Die Wochendämmerung

Politik, Gesellschaft, Quatsch. Der Podcast mit Katrin Rönicke & Holger Klein

Rechter Terror – Rassismus tötet

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28 Kommentare

  1. Da das Thema Grüne und Wissenschaftlichkeit etc. bereits erneut kurz aufgekommen ist, wollte ich nun die Gelegenheit nutzen um ein paar Gedanken einzubringen. Tut mir leid, dass es mit dem eigentlichen Hauptthema der Sendung gar nichts zu tun hat.

    Ich kann Holgers Perspektive sehr gut verstehen, allerdings verkennt diese, dass sich in den letzten Jahren eine erstaunliche Dynamik bei den Grünen zeigt, vor allem bei den neuen Mitgliedern und dem Grünen Nachwuchs. Und die geht wie folgt:

    Typischerweise zeichnen sich die Jugendorganisationen der Parteien ja dadurch aus, dass sie „radikalere“ Positionen als die Mutterpartei einnehmen. Im Falle der grünen Jugend ist aktuell eine andere interessante Entwicklung festzustellen. So ist seit einiger Zeit von Seiten des Nachwuchses eine zunehmende Kritik an alten und traditionellen Positionen der Partei zu erkennen, bei der sie sich vor allem auf wissenschaftliche Evidenz berufen und eine konsistente Orientierung am „wissenschaftlichen Stand des Wissens“ fordern. Exemplarisch zeigt sich dies bei den Themen Gentechnik und Homöopathie. Es kommt nicht von ungefähr, dass die Homöopathie Debatte aus der Grünen Jugend kommt. Vor allem aber zeigen sich erste Veränderungen der Positionierung der Gesamtpartei sind bereits festzustellen. Dies ist nicht zuletzt auf den deutlichen Mitgliederzuwachses von vor allem jungen Mitgliedern zurückzuführen, weshalb diesbezüglich noch weitere mittel- und langfristige Auswirkungen auf die Positionierung zu erwarten sind.

    Ich gehe davon aus, dass die Homöopathie-Diskussion vor der BDK um den Antrag, der letztlich in eine Komission, die nun ausgefallen ist, verschoben wurde, viele verfolgt haben. Bereits Anfang 2019 löste ein homöopathiekritischer Artikel in der taz eine intensive Debatte innerhalb der Grünen aus. Die bayrische Grünen-Politikerin Birgit Raab (55) und die Bundestagsabgeordnete Ulle Schauws (53) legten nahe, dass hier die Pharmaindustrie, namentlich Bayer, Einfluss genommen hätte. Demgegenüber lobte die die bayrische Fraktionsvorsitzende Katharina Schulze (34) den Artikel und bezeichnete Homöophatie als Hokuspokus. (Interessanterweise unterstützen die Grünen in Bayern unter der Führung von Frau Schulze gerade eine sinnlose Homöopathie-Studie). Vor allem aber die Grüne Jugend kritisierte Schauws deutlich und verabschiedete auf ihrem Parteitag einen entsprechenden Antrag, quasi der vorläufer zu dem antrag auf dem Parteitag der Gesamtpartei.

    Selbst beim Grünen Liebslingsthema Gentechnik tut sich etwas, obwohl es quasi zur Partei-DNA gehört. Erneut kommen diese Positionen vor allem aus der Grünen Jugend heraus. Man müsse die „historische Position“ vor dem Hintergrund der „globalen Herausforderungen“ überdenken und im Rahmen der Debatte „auf wissenschaftlicher Basis argumentieren“ heißt es in Anträgen der Grünen Jugend Niedersachsen bzw. Sachsen-Anhalt. Der „wissenschaftliche Konsens ist mittlerweile eindeutig“ und es gäbe „keine Hinweise darauf, dass gentechnisch veränderte Nutzpflanzen pauschal Nachteile gegenüber konventionellen Züchtungen mit sich bringen.“ Die übergroße Mehrheit aller Wissenschaftler gehe davon aus, „dass der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen sicher“ sei und auch die Weltgesundheitsorganisation betone, „pauschale Vorwürfe“ gegen Gentechnik seien nicht gerechtfertigt.

