Die Wochendämmerung

Politik, Gesellschaft, Quatsch. Der Podcast mit Katrin Rönicke & Holger Klein

Systemrelevant! Der Pflexit und ein Blick hinter die Kulissen der Pflege mit Maximiliane Schaffrath

| 4 Kommentare

Maximiliane Schaffrath hat eine Ausbildung in der Krankenpflege gemacht und dabei unfassbare Dinge erlebt, die sie sich von der Seele geschrieben hat: „Systemrelevant“ heißt das Buch, inzwischen ist sie ganz ausgestiegen. Was kann die Pflege retten?

Als vor zwei Jahren die Menschen auf ihren Balkonen für die Pflegekräfte klatschten, hat das Maximiliane Schaffrath eher wütend gemacht. Sie ahnte, dass davon nichts besser werden würde – tatsächlich wurden die Arbeitsbedingungen schlechter! Warum sie den Beruf verlassen hat, den sie einst voller Überzeugung gewählt hat und was sich ändern muss, damit Menschen wie sie bleiben, das erzählt sie in dieser Folge.

Links und Hintergründe:

4 thoughts on “Systemrelevant! Der Pflexit und ein Blick hinter die Kulissen der Pflege mit Maximiliane Schaffrath

  1. Devid sagt:

    Die Pfleger sind viel zu nett – und es geht halt irgendwie. Und deswegen ändert sich auch nichts. Das muß erst _richtig_ an die Wand fahren, bis die Politik aufwacht. Streik reicht halt scheinbar auch nicht. Apelle an Politiker bringen auch nichts, siehe R. Lange https://twitter.com/Tagesspiegel/status/1541799834088267776

    Ihr werdet verarscht von Leuten mit spitzen Bleistift, die es eben besser wissen und alles fein ausgerechnet haben, wie viele Pflegekräfte man für irgendwas braucht. 5min abhaken, Dokumentation, das kam auch hier wieder zur Sprache. Es ist durch-mechanisiert, ihr seid keine Arbeitskräfte, sondern nur eine Zahl im System – genau erfasst von „Gesundheitsökonomen“, die alles genau geplant haben, was wie viel kosten darf.
    Da ist die Kritik noch immer nicht angekommen, daß diese sich selbst mal hinterfragt haben (ja, eigene Kritik ist schwer), sondern schieben dann den schwarzen Peter nur weiter, daß es ja Pflegemangel gäbe und das sehr wohl bekannt ist und die Leute gesucht werden blablubb.

    Also streikt einfach richtig, setzt euch solange vor den Reich/Landstag, bis sich was ändert. Und natürlich nicht während der Freizeit, sondern allumfassend, so daß eben keiner die Arbeit macht in Sonderschichten im 14. Tag in Folge. Das kann ja offensichtlich warten. Und lasst euch nicht verarschen, daß das ja jetzt ernst genommen würde…

  2. Titus von Unhold sagt:

    Die Kosten für die Pflege sind seit letztm Jahr aus den Fallpauschalen herausgenommen und werden extra vergütet.

    1. Kai sagt:

      Genau richtig. Den Gedanken hatte ich auch. Zuvor war die Pflege in die DRGs integriert. Nun besteht ein separater Pool an finanziellen Mitteln dafür.

      Es werden auch bei uns Leute gesucht.
      Nur leider ist im laufe der Zeit das gesamte Gesundheitssystem in so desolatem Zustand. Kaum jemand mag sich das noch antun. Zurecht, wie ich aus Erfahrung sagen muss. Leider.

      Es werden so viele falsche Anreize gesetzt.
      Die Pflegenden, auch die Ärztinnen Baden das aus.

      Habe in letzter Zeit im Job öfter den Gedanken – wieviel Menschen wohl ernsthaft und nachhaltig zu schaden gekommen sind durch diese Situationen auf den Stationen.

      Ich empfinde das Gehalt als Pflegender nicht in keiner Weise als angemessen.
      Die Kolleginnen arbeiten für zwei, verdienen nicht angemessen für eine Stelle.

      Der gesellschaftliche Diskurs darüber wie wir unsere Alten und Kranken behandeln wollen interessiert leider sehr oft erst wenn der persönliche Bezug ins Spiel kommt. Es geht uns alle an. Jeden.

