Podcast. Danke dafür.
Vielleicht als Bestätigung zum zunächst verdrängten Holodomor: Ich durfte als Student 1996 für ein paar Monate nach Kiew. Da das ganze recht kurzfristig war (und natürlich die Informationsmöglichkeiten sehr schwierig damals waren, kein Internet und so), ging ich sehr schlecht vorbereitet dorthin. Was wir Deutschen dort getrieben haben, war mir klar (mein Opa z.B. war als Soldat dort, d.h. natürlich „wissen“ viele Deutsche, dass dort ein (das?) Zentrum des Vernichtungskriegs war). Aber von der sowjetischen Zeit speziell in der Ukraine hatte ich keine Ahnung.
Zwei junge Ukrainerinnen übernahmen die Aufgabe, mir ein bisschen die Stadt zu zeigen. Wir gingen durch das Regierungsviertel und sahen dort an einem Eck ein unscheinbares, kleines Denkmal mit 1932-33 drauf – ohne jeden weiteren erklärenden Text. Ich fragte meine Begleitung, wofür das steht, sie konnten mir nicht antworten.
Als wir uns das nächste Mal trafen, hatten sie recherchiert und erzählten – sichtlich selber getroffen – von der großen Hungersnot in der Ukraine. Ganz offensichtlich war das damals noch absolut kein Thema in Schule oder Gesellschaft – was ich extrem seltsam fand – vor allem im Vergleich zur öffentlichen Erinnerung an den großen vaterländischen Krieg, die ich ein paar Tage vorher erlebt hatte.
Das war genau das, was ich mir zu dem Thema gewünscht hatte. Man hörte immer nur Informationsfetzen umherfliegen, aber selten jemanden, der sich die Zeit nahm, das alles mal in einen größeren Kontext zu setzen. Vielen, lieben Dank für diese Folge. <3
Vielen Dank!! Großartige, (vermutlich) umfassende Darstellung der Zusammenhänge, habe viel kapiert. Danke euch beiden, dass ihr sowas möglich macht und speziell hier (mal wieder) ein Chapeau! an Holgi für das gekonnte Fragen-stellen und reden-lassen.
Der starke Nerven hat, kann sich einen Teil der Tagebücher und Berichte aus der Ostukraine bei Darryl Cooper anhören.
https://martyrmade.com/19-the-anti-humans/
Die Hinweise aus dem Podcast vorab: Verbrechen der Wehrmacht bewusst nicht betrachtet, um einen direkten Vergleich zu vermeiden.
Nicht über Lautsprecher hören.
Großartige Folge, ich danke Euch und Franziska Davies. Jede Minute war notwendig, um der Komplexität der Geschichte gerecht zu werden. Ich habe die Ausgabe bereits zweimal angehört, um mir alles einzuprägen.
Es grüßt S.K.
Sehr aufschlussreich. Vielen Dank.