Die Wochendämmerung

Politik, Gesellschaft, Quatsch. Der Podcast mit Katrin Rönicke & Holger Klein

Für die Rechten ist Wissenschaft links

| 48 Kommentare

Wie Konservative „argumentieren“ und was die Wissenschaft über sie weiß

Außerdem: Impf-Streit, Zero und No Covid, Konservative, Banken, Belarus, Nawalny, Abtreibungsverbot in Polen, David gegen Goliath, Wirecard, Geflüchtete, Brexit, Merzfrei, Obdachlose, konservative Hirne.

Links und Hintergründe

Dieser Podcast wird ermöglicht durch eure Unterstützung. Wenn ihr auch 2021 die Wochendämmerung hören wollt, dann werft gerne was in den Hut.

48 thoughts on “Für die Rechten ist Wissenschaft links

  1. hilti sagt:

    Zu AstraZeneca scheints verschiedene Einschätzungen zu geben. Bei Tagesschau.de haben sie einen Juristen zum geleakten Vertrag befragt und der sagt Zitat:
    Wenn nicht die „geschwärzten Stellen“ im Vertrag noch irgendetwas völlig Überraschendes verbergen, enthält der Vertrag keine verbindliche Verpflichtung, eine bestimmte Menge zu einem bestimmten Zeitpunkt zu liefern – jedenfalls nicht ohne den Zusatz „best reasonable efforts“.
    https://www.tagesschau.de/astrazeneca-eu-vertrag-interview-101.html

    Zur Wirksamkeit des Impfstoffes von AstraZeneca für über 65-jährige scheints einfach zu wenig Daten zu geben. Zitat as https://twitter.com/olivernmoody/status/1354782232876085249 (schaut euch die Tabelle da an…):
    This means Handelsblatt wasn’t entirely wrong – the estimated efficacy in over-65s is *6.3 per cent*. But what the story missed is that this figure is completely useless. They just don’t have enough data to say anything meaningful.

    Das Geschäftsmodell von Robinhood und den Frontrunning-Vorwurf (letzteres ist nämlich verboten) hat tatsächlich Fefe(!) am besten zusammengefasst. Inklusive Verschwörungstherorie am Ende. https://blog.fefe.de

  2. Titus von Unhold sagt:

    Die Terminvergabe der Kassenärztlichen Vereinigungen ist wohl das System KVdigital welches für die zentrale Facharztterminvergabe (die auch manche Kassen anbieten) vorgesehen ist und einfach umgestrickt wurde. In SH macht das Eventim.

    Aber es gibt auch eine gute Nachricht: RLP und MP sind mit den Impfungen am weitesten. Und in beiden Ländern sind Frauen am Ruder.

    1. der Holger sagt:

      auch Ba-Wü verlässt nun den konservativen Pfad und verimpft die vorhandenen Mittel
      Bisher war die zweite Dosis ja immer auf Lager und somit ja nur die Hälfte der Impfungen möglich.

      In der Hoffnung, dass eben diese zweite Dosis zu dem Zeitpunkt auch eintreffen wird.

      Positiv dabei: wenn der Abstand durch mangelnde zweite Dosis vergrössert wird steigt (oft) die Boostwirkung und der Schutz wird besser

  3. Titus von Unhold sagt:

    Auch die Nazis-sind-doof-Studien gab es immer mal wieder, zum Beispiel 2012(!) aus Kanada. Dass die Anhänger der AfD auch den Verschwörungsmüll glauben passt dazu. Scheint also was dran zu sein. ^^

    Provokante Studie: Dumme Kinder werden Rassisten

    Politisch konservative Menschen sind weniger intelligent als liberale. Und Rassisten sind dumm, das haben kanadische Gehirnforscher herausgefunden. Die Grundlage wird früh im Leben gelegt: Kinder, die bei Intelligenztests schlecht abschneiden, neigen später zu Vorurteilen und Schwulenhass. […]

    https://m.news.de/panorama/855268724/provokante-studie-dumme-kinder-werden-rassisten/1/

    1. der Ralf sagt:

      Ein hoher IQ schützt nicht vor dem Glauben an Verschwörungsgeschwurbel, Rassismus und extrem konservativer Einstellung.
      Selbst Nobelpreisträger sind nicht davor gefeit, irgendwann offensichtlichen unwissenschaftlichen Blödsinn von sich zu geben. Da gibt es sogar eine Bezeichnung dafür, die mir aber gerade nicht mehr einfällt.

      Bildung und Intelligenz haben sicher einen Einfluss, auch auf die Einstellung, aber wie groß der ist sei mal dahin gestellt.

      1. der Holger sagt:

        vor allem sind pauschale Verallgemeinerungen immer kritisch zu betrachten. meist sogar abzulehnen.

        denn diese Prinzip von äusseren oder messbaren Grössen – also IQ – auf das Verhalten zu schliessen ist ja gerade das Prinzip von Rassismus

        „Alle Dicken sind dumm, alle Schwarzen sind kriminell, alle Frauen sind empathisch, alle NiedirgIQler sind rechtsradikal usw.“ war noch nie Realität.

      2. Boethi sagt:

        „Bildung und Intelligenz haben sicher einen Einfluss, auch auf die Einstellung, aber wie groß der ist sei mal dahin gestellt.“

        Bildung und Intelligenz sind allerdings auch zwei paar Schuhe. Bildung schützt ganz offensichtlich nicht vor rechten, vor menschenverachtenden Einstellungen, wie die Teilnehmenden der Wannsee Konferenz belegen, von denen viele Doktortitel trugen, ebenso die Mehrzahl der 1945 in Nürnberg angeklagten.

        Bei der Intelligenz habe ich einen anderen Verdacht zu dem, was Holgi dargestellt hat. Im Studium habe ich für Intelligenz mehrfach die Definition gehört: „Intelligenz ist das, was ein Intelligenz-Test misst.“ Könnte es sein, dass Offenheit für Neues Teil des Konzeptes Intelligenz ist, dass also nicht „mit Intelligenz (…) sich der Mensch von Tradionen abwenden [kann]“ sondern umgekehrt diejenigen, die dies tun, als intelligent bezeichnet werden?

        1. der Ralf sagt:

          „Im Studium habe ich für Intelligenz mehrfach die Definition gehört: “Intelligenz ist das, was ein Intelligenz-Test misst.”“

          Richtig, so kenne und definiere ich Intelligenz (bzw. den IQ) auch

          Bildung und Intelligenz, ja auch Erfolg, Wissen, Fähigkeiten, Erfahrung etc. haben alle nichts (oder nur am Rande) miteinander zu tun. Leider werden viele der Begriffe aber synonym verwendet. Um noch ein paar Bezeichnungen zu nennen: Smart, Schlau, Begabt etc.

          „Könnte es sein, dass Offenheit für Neues Teil des Konzeptes Intelligenz ist, dass also nicht “mit Intelligenz (…) sich der Mensch von Tradionen abwenden [kann]” sondern umgekehrt diejenigen, die dies tun, als intelligent bezeichnet werden?“

          Nicht im Sinne der Definition von Intelligenz (IQ-Test). Ich kenne Menschen die ein sehr hohes Ergebnis bei so einem Test erreicht haben (Hochbegabung) die ein sehr stramm rechtes Weltbild haben. Ein hoher IQ Wert schützt auch nicht vor Verschwörungsgläubigkeit.

          Als Laie übersteigt das Thema „Zusammenhang zwischen [menschliche Eigenschaft] und Hang zum [negative Eigenschaft]“ aber meine Kenntnisse. Für mich ist nur klar, dass der Begriff „Intelligenz“ für zu viele Eigenschaften verwendet wird die eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Dadurch verfälscht sich der Begriff bzw. die Verwendung (vergleiche „Quanten Sprung“)

  4. Bernd sagt:

    Guck mal, da blitzt es wieder auf: „geringerer Intelligenzquotient“, „weniger intelligent“ – das soll auch gar nicht in Abrede gestellt werden, ich wüsste aber gern mal:
    Was machen wir jetzt mit dieser Information?
    Hinnehmen, Aktionspläne, Leuten unter einem bestimmten IQ das Wahlrecht entziehen (nein, bitte nicht)?
    Trotz einer wundervollen Folge über die Dummheit bei Anekdotisch Evident, trotz Nachschlag, trotz Wissen darum,
    was ‚Kohlbergs Theorie der Moralentwicklung‘ ist (die ganz wundervoll in das Eingangsphänomen einhakt), trotzalledem, was machen wir damit?

    Zum Thema Unterbrinung in Hotels habe ich herzlich gelacht.
    Das geht genau nur mit den Franchise-Hotels, weil da der Eigentümer nicht mal einfach so verkaufen kann, sondern sich an Rahmenpläne halten muss und du daher Druckmittel hast (glaube ich. Ich arbeite hier nur, es gehört mir nicht).
    Eigentümergeführte Häuser schließen lieber vorzeitig oder verkaufen ihr Inventar bevor sie Leute mit psychischen/Substanzproblemen reinlassen.
    Da könnte ich dir Geschichten erzählen. Von geplatzten Schwellkörpern und literweise Blut im Bett, über Leute die alle Steckdosen abklemmen weil sie Angst vor Kugelblitzen haben, Menschen die ihre Exkremente in Plastiktüten flachdrücken um sie anschließend unter die Matratze zu legen uvm.
    Vergiss es.
    Oder wenn einer auf dem Zimmer raucht: Bäm, Hausalarm geht an, darf(!) nicht abgestellt werden, Feuerwehr kommt zu Besuch, teurer Spaß. Da kann dann Entschädigung seitens der Politik versichert werden bis sie schwarz werden:
    Wir wissen mittlerweile, wieviel Bürokratie an den Nachweisen hängt um das Geld zu bekommen, und in einem solchen Fall dann auch noch ggf. ein Gerichtsverfahren um evtl. Schuldfragen zu klären.
    Kurzum: Nö. Aus den selben Gründen, warum auch auf deiner Couch nicht regelmäßig ein Obdachloser schläft:
    Unsicherheit, Finanzielles Risiko, körperliche Unversehrtheit der Anwohner/des Personals.

    liebe Grüße vom Bernd, der immer genr zuhört.

    1. Titus von Unhold sagt:

      „Was machen wir jetzt mit dieser Information?“

      Das gleiche wie die Bundeswehr: Die politische Bildung auf den Bildungshintergrund anpassen und ausweiten statt sie einzusparen.

    2. Titus von Unhold sagt:

      In den Zeitfragen des DLF Kultur hieß es vor ein paar Wochen dazu dass die Hilfen der Bundesregierung höher sind als die Unterbringungskosten die von den Kommunen übernommen werden…

  5. Jan sagt:

    Man kann das mit den Terminvergabe der Impfungen auch noch viel einfacher machen. Schleswig-Holstein hat das alles an den Online-Tickethändler Eventim gegeben. Die Wissen auf jeden Fall wie man Webseiten betreibt und skaliert und ausserdem haben die Leute aus einer hart getroffenen Branche wieder was zu tun.

    1. Arne sagt:

      Also bei „meinem“ Mediamarkt läuft es so: du kaufst ein teures Teil, bekommst nen Zettel und läufst dann zu einem Targobank Mitarbeiter, der in den Büros von Mediamarkt sitzt. Bei dem unterschreibst du den Kreditvertrag. Du bekommst den Kredit dort nicht von Mediamarkt.

  6. Matze sagt:

    Zur Frage, „Wer sind die Bankkaufleute von morgen?“, schätze ich, es sind Informatiker.
    Es gibt viele Anwendungsfälle (z.B. Terminvergabe-Systeme), die im Moment noch in Handarbeit gemacht werden. – und dementsprechend schlecht/fehlerbehaftet sind. Vieles lässt sich aber automatisieren, sodass sich Endkunden in wenigen Jahren einfach zusammen-klicken können, was sie brauchen. Natürlich braucht es noch Menschen, die auf einer Meta-Ebene die Dinge pflegen, aber das werden deutlich weniger Leute sein, als jetzt.

  7. der Holger sagt:

    Thema: Wissenschaft und politische Orientierung:

    Wissenschaft DARF nicht politisch sein, weder links noch rechts.

    Und exakt das ist auch eines der Probleme derzeit: Politiker verwenden Wissenschaftler um ihre Politik zu begründen und suchen sich entsprechende Positionen aus.
    Und es ist wichtig, dass es in der Wissenschaft verschiedene Positionen gibt.
    Und Wissenschaft ist auch keine Demokratie bei der die Mehrheit über die Richtigkeit der Position entscheidet (und auf keinen Fall entscheiden darf)

    – Keppler war alleine mit dem Weltbild Erde kreist um Sonne entgegen der Mehrheitsvorstellung der anderen Wissenschaftler.. trotzdem war die Position korrekt ujnd die Realität hat dies bestätigt.

    Deswegen ist es auch derzeit in Bezug zu Sars-Cov2 wichtig nicht nur einseitig eine bestimmte Position zu nutzen. Auch wenn diese evtl. sogar von Mehrzahl verwendet wird.
    Exakt wissen kann das sowieso derzeit niemand. und ständig ändern sich Rahmenbedingungen.
    Konkret: Weder Drosten noch Streeck wissen exakt was Zukunft bringt. Aber beide Positionen sind wissenschaftlich begründet. Da darf niemand bevorzugt sein in politischer Entscheidung.

    UND vor allem:
    nur mit unterschiedlicher Meinung gibt es unterhaltsame Diskussionen, Da ist nichts schlimmer als eine Einheitsmeinung.

    1. Titus von Unhold sagt:

      Welche *wissenschaftliche* Position hat Streeck denn? Ich höre, wenn es um die epidemiologische Strategie geht nur politische Bewertungen von ihm. Wie Holgi sagt, Streeck hat gar nichts anzubieten und macht einfach nur Krawall wie der Lindner oder der Kubicki.

  8. Martino sagt:

    Letzte Woche (stimmt nicht ganz): Die meisten, die über die Impfstoffbeschaffung meckern, würden nicht mal einen Pizzadienst in einer Kleinstadt organisiert bekommen.
    Diese Woche: Ich kenne aus dem Stand 5 Leute, die das (die Terminvergabe) in ihrer Freizeit besser hinbekommen hätten.

    achja …

    1. Holger Klein sagt:

      Was möchstest Du mir denn gerne mitteilen, Martino?

      1. Martino sagt:

        Dass du dich jetzt wie eine der Personen verhältst, über die du dich vor kurzem noch aufgeregt hast.
        Und damit, dass deine Kritik (diesmal an der Terminvergabe) vielleicht unfair ist.

        1. Boethi sagt:

          Naja, die vielen Bundestrainer, die jetzt überall erklären, sie hätten schon immer gewusst, wie man das mit den Impfungen hätte machen müssen, finde ich zwar auch sehr ärgerlich, aber die Kritik an der Terminsoftware kann ich sehr gut verstehen: Warum bekommen es staatliche Stellen nicht hin, vernünftige IT einzukaufen? Bei den Schulplattformen ist es ja genauso gelaufen. Da hat beim Bestellen offenbar auch niemand daran gedacht, dass eventuell morgens um acht alle Schülerinnen und Schüler gleichzeitig darauf zugreifen könnten. Das war nicht zu erwarten, muss also eine Attacke sein…
          Oder ich denke an die fürchterliche Seite berlin.de, auf der man nix findet, selbst die eigenen Unterseiten nicht, und vor der mich Browser regelmäßig warnt, weil es sich um eine unsichere Seite handelt 🙂

          1. Holger Klein sagt:

            Bizarrerweise ist berlin.de ein externer Dienstleister 😆

        2. Holger Klein sagt:

          Eine solche Software ist ein Standard-Produkt, das höchstens noch in Details angepasst werden muss, und damit etwas völlig anderes, als eine Logistik-Kette aufzubauen, die es so noch nicht gegeben hat. Mag sein, dass Du den Unterschied nicht siehst, er ist aber für jeden offensichtlich, der in seinem Leben schonmal Logistik und Softwareentwicklung gemacht hat.

          1. Mithrandir sagt:

            Aber genau die Details machen es eben aus.
            Und die Leute, die die Software im Detail anpassen, sind nict die, die aktuell irgendwo sitzen und Däumchen drehen, bis jemand kommt und sagt, „Wir hätten da einen Job für euch“. Besonders nicht, wenn es um staatliche Stellen geht, die It technisch oftmals hinterherhinken und nicht der bevorzugte Arbeitsplatz für ITler ist.
            Als jemand, der regelmäßig mitbekommt, wie die Planung, Testung und Implemetierung einer neuen IT Lösung in einem gewinnorientierten Industrieunternehmen läuft, finde ich, dass die aktuelen Lösungen ganz OK sind. 6 Monate für die EInführung einer komplett neuen Lösung, von der Idee bis zur Implementierung, sind extrem kurz. Zumal man Bedenken muss, dass die Menschen, die dann damit arbeiten quasi IT technisch ins kalte Wasser geworfen werden.
            Davon abgesehen, dass dann noch eine Menge Leute reinreden und meinen sie könnten es mit Ihren fünf Kumpels besser lösen.
            Ich habe auch einen Termin für meine Mutter gebucht. das ging sogar ziemlich schnell. Ja, wir hatten auch das Problem, dass der Termin am Anfang vergeben war, bevor man bestätigt hatte.
            Verwandte in meinem Umfeld haben es auch geschafft Doppeltermine zu bekommen.
            So what? Statt zu jammern, schaut euch lieber um, ob es in eurem Umfeld Personen gibt, die ggf. keine jungen Verwandten haben, die Ihnen durch den Terminbuchungsdschungel helfen.

          2. Boethi sagt:

            Ich frage mich immer wieder, ob die öffentlichen Stellen, nicht das richtige bestellen oder ob sie sich regelmäßig über den Tisch ziehen lassen. Es entsteht oft der Eindruck, es werde eine möglichst schlechte Lösung eingekauft, vielleicht muss es auch immer die billigste sein.

            Naja, die Entscheidung für Eventim in SH scheint ja mal eine gute gewesen zu sein.

          3. Holger Klein sagt:

            Wo ich Einblick hatte, lag es im Grunde immer an einer Mischung aus Prozessen und Personal (und Vergaberecht). Ingenieure, die kein Verständnis für die Anwender haben, treffen auf Anwender, die die Sprache der Ingenieure nicht verstehen. Mit etwas Glück gibt es jemanden, der als Übersetzer funktioniert, so dass in der Leistungsbeschreibung auch tatsächlich steht, was gebraucht wird. Zwischendurch setzen Leute mit mehr Einfluss noch Sonderwünsche durch, die das Produkt unnötig verkomplizieren und teurer machen als nötig oder möglich (Budgets sind ja meistens begrenzt).
            Dann geht das Projekt in die Abteilung Einkauf, die alles nochmal so abändert, wie sie es für juristisch sinnvoll hält, die aber keine Rücksprache hält, selbst wenn sie wesentliche Teile ändert (weil sie sie gar nicht erst als wesentlich erkannt hat), dann wird teilweise noch der Betriebsrat gefragt und wenn der das freigibt, werden Angebote eingeholt.
            Die laufen dann über den Einkauf zurück in die Fachabteilung, die dann erst feststellt, dass das neue Werkzeug gar nicht mehr das ist, was man ursprünglich mal haben wollte, aber bevor man den ganzen Prozess nochmal auslöst, nimmt man lieber, was man kriegen kann oder arbeitet mit dem alten Werkzeug einfach weiter.

            Die vielen Zwischenschritte und Beteiligten sorgen außerdem dafür, dass die Leistungsbeschreibung nicht wirklich eindeutig ist (oft kann sie das auch sowieso nicht sein, weil man nicht alle Parameter präzise planen kann), so dass die Anwälte der Auftragnehmer am Ende Lücken finden, an denen nachgebessert und nachberechnet werden kann.

          4. Titus von Unhold sagt:

            „Ingenieure, die kein Verständnis für die Anwender haben, treffen auf Anwender, die die Sprache der Ingenieure nicht verstehen.“

            Wenn man uns mit den Anwendern sprechen lassen würde wäre schon mal viel gewonnen. Die Projektverantwortlichen auf Kundenseite sind meistens Prozessarchitekten die sich etwas ausdenken dem dann Anwender und Entwickler folgen sollen.

  9. Sascha sagt:

    Als jemand der tatsächlich in GameStop investiert/gezockt hat meine Meinung dazu. Ich bin zwar nicht der der für 3$ gekauft hat aber für etwa 30€, beobachte das Spektakel also schon eine ganze Weile (seit Mitte Januar). Ich beschränke mich bei Reddit hauptsächlich auf die deutsche Community mauerstrassenwetten der amerikanischen wallstreetbets.

    Das was Holgi da behauptet Reddit hätte sich abgesprochen mal irgendwen in die Pleite zu treiben und dabei viel Geld einzusacken ist einfach absoluter Bullshit (Sorry Holgi).
    Ursprünglich war GameStop für die meisten auf Reddit eine Aktie mit Potential. Keine Frage GameStop steht nicht gut dar. Corona tut sein übriges für einen Retailer. Allerdings steht bei GameStop eine Kurswende an: z.B. Managementwechsel, große Investition von Ryan Cohen, Umorientierung Richtung e-commerce als Konkurent to Steam.
    Auch wenn es von außen so scheint, als seien da nur Spinner und Wahnsinnige unterwegs stimmt das einfach nicht. Es gab verschiedenste Analysen und Spekulationen untermauert von mehr oder weniger sinnvollen Argumenten. Ein Beispiel findet man unter gmedd.com die langfristig GME bei 80$ sehen. Ähnliche Analysen gab es Mitte Januar eigentlich täglich. Das die Aktie mit weit über 100% geshortet ist war natürlich bekannt wurde aber mehr als Katalysator bzw. als Absicherung diskutiert und nicht als eigentlicher Grund die Aktie zu kaufen.
    Je weiter der Kurs stieg umso interessanter wurde die Aktie für Kleinanleger. Und je weiter es stieg umso weniger ging es um GameStop als Firma. Mittlerweile steht einfach das Aussnutzen des einfachsten Prinzips der Börse zu Grunde: Angebot und Nachfrage. Die Kleinanleger besitzen die Resource die die Shortseller brauchen. Allerdings weigern sich die Kleinanleger ihre Aktien abzugeben.
    Initial gab es weder das Bestreben noch das Interesse an einer geziehlten Manipulation. Irgendwann setzte allerdings eine Art Herdentrieb ein und das Ergebnis bleibt abzuwarten.

    Achso zu den Leuten die früh investiert haben:
    Ein Reddituser (deepfuckingvalue) hat sehr früh eine größere Menge investiert und postet seit dem täglich ein Bild seines Depots. Wenn man dem Bild glauben darf ist er weiter investiert, hat mit seinen Aktien heute am 30.01. mehr als 2000% Buchgewinne und mit Optionen noch mal 155.000 %(!) Gewinne. Sein gesamtes Depot beläuft sich auf 46 Millionen $
    https://i.redd.it/r557em3t5ce61.png

    1. Holger Klein sagt:

      „Initial gab es weder das Bestreben noch das Interesse an einer geziehlten Manipulation“

      Das würde bedeuten, dass sämtliche Meldung in diese Richtung falsch sind. Oder verstehe ich dich da falsch?

      (Man kann statt „ist einfach absoluter Bullshit“ auch einfach sagen „stimmt nicht“, dann muss man hinterher auch nicht um Entschuldigung bitten 😉 )

      1. Mithrandir sagt:

        Holgi, ich bin seit Jahren Fan von dir, aber in letzter Zeit wundere ich mich un bin enttäuscht von deiner Art.
        „ist einfach absoluter Bullshit“ ist meiner Meinung nach nicht schlechter als „ich kenne 5 Leute die das locker besser“ hinbekommen hätten.

        1. Holger Klein sagt:

          1. Ich kenne mindestens fünf Leute, die das, aus dem Stand, in ihrer Freizeit, locker besser hinbekommen hätten.

          2. Kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie man auch nur auf die Idee kommen kann, ein allgemeiner Angriff auf die Exekutive, der sich eindeutig auf eine Person zurückführen lässt und in einer laufenden Sendung stattgefunden hat, sei auch nur ansatzweise gleichzusetzen mit einem direkten, pseudonymen, persönlichen Angriff in einem Kommentar.

      2. Sascha sagt:

        Richtig. Alles was in dieser Richtung berichtet wurde, und weiter wird ist einfach falsch.

        Es gibt keinen Anführer der das nächste große Ding ausruft, oder eine Elite die die Marschrichtug vorgibt. Reddit ist da wie Twitter, einfach ein Haufen Leute, die größtenteils wild durcheinander brüllen. Die Mods der deutschen Community haben sich auch mehrfach gegen einen offiziellen Twitteraccount ausgesprochen, weil es nichts gibt was sie repräsentieren können oder wollen. Auch bei der Kontaktaufnahme zur Presse werden die User darum gebeten nur für sich selber und nicht für die Community zu sprechen.

        Wenn du dir Anlegerzeitungen kaufst, deren Analysen liest und dir darauf hin denkst: „Klingt alles sinnvoll, ich investiere da mal.“ Ist das dann Manipulation im Sinne der BaFin?
        Ich beziehe mich mit meiner Aussage nicht auf die letzten Tage, sondern auf dem Anfang der Entwicklungen. In den letzten Tagen sind sowohl die deutsche als auch die englischsprachige community etwa um den Faktor 10 gewachsen, entsprechend ändert sich auch die Kommunikationsgrundlage von Leuten die tatsächlich interesse an der Börse haben und da ein bisschen zocken wollen, hin zu Leuten die einfach gratis Geld mitnehmen möchten oder die Wallstreet am Boden sehen wollen.

        Mittlerweile finden sich auch tatsächlich Gruppen zusammen die sichgeziehlt an Marktmanipulation versuchen wollen. Silber als Rohstoff wird da viel diskutiert als „nächstes GameStop“, wenn nur genug Leute kaufen…

        (Man kann natürlich „stimmt nicht“ sagen, aber das drückt bei weitem nicht so gut mein Gefühl aus das ich habe, wenn ich wiederholt sowas höre und lese. Da entschuldige ich mich lieber 😉 )

        1. Max sagt:

          Ich finde es inhaltlich gut wie auf das Thema eingehst. Hatte mich beim hören auch ein wenig an der Darstellung gestört.

          Meiner Ansicht nach geht die meiste Manipulation gerade von den Hedgefunds aus

          Für mich hat Louis Rossmann das Thema verständlich zusammengefasst, hier zum Beispiel in einem Interview mit yahoo finance als „Reddit User“. Eigentlich ist er eher aus der Right to Repair Bewegung bekannt.

          https://www.youtube.com/watch?v=m-b3opvdYL4

  10. Martino sagt:

    GameStop und die Wette auf die Wette auf die Wette:

    Naja, man könnte auch viel einfacher sagen: Wer einen steigenden Kurs erwartet, kauft die Aktie, wer einen sinkenden Kurs erwartet, „shortet“ sie. Das Shortselling ist somit im Prinzip das natürliche Gegenteil des Kaufs.

    ABER: Während der Kauf der Aktie „von selbst“ funktioniert (ich kann nur kaufen, was da ist, und dann habe ich’s), brauche ich beim Shorten jemanden, der mir die Aktie leiht. Ich bin somit in potentiell unbegrenzter Höhe verschuldet.
    Die Aktie kann nur wertlos werden, aber mich nicht unbegrenzt weiteres Geld kosten.

    Die Erkennung von Pleitefirmen als Legitimation für Shortselling ist mir auch deutlich zu dünn. (Vor allem, wenn Shortselling erst Pleite-Firmen erzeugt.) Warum muss in einer solchen Erkennung ein Profit stecken? Weil sich sonst nicht genug darum gekümmert wird? Regelt hier der Markt?

    Was mir dazu noch einfällt: Ist das Reddit-Forum mit seinen Teilnehmern nicht eine (illegale) Preisabsprache?

    1. Holger Klein sagt:

      „wer einen sinkenden Kurs erwartet, “shortet” sie“

      Ich würde meine Aktien ja einfach verkaufen, wenn ich einen Kurs erwarte, der mir nicht gefällt. Aber dann verdiene ich halt nicht noch an fallenden Kursen 😉

      1. Malte sagt:

        Push-Option würde es auch tun. Das Versprechen, nächste Woche für den Preis von heute verkaufen zu können, wenn man das nächste Woche denn will. Falls der Kurs fällt, kann man dann nächste Woche billig kaufen und sofort teuer verkaufen = Gewinn. Falls der Kurs steigt, macht man das nicht und hat nur die Gebühr für das Versprechen verloren. Profitiert weiter von fallenden Kursen, aber mit endlichem Risiko. Macht halt etwas weniger Gewinn als shorten.

        Was mich viel mehr interessiert (bin noch nicht dazu gekommen die Folge zu hören): Verliert da eigentlich jemand Geld, was nicht ausdrücklich Risikokapital war? Ein Hedgefonds mit riskanten Shorts ist ja nicht geeignet als, sagen wir mal, Rentenfonds. Nun ist das ja ein amerikanisches Ding und Renten sind Sozialstaat, und in ‚Murica reicht die politische Bildung nicht um zwischen Sozialstaat und Kommunismus zu unterscheiden. Kann mir deshalb vorstellen, dass doch einige Leute Geld verlieren, was nicht als Risiko gekennzeichnet war.

  11. Simon sagt:

    @Holgi: Ich glaube bei Robinhood hast du dich ein bisschen verhoben. Front-Running wäre viel zu leicht nachweisbar, als dass man daraus ein Geschäftsmodell bauen könnte – zumindest in den USA. Aber hierzulande haben wir die christlichen Unionen als kleine behinderte Schwestern der GOP, da könnte ich mir das eher noch vorstellen.

    Ganz guter Übersichtsartikel: https://www.institutionalinvestor.com/article/b1m2p1cv68bx56/Twitter-Freaked-Out-Over-Robinhood-Selling-Its-Trade-Flow-But-the-App-and-Others-Have-Been-Doing-It-for-Years

    1. Holger Klein sagt:

      Meine schöne Versch… äh… Arbeitshypothese *heul*

  12. Hans sagt:

    Thema Leerverkäufe:

    Unbedingt „The Big Short“ anschauen. Besser kann man den Finanzkollaps von 2008 nicht erklären. Und unterhaltsam ist es auch noch…

  13. Hans sagt:

    Aus der oben verlinkten Prognos-Studie:

    „Vorwort
    Auch in einer veränderten Weltwirtschaft gibt keine Alternative zum Freihandel“

    Da habe ich gleich schon kein Interesse mehr, weiterzulesen. *Kopfschüttel*

    1. Holger Klein sagt:

      Dann erleuchte uns doch alle mal, indem Du die Alternative darlegst.

      1. Hans sagt:

        Es ging mir vor allem darum, dass mein Vertrauen in die Autoren drastisch sinkt, wenn schon in der Überschrift ein Grammatikfehler drin ist.

        Ich habe übrigens eben einen längeren Kommentar noch zu Seite 6. verfasst, aber der scheint nicht veröffentlicht zu sein.

  14. Hans sagt:

    Und nochmal zur Prognosstudie:

    Seite 6:
    Der Anteil (! das Ausrufezeichen ist von mir) der Wirtschaftsleistung des „Westens“ fällt von 2018 36% auf 2040 29%
    Die Weltwirtschaftsleistung nimmt aber jedes Jahr um 2,9% zu. Steht da auch auf der gleichen Seite.

    Ich habe das mal durchgerechnet:
    In absoluten Zahlen bedeutet das, wenn wir jetzt einfach mal die Zahl 100 für die Weltwirtschaftsleistung in 2018 annehmen und das mit 2,9% pro Jahr hochrechnen folgendes:

    2018 — 100 — 36% = 36


    2040 — 187,56 — 29% = 54,39

    Das entspricht einem Wirtschaftswachstum im „Westen“ von 66,19 % in 2040 gegenüber 2018

    Also ist ja wohl alles in Butter und es ist nicht nötig, dass ich mir Panik machen lasse. Ich bin diese projizierten wirtschaftlichen Modellrechnungen so leid.

    Oder sagt mir, wo ich den Denkfehler habe und korrigiert mich bitte.

    1. Hans sagt:

      Entschuldigung.

      Korrektur:
      Das Wachstum von 2040 bis 2018 ist 151,09 %

      Was ich zuerst hingeschrieben hatte, war die Prozentzahl, die 36 von 54,39 ist…

      So, und jetzt aber schönen Sonntag!

      PS: Das ist auch alles ausdrücklich keine Kritik an Kathrin oder Holgi sondern nur an Wirtschaftsprognosen…

  15. Andreas Krämer sagt:

    Hi danke für euren Podcast,

    von mir gibt es nur eine gute Nachricht. Es gibt Housing first in Berlin 🙂 https://housingfirstberlin.de
    ja es ist noch nicht Standart, ich denke wir können uns denken an wem das liegt, ich vermute an der Partei wo ein führender Genosse einmal sagte: „Wer arbeitet, soll etwas zu essen haben, wer nicht arbeitet, braucht nichts zu essen.“ F. Müntefering

    Eine Organisation die ungewollt schwangere Pol*innen unterstützt, kann man hier sein Geld geben: https://de.gofundme.com/f/support-ciocia-basia

    1. claudia sagt:

      danke für den hinweis. genau sowas hab ich für mein übriges geld gesucht.

  16. Thomas sagt:

    Banker:innen / Bankkaufleute von morgen:

    Also ich persönlich ärgere mich, nicht den IT-Bereich angepeilt zu haben. Jedoch muss ich leider aber auch zugeben, dass ich zwar technisch sehr versiert bin, aber jegliche Programmierversuche nichts wurden. Daher sind Jobs in dem Bereich eher schwierig.

    Ich bin so ein Bankkaufmann. Auch Betriebswirt und Bachelor in dem Bereich. Aus Sicht des Privatkundengeschäftes: Eine klassische Ausbildung würde ich niemandem empfehlen, der das Ziel hat, dort dann auch bleiben zu wollen. Karriere ist dort auch kaum mehr möglich, da das Niveau der Gehälter nicht mehr so ist wie früher bzw. bei denen, die jetzt jenseits der 45 sind.

    Eine kaufmännische Ausbildung mit Fokus auf Verkauf und Vertrieb ist sicherlich für fast alle Berufe durchaus nützlich. Daher könnte man dies in Betracht ziehen.
    Eine duale Ausbildung, mit einem finanzierten Studium dabei ist sicherlich nicht so verkehrt.
    Die Branche an sich muss sich aber krass verändern.
    Das, was überbleiben wird, sind Verkäufer:innen und IT-Personal. Persönliche Beratung wird in manchen Fällen und für manche Zielgruppen immer weiter bestehen bleiben. Dann aber vermutlich über einen direkten Aufpreis oder einen indirekten wie höhere Produktkosten.

    Die Sachbearbeiter:innen werden immer weniger und wandern – wie jetzt schon häufig – für eine gewisse Zeit zu den Stadtverwaltungen. Dort wird die Automatisierung und Digitalisierung der Prozesse noch eine Generation länger dauern.
    Man könnte hierzu gut eine eigene Sendung machen. Ich möchte den Kommentar jedoch nicht endlos werden lassen.

    Kurzum: Bill Gates hatte 1994 recht: „Banking is necessary. Banks are not.“

  17. Andreas sagt:

    Warum nicht Sputnik V bei einer Wirksamkeit von fast 92% besorgen? Dieser ist, ähnlich der Impfstoff von AstraZeneca, ein Vektorimpfstoff.

    Hier noch mal Schwarz auf Weiß zur Wirksamkeit von Sputnik V: https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(21)00234-8/

    Spiegel.de hat ebenfalls einen Artikel: https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/coronavirus-russischer-impfstoff-zeigt-wirksamkeit-von-91-6-prozent-a-e11fa5af-583b-41d1-bd99-6204997f87f1

    1. Katrin sagt:

      ja, das sind wirklich gute Nachrichten – schön, dass es seit heute dazu auch valide Zahlen zu geben scheint. Am Freitag gab es die noch nicht.

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