      Auch ich überlege ernsthaft erneut umzusatteln.

  3. Alex sagt:

    Ich muss sagen, ich höre die Wochendämmerung echt gerne, nur leider ist sie meiner Meinung nach dieses mal in die Falle getappt, in die anscheinend jeder Jornalist tritt.

    Kurz zu mir. Ich habe 1990-1993 eine Krankenpflegeausbildung gmacht, bin mittlerweile auch Dipl Pflegewirt (FH) und arbeite seit über 30 Jahren in Pflege und leite aktuell einen ambulanten Pflegedienst eines Wohlfahrtverbands. Mir ist es wichtig, Alles mir mögliche dafür zu tun um die Arbeitsbedingungen für meine Mitarbeitenden zu verbessern. Zustände wie Maximiliane es beschrieben hat kenne ich, aber es ist nicht überall so und ich habe mich im Gegenzug zu Ihr nicht dazu entschieden auszusteigen sondern die Pflege von „Innen“ zu verändern.

    Aber ich gehöre nach Maximiliane auch zu den Flüchtlingen aus dem Beruf. Dafür scheinen ja ihrer Ansicht nach die Studiengänge in der Pflege da zu sein. Das hat mich dann schon geärgert von jemanden zu hören, der nach der Pflegeausbildung komplett ausgestiegen ist und Psychologie studiert hat. Ich habe mir es damals 1998 auch überlegt ob ich doch lieber Informatik studiere, habe mich dann aber doch bewußt für die Pflege entschieden und bin nicht ausgestiegen.

    Und hier, liebe Kathrin, ist der Punkt, wo Ihr meiner Ansicht nach in die selbe Falle wie alle Jornalisten getreten seid. Wenn man Berichterstattung über Pflege ließt oder hört, dann sind es die katastrophalen Zustände in der Pflege als Beruf und in den Pflegeheimen. Ob als Buch, Buchbesprechung, ob Wallraff-Reportage, ob Nachrichten über Pflegekräfte, die Patienten „totspritzen“. Das sind Nachrichten, die Aufmerksamkeit erzeugen. Den schnellen Klick. Aber leider sind es dann auch die Nachrichten, die dafür sorgen, das keiner „Bock“ auf solch einen Beruf hat. Ab und zu hat man den Eindruck, man sollte sich schämen freiwillig in der Pflege zu bleiben und diesen Beruf auszuüben. Hier stelle ich mich schützend vor jede und jeden, der die Fahne hoch hält und bleibt.

    Natürlich muss man über Missstände in der Pflege berichten, aber man muss sich eben auch überlegen, was für ein wichtiger und schöner Beruf das ist. Dass WIR ALLE (als Gesellschaft) dafür sorgen müssen, dass die Pflege wieder dahin kommt wo sie hin gehört. In die Mitte der Gesellschaft und nicht als „Schmuddelkind“ mit dem man eben spielen muss, weil man ja irgendwann was von ihm brauchen könnte. Und dazu braucht es unter anderem auch eine ausgewogene Berichterstattung, die ich seit Jahrzehnten allgemein vermisse. Ein kurzer Teaser zum Schluss wie „aber der Beruf ist doch soooo schön“ reißt es dann auch nicht mehr raus und ist leider unglaubwürdig. Nach dem zuvor berichteten glaubt das ja dann eh keiner mehr. Und wenn der Beruf so schön ist, warum ist Maximiliane dann ausgestiegen?

    Bestest Beispiel sind die Demonstationen an den Unikliniken in NRW. Bekommt man fast nichts mit. Das sind aber Menschen, die für Ihren Beruf brennen, dafür auf die Straße gehen und dann leider keine Zeit haben ein Buch zu schreiben. (Sorry Sarkasmus, ich weiß. Aber manchmal kann man es einfach nicht mehr anders ertragen)

    Bekommen wir nur solche Negativbeispiele (die durchaus berechtigt sind, aber eben nicht alleine stehen dürfen) wird die Abwärtsspirale des Pflegenotstands eine selbsterfüllende Prophezeiung. Und im Moment sehe ich keine Hoffnung…. aber ich kämpfe mit meinen kleinen aber bescheidenen Mitteln weiter.

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