    Und auch im ersten Entwurf des neuen Grundsatzprogramms der Partei, welches Anfang des 2019 veröffentlich wurde, zeigte sich bereits eine erste Verschiebung in der Argumentation. Wenngleich Gentechnik auch hier weiterhin kritisch gesehen wird, ist die Begründung lediglich noch ökonomischer Natur, da diese Monopolstrukturen fördere.

    Was sind die Grüne für diese Entwicklungen? M.E: Zweierlei:

    1. Die Frage der Glaubwürdigkeit und Konsitnez: Die jungen Grünen kritisieren zunehmend die Widersprüchlichkeit der Partei in ihrem Verhältnis zu Wissenschaft. Wichtiger Ausgangspunkt ist dabei das Kernthema der Grünen, der Klimaschutz. Hier sei man nah an der der wissenschaftlichen Community und könne sich auf die Erkenntnisse der Wissenschaft berufen. Allerdings neige die Partei zum „Rosinenpicken“, wenn Sie Wissenschaftlichkeit bei Themen einfordern, die Ihnen zupasskämen, jedoch diese bei anderen Themen wie beispielsweise der grünen Gentechnik ignoriere.

    2. und das ist m.E. der Hauptgrund: Der Generationswechsel und die Veränderung der Altersstruktur durch den enormen Mitgliederzuwachs der letzten Jahre. Denn in beiden Diskussionen zeigt sich ein Generationenkonflik, der wiederum Ausdruck des Generationswechsels ist, den die Partei derzeit durchläuft bzw. bereits teilweise durchlaufen hat. So hat die „alte“ Generation deutlich an Einfluss verloren, insbesondere jene Politiker, die bereits seit der ersten rot-grünen Regierung (1998-2005) Führungspositionen einnahmen. Die Wahl von Baerbock (Seit 2005 Mitglied) und Habeck als neue Parteivorsitzenden war der sichtbarste Ausdruck dieses Generationswechsels, der sich bereits länger abzeichnete.

    Ein zentraler Grund ist der deutliche Mitgliederzuwachs in den letzten elf Jahren und der damit verbundene relativ hohe Anteil von jungen Parteimitgliedern, der zu einem höheren Einfluss der jungen Grünen innerhalb der Partei führte. So lag 2016 der Anteil der Parteimitglieder unter 30 Jahren bei ca. 13%, während Union und SPD ca. 5 % bzw. 7,5 % aufwiesen. Noch deutlicher wird dies bei dem Anteil der über 60-jährigen, die bei den Grünen nur 23,5% der Mitglieder ausmachen, während SPD und Union bei jeweils ca. 50% liegen. Insgesamt haben die Grünen mit ca. 49 Jahren das niedrigste Durchschnittsalter der im Bundestag vertretenen Parteien. Noch stärker war die Altersdiskrepanz bei den Grünen im Jahre 2010. Hier übertraf der Anteil der unter 30-jährigen (17%) sogar den der über 60-jährigen (12,8%).

    Dies ist auf die erste größere Parteieintrittswelle zwischen 2008 und 2012 zurückzuführen. In dieser Zeit ist die Mitgliederzahl von ca. 45.000 auf ca. 60.000 angewachsen. Dabei sind insbesondere junge (höher gebildete) Menschen in die Partei eingetreten, die mittlerweile Einfluss in der Partei gewonnen haben. Während frühe Mitglieder der Grünen typischerweise eher esoterischen Positionen nahestanden, ist dies bei den jungen Grünen erheblich weniger festzustellen. Insofern schlägt sich die „pragmatischen Genration“ (Shell Studie) auch bei der grünen Jugend nieder.

    Aktuell sind die Mitgliederzahlen im Rahmen einer zweiten Eintrittswelle seit 2017/2018 noch deutlicher gestiegen. In der Zeit von 2018 bis Mitte 2019 ist die Mitgliederzahl der Grünen von 65.000 auf 85.000 (+30,8%) angewachsen. Allein im ersten Halbjahr 2019 waren es knapp 10.000 Neueintritte. Inzwischen liegt die Mitgliederzahl bei 95.000. Somit über die Hälfte der Mitglieder erst nach 2007 und damit NACH der ersten Rot-Grünen Regierung in die Partei eingetreten. Wiederholt ist davon auszugehen, dass vor allem junge Menschen sich für eine Mitgliedschaft entschieden haben, was sich erneut auf die demografische Zusammensetzung und die inhaltliche Ausrichtung der Partei auswirken dürfte. Dieser ist Ausdruck des Generationswechsels, den die Partei derzeit durchläuft bzw. bereits teilweise durchlaufen hat. So hat die „alte“ Generation deutlich an Einfluss verloren, insbesondere jene Politiker, die bereits seit der ersten rot-grünen Regierung (1998-2005) Führungspositionen einnahmen. Die Wahl von Baerbock und Habeck als neue Parteivorsitzenden war der sichtbarste Ausdruck dieses Generationswechsels, der sich bereits länger abzeichnete.

    Es zeigt sich also die alte Generation der Grünen wächst sich nicht nur aus, wie es bei einer regulären Partei wäre. Durch den enormen Mitgliederzuwachs werden diese zunehmend weniger und verlieren in der Partei an Einfluss und ihre vorherrschende Position. Es ist somit nur eine Frage der Zeit bis sich die Grünen als Gesamtpartei beim Thema Homöopathie und Gentechnik auch verändert haben werden. Vor allem aber ist die Grüne Partei die einzige bei der sich der demografische Wandel nicht durchsetzt und dieser ist ein großes Problem nicht nur für unsere Sozialsysteme sondern auch für unser politisches System. Doch während andere Parteien tendenziell älter werden (über 70% von Union und SPD sind über 50 Jahre Tendenz steigend) gewinnen bei den Grünen zunehmend die jungen Kräfte die Mehrheit.

  2. Hi Katrin und Holger,

    Holgi hat doch mal mit Matthias über die KSZE (Konferenz für Sicherheit in Europa) geredet.

    Wäre das nicht etwas, was man wieder reaktivieren könnte? Was denkt ihr?

    Grüße

    • Die braucht man nicht reaktivieren da es die Nachfolgeorganisation, Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), bereits gibt. Die KSZE wurde 1995 in OSZE umbenannt. Die OSZE kam z.B. während der Ukraine-Krise 2014 häufiger zum Tragen.

  3. Ah, Holgi hat Funny van Dannen gehört!

  4. Niedlich finde ich in diesem Zusammenhang Katrins Verklärung der Grünen. Holgis Kritik ist da mehr als gerechtfertigt. Und Homöopathie ist da nur eine Baustelle von vielen in dieser Partei.

  5. Ihr habt den Kommentar von AKK zu Hanau gelobt. Ich vermute mal, dass ihr nur die geschnittene Variante kennt. Wer das zweifelhafte Vergnügen hatte den Kommentar live auf Phoenix zu sehen musste leider beobachten, dass sie zwei Statements auf einmal abgelassen hat. Nach den Worten zu Hanau drückte sie noch ihre Freude darüber aus, den “Panzer der Zukunft” auf den Weg gebracht zu haben. Die beiden Themen in einem Statement, waren mindestens höchst unglücklich

  6. Thema: Rassismus

    rein wissenschaftlich aus sicht der Biologie gibt es keine menschliche Rassen.
    Der Begriff ist somit nicht naturwissenschaftlich – kann also nur sozialwissenschaftlich betrachtet werden.

    Ausserdem: die Bandbreite der Genunterschiede innerhalb eine “äusserlich” gleichen Menschengruppe ist kann grösser sein, als weltweit unter auch “äusserlich” unterschiedlichen Menschengruppen.
    Die äussere Erscheinung wird in sehr vielen unterschiedliche Genen definiert. Gutes Suchstichwort hierzu ist DNA-Phenotyping.
    Da gabs mal ein einen grossen Aufschrei ob dies bei der Ermittlungsarbeit auch für Anfertigung der Fahnudungsbildern über eben DNA-Spuren genutzt werden soll
    Kritisch ist aber: selbst bei identischen Genen (eineiige Zwillinge) wird die äussere Erscheinung durch die Epigenetik stark beeinflusst. Kurz: welche Gene werden aktiv und welche werden inaktiv.

    Wenn man also die Naturwissenschaft unbeachtet lässt beim Rassismus und dies trotzdem als allgemeine menschliche Verhaltensweise betrachtet und dieses Verhalten nicht angelernt ist, sondern in der Art wie ein Instinkt bei vielen Tierarten verankert ist muss dies über die Evolution betrachtet ja einen Fortpflanzungsvorteil ergeben. Unvorteilhafte Eigenschaften werden sich nicht fortpflanzen.

    Welchen evolutionären Vorteil (im Sinn der Fortpflanzung) soll nun Rassismus haben?

    Das Gegenteil ist da eher positiv: eine möglichst grosse Genbandbreite um Inzucht zu verhindern.
    Männlein und Weiblein “stehen” auf äussere Gegensätze in der Art wie
    – grosse Europäer stehen auf kleine Japaner und umgekehrt
    – Europäer stehen auf sog. Südländer und umgekehrt
    – Afrikaner stehen auf blonde Europäer
    – usw. usw… alles nur Vorurteile.
    mit dem Effekt einer guten Durchmisschung.

    Rassismus kann also nicht fest als menschliches Verhalten verankert sein. Das muss soziale Verhaltensweise gelernt werden.

  7. Die von Euch referierte Rassismustheorie hat für mich einige Probleme. Schon die ältesten überlieferten Gesetzestexte, die vor (ohne nachzusehen) über 5000 Jahren in Stein gemeisselt wurden, enthalten Paragraphen zum Umgang mit Sklaven. Auch in der Bibel finden sich Vorschriften dazu. Wir wissen von den alten Ägyptern, Griechen und Römern, daß sie Kriegsgefangene in die Sklaverei führten – darunter auch Afrikaner. Im Mittelalter sind die Wikinger von den britischen Inseln bis nach Nordafrika und entlang der großen Flüsse Russlands auf Sklavenjagd gegangen, die Deutschen haben ihre Sklaven vor allem aus den slawischen Gebieten östlich der Elbe bezogen. Arabische Reisende berichten um das Jahr 1000, daß Europas größter Sklavenmarkt zu Füßen der Prager Burg lag (damals ein Teil Deutschlands). Im späten Mittelalter belieferten dann die italienischen Seerepubliken europäische Sklavenmärkte.
    Worauf ich hinaus will: Die Sklaverei war in Europa nie richtig weg. Mit der fortschreitenden Christianisierung mag es zwischenzeitlich ein verringertes Angebot und steigende Preise gegeben haben, denn die Kirche hatte leichte Bedenken bei der Versklavung von Christen. Aber es gibt keinen Grund warum es um 1500 plötzlich einen Rechtfertigungsdruck gegeben haben sollte. Man hat halt das getan, was man schon immer tat – nur hatte man plötzlich Zugriff auf mehr Heiden als in den Jahrhunderten davor.

  8. Zum ÖR und BBC auch gerne zu sehen: Jonathan Pie – RIP BBC
    https://m.youtube.com/watch?v=imYebujz5uY

  9. Ich glaube nicht, dass Fremdenfeindlichkeit als Begriff so falsch ist, weil Rassismus eine schlimme Untergruppe davon ist. Aber es ist eben auch nicht richtig, weil Rassismus genauer ist und damit das Problem in diesem Fall besser trifft.

    • Es ist eine Frage der Perspektive.

      Aus der Perspektive des Rassisten ist Fremdenfeindlichkeit – Xenophobie – richtig, weil er eben der als fremd empfundenen Person feindlich gegenüber steht. Analog gilt das Gleiche für den Begriff Ausländerhass.

      Objektiv betrachtet ist das natürlich Quatsch, weil es dem Rassisten (im Positiven wie im Negativen) völlig gleich ist, ob sein Gegenüber fremd oder Ausländer ist. Er knüpft seine Feindschaft allein an äußeren, eben rassistischen Merkmalen.

      Aus genau diesem Grund fand ich Fremdenfeindlichkeit eigentlich lange als Begriff ganz gut. Weil es eben die verquere Sicht des Täters benennt, dessen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ohnehin keine objektive Grundlage hat. Und da finde ich es aus Anlass der pathologischen Beobachtung passend, die Krankheit so zu bezeichnen, wie sie sich äußert.

      Ich hab aber oft genug von Betroffenen und Anderen die Argumente gehört, die dagegensprechen (Normalisierung, Tätersicht, Schlag ins Gesicht etc, muss ich hier nicht vertiefen). Oft genug, um zu dem Schluss zu kommen, dass ich mir keinen Zacken aus der Krone schlage, wenn ich meine Sprache dem anpasse und meinen Stolz ob meiner tollen Reflektiertheit runterschlucke.

      Mittlerweile haben mich die Argumente auch überzeugt und ich hab meinen früheren Standpunkt überdacht. Aber darum geht es mir gar nicht. Selbst wenn nicht, kann man da ruhig einfach mal drauf hören.

  10. Danke für diese wunderbare Folge, sie hat geholfen die negative Energie raus zu lassen! Ihr seid ein gutes Team!

  11. Hey Holgi 🙂

    Was mich am Streit über die Rundfunkgebühr immer maßlos ärgert ist, dass es nahezu immer nur um beide Extreme geht: Die eine Seite brüllt “abschaffen!” und die andere Seite verteidigt sie aufs Blut und will sich gar nicht erst auf die Diskussion einlassen, ob er in der aktuellen Form überhaupt sinnvoll und zeitgemäß ist.

    Ich glaube ein großer Teil des Akzeptanzproblems des Rundfunkbeitrags liegt nicht in seiner bloßen Existenz, sondern schlichtweg bei der enormen Höhe und dem Gefühl, dass man es bei dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit einem völlig aus dem Ruder gelaufenen verschwenderischen Monstrum zu tun hat, was immer weiter künstlich aufgebläht wird.

    Ich stimme dir absolut zu, dass ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk aus diversesten Gründen für unsere Demokratie enorm wichtig ist. Aber es kann mir niemand erzählen, dass man diesen Job nicht auch für deutlich schlankeres Geld in einem ausreichenden und qualitativ hochwertigen Umfang leisten kann.

    Selbst wenn wir davon ausgehen, dass man den Beitrag auf eine Summe – vielleicht im Spektrum von 5-10 EUR pro Monat – reduzieren würden, wäre dies gemessen an der Zahl der Beitragszahler immernoch ein wirklich immenser Betrag, für den der Job doch zu leisten sein müsste.

    Auf der einen Seite müsste dafür definitiv wie du es schon korrekt ausgeführt hast die gesamte Struktur dringend auf den Prüfstand und vor allem unnötige Redundanzen abgebaut werden. Auch der oft genannte Verwaltungswasserkopf ist da sicherlich auch ein großes Problem.

    Was ich aber ebenfalls befürworten würde wäre, dass man den Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf jene Aufgaben zusammenstutzt, welche für unsere Demokratie wirklich wichtig sind. Gerade bei Unterhaltungsinhalten, welche problemlos auch von den Privaten angeboten würden, sollte man radikal den Rotstift ansetzen, denn dies ist in meinen Augen einfach komplett unnötiger Kostenfaktor. Gerade bei Inhalten wie Gameshows, Fußball, usw. gibt es nun wirklich keinen vernünftigen Grund, warum dies die Allgemeinheit finanzieren sollte. Der Unterhaltungssektor sollte meines Erachtens nach radikal auf jene Inhalte zurecht gekürzt werden, welche in der privaten Medienlandschaft ansonsten nicht stattfinden würden.

    Vielleicht wäre der Ansatz des Netflix-Modells gar nicht so dumm. Natürlich nicht komplett, wie es von vielen etwas unüberlegt gefordert wird. Aber vielleicht in der Form, dass man den ÖRR aufsplittet. Ein Basisangebot (Nachrichten, Information, Bildung, Kultur), welches von der Allgemeinheit per kleinem Rundfunkbeitrag finanziert wird und zusätzlich dazu ein wenn man möchte optional hinzubuchbares Programmpaket, welches dann entsprechende Unterhaltungsinhalte liefert.

    • Ich sehr gern die ÖR – allerdings schon seit Ewigkeiten nicht live, sondern immer selber aufgenommen. Oft werden viele gute Dokus zu unmöglichen Zeiten gebracht oder Filme teuer bezahlt, dann aber nur Startzeit 23:30 – das kann doch keiner normal gucken. Aber ich hab mich damit arrangiert, nehme auf und gucke wenn ich Zeit hab. Und dann kann ich entsprechend viel rausnehmen. Wenn ich nur live gucken würde, und dann auch noch am Wochenende mir das Rentnerprogramm abends auf ARD+ZDF ansehen müßte, würde ich wahrscheinlich auch die Wände hochlaufen.

      Ich lese seit über 10 Jahren diese KEF-Reporte, die alle 2 Jahre herausgegeben werden. Ja, die versuchen auch etwas den Kostenrahmen zu deckeln (weil wirklich immer viel mehr angefragt wird, als dann hinterher genehmigt wird – wie Holgi schon sagte), aber das weiß die Gegenseite ja auch und es bleibt beim StatusQuo bzw eine leichte Steigerung.
      Die KEF hätte vor Jahren schon viel stärker einschreiten müssen, und eben langsam den Wasserkopf an vielen Stellen einzudämmen sollen. Ja, unabhängigkeit ist richtig und wichtig, aber muß die einmal entwickelte Strukturierung auf Ewig so beibehalten werden?
      Es wurde eher an kleinen Sachen gespart, wie zb die Einspeisegebühren in das Kabelnetz. Der Kabelprovider bekommt von beiden Seiten Geld, vom Sender damit die Programme da sind, und vom Kunden, damit er Programme sehen kann. Wie man _dann_ noch Verluste als Kabelbetreiber machen kann, ist echt ein Kunststück. Das wollten sie von der KEF getrieben einstellen, haben sie auch eine Weile, bis es durch eine Klage jetzt doch wieder bezahlt wird. Dann hätten sie halt mal den Arsch in der Hose haben sollen, daß es eben keine Einspeiseverpflichtung gibt und sie das Programm auch nicht ins Kabel übernehmen müssen. Der Kabelanbieter muß die Programme ja nicht einspeisen, wenn er denn nicht will… – dann wäre den Kabelbetreibern schon die Kunden aufs Dach gestiegen… So wird wieder bezahlt, auch eine Form von Korruption.

      Hessen3 – mir ist klar, daß damals das Bundesland sich weder dem WDR, noch dem Südwest noch Bayern eingliedern lassen wollte – aber muß das jetzt noch Jahrzehnte so weiter gehen? Ebenso Saarland ist immer noch eine Sondergliederung und trotzdem zu 90% Südwestfunk. RadioBremen (seit einigen Jahren auch RadioBremenTV (wtf?) macht irgendwas, warum es nicht zum NDR gehören will. Warum ist Hamburg untergliedert, das kleinere Bremen aber nicht?
      WDR mit den Unzähligen Untersplitterungen – na klar ist NRW ein bevölkerungsreiches Bundesland, aber bitte… muß diese Lokalsplitterung wirklich sein? WDR Aachen… pff, dann will ich ein RBB Spandau, RBB Pankow, RBB Treptow… alles Berliner Teile, die mehr Einwohner haben als Aachen. Gibts da auch nicht. Nein es muß ja nicht ein WDR werden, aber eben nicht 14. Und so sehr ich lokale Nachrichten verstehe, führen sie auch nur zur Abgrenzung von den anderen. Als Außenstehender finde ich diese Frotzeleien zwischen Köln und Düsseldorf bzw Links- und Rechtsrheinisch immer mehr als peinlich – ist das nicht auch Rassismus im ganz ganz kleinen?

      Also gäbe es da einiges an Sparmöglichkeiten. Wenn man pro 2j KEF-Bericht immer wieder gefordert hätte, daß der Rundfunkbeitrag um 50ct sinken sollte, wäre die Richtung klar und kommt langsam aber sicher zu einem normal wirtschaftlichen Betrieb zurück. In Jahrzehnten würde man dann auch auf 10€ oder so kommen, was einfacher zu verargumentieren ist. Wenn die Löhne entsprechend steigen würden, insbesondere im Niedriglohnsektor, müßte es vielleicht gar nicht so weit sinken, aber bei einem Hartz4-Satz von 350-400€ (im zeitlichen Verlauf der letzten 15) ist das schwer vermittelbar. Ja, unter einer bestimmten Schwelle gibt es sowieso eine Beitragsbefreiung.

      Und durch die Aufteilung auf so viele verschiedene Unteranstalten ist es auch technikmäßig ein überaus schwerer Tanker. Und so haben wir noch immer SD-Ausstrahlungen (also kein HD) im Jahre 2020. (ab 2021 wird das endlich auch abgestellt). Zeithorizont war 10 Jahre Simulcast (also beides) nach der HD-Umstellung, die schon europaweit gesehen sehr sehr spät war. Warum? Ja, es muß dann mal neue Technik angeschafft werden, aber das ist doch in anderen Ländern auch so? Warum kann das uns nicht zugemutet werden?
      Und es gibt mehrfache Mediatheken, was soll denn das?
      Spartenkanäle werden auch immer stiefmütterlich behandelt – auf der einen Seite schön, daß es sie gibt, aber warum wurde das nicht konsequent gemacht? Warum gibt es eben kein ZDFvolksmusik, wenn doch so viele das sehen wollen wie immer behauptet. Oder ARDsport – warum läuft das dann auf dem Hauptkanal, weil man die Leute ja nicht umerziehen kann, wenn der Musikantenstadel mal nicht auf dem Programm wie die 50 Jahre zuvor kommt? Oder tagelang Wintersport. Warum kann man das “unseren” Rentnern nicht zumuten, auf einen anderen Kanal zu schalten, in anderen Ländern geht das aber sehr wohl? Damit _ist_ doch der Name Rentnerfernsehen für die Hauptkanäle ARD+ZDF wirklich selbst gesetzt. (wie gesagt, ich finde mein Programm auf den Spartenkanälen, nie auf den 2 Hauptkanälen). Durch die Jahrzehntelange Verhätschelung hat man jetzt das Problem und jetzt ist es wirklich schwer, umzustellen zu müssen – sei es damals Digitale Kanäle (und die viel zu späte Analogabschaltung), sei es HD-Kanäle, Wechsel zwsichen DVB-T1 und T2 etc pp. Das andere Extrem, daß alle 2 Jahre irgendwas gewechselt werden muß, wie unsere Generation hier Telefone – ist auch nicht richtig, aber so träge ist genauso schlimm.
      Das hat sich alles so eingefahren und muß jetzt auch die nächsten 20 Jahre so weiter gehen…

      Unabhängiger Journalismus ist ein wichtiges Gut – und ein großes Korrespondentennetz kostet auch viel – wird aber meiner Meinung nach viel zu wenig benutzt. Ja, die schalten sich _nicht_ nur kurz zu irgendeinen Anlaß mal in die Tagesschau und berichten 1min – deren Arbeit ist im Hintergrund, aber ich würde mir auch viel vordergründiges Wünschen. Ich habe schon viele Dokumentationen in irgendeinem Dritten oder Arte gesehen, wo dann Korrespondenten auch mal “ihr” Land bzw Region vorstellen – aber das ist genau wieder so etwas, das kommt dann 3:30. Ich fände so etwas regelmäßig viel sinnvoller und nicht versteckt in Länder/Naturdokus. So etwas ausgedeht zu allen Ländern als Informationsauftrag, wie macht Land X und Y was, was haben die für Probleme, mit wem verstehen die sich nicht, was haben sie getan gegen das Problem XY. Holgi hat schon öfter mal sich den einen oder anderen “Korri” geschnappt und so etwas mal gemacht – aus seiner Initiative, und damit meine ich nicht nur Brexit oder so etwas – es gäbe da viel mehr. Und ja, ich kenne die Sendung Weltspiegel.
      Gerade aus europäischer Sicht und Zusammenarbeit finde ich so etwas in breiter Öffentlichkeit viel wichtiger als irgendeine schnell hingesetzte Politiktalkshow mit immer ähnlichen Gästen, dieses hochgeschaukelte teilweise tagesaktuelle heiße Gerede ist außer Profilierung doch ohne nachhaltliche Substanz… auch da klebt man am gleichen Sendungskonzept, was einmal funktioniert, funktioniert auch weiterhin… nichts ändern, keinen verschrecken.

      Naja, mal sehen, was sich ändert – denn es muß sich etwas ändern, sonst werden immer mehr von den Kanälen Abstand nehmen, ein paar von denen sinnlos Lügenpresse schreien durch den immer mehr fehlenden Rückhalt sich dann zwangsumstellen müssen, und dann sicher zu einem viel viel schlechteren Ergebnis.

    • Du sprichst mir wirklich aus der Seele. Dein Beitrag überwindet auch den Vorwurf, Kritik am ÖRR würde immer nur auf Abschaffung zielen und keine Alternativvorschläge machen, ich nehme mir das jetzt mal auch vor:

      Vor allem – aber nicht nur! – die Gehälter der Funktionäre sind tatsächlich obszön, und ich sehe keinen Grund, warum man sie nicht kritisieren sollte, egal wo man sich jenseits der Ferengi politisch positioniert. Mit Gehässigkeit hat das nichts zu tun (auch wenn Holgi so etwas gerne mal impliziert), sondern mit Kapitalismuskritik. Warum der ÖRR davon ausgenommen wird, während auch hier im Podcast gerne mal Gier und die Perversion des Leistungsprinzips eine wichtige Rolle spielen erschließt sich mir kaum. Eine Steigerung der Rentenansprüche von über 5 Millionen Euro in 5 Jahren auf 13 Personen verteilt ist in meinen Augen definitiv NICHT satisfaktionsfähig, und mit einem steigenden Rundfunkbeitrag ebenfalls kaum überein zu bringen:

      http://www.planet-interview.de/wp-content/uploads/ard-zdf-gehaltsplus.jpg

      Dass der ÖRR alles andere als politisch unabhängig ist, ist darüber hinaus natürlich ebenfalls ein Fakt, ebenso wie der fehlende Rückhalt in der Bevölkerung. Fast 40 Prozent der Wählerschaft will den ÖRR sogar ganz abschaffen, auch ein Viertel der Mitte-Links-Wähler. Da muss also was passieren, so oder so, und eine Erhöhung des Beitrages wird das Thema sicher nicht befrieden. Mit einer Halbierung des Beitrages wäre sicher ein guter Anfang gemacht und auch den Populisten viel Wind aus den Segeln genommen, auch wenn die Herren Buhrow und Co. sich dann vielleicht mal nur alle 2 Jahre ein neues Haus kaufen können.

      Dass Holgi diese Zahlen nicht bespricht (oder kennt?) oder diese Kritik am ÖRR von links als antidemokratisch abtut ist fahrlässig, auch wenn seine eigene Erwerbstätigkeit bei diesem Thema natürlich seine Perspektive beeinflusst. In Zukunft wünsche ich mir aber etwas mehr Zahlen und Einordnung und weniger einseitige Rants. Danke!

      • Also, ich finde nicht, dass meine Intendantin „obzön“ honoriert wird und würde sebst sogar auf mehr bestehen, wenn ich die Verantwortung über ein derart großes Unternehmen hätte – und mir außerdem die ganze Zeit noch von irgendwelche Inkompetenten mit umso mehr Meinung reinreden lassen müsste.

        „Dass der ÖRR alles andere als politisch unabhängig ist, ist darüber hinaus natürlich ebenfalls ein Fakt“ – Aber glücklicherweise auch nur für Leute, die zuviel Jebsen, Nachdenkseiten und so Stuss konsumieren.

        Und die 40% nimmst Du woher?

        Und ich diskutiere solche Zahlen natürlich deshalb nicht, weil das eben doch auf die Frage „abschaffen ja/nein“ hinausläuft und weil ich weder rechtsaußen stehe noch mich magischem Denken ergebe, ist mir halt auch klar, dass diese Diskussion unsinnig ist, der den ö-r Rundfunk wird nicht abgeschafft.

      • Jedem auch nur halbwegs intelligentem Menschen sollte klar sein, dass die Umfragen von Civey null repräsentativ sind. Das ist zumindest die Umfrage die zu diesen ominösen 40% passt. Und das Ergebnis, werter Martin, hast du falsch wiedergegeben, denn die dort zur Beantwortung stehende Frage ist: “„Wie viel würden Sie monatlich pro Haushalt für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk bezahlen, wenn Sie selbst entscheiden könnten?“ Da heißt es nicht “Abschaffen”.

        Schon diese Frage ist suggestiv, denn jeder zahlt immer gerne weniger als mehr für dasselbe Produkt.

        Zu Civey aus https://taz.de/Meinungsforschungsinstitut-Civey/!5534782/:
        Anders als bei den alten Umfrageinstituten, wird bei Civey gar nicht erst versucht, eine Zufallsstichprobe aus der Bevölkerung zu ziehen. Der Newcomer arbeitet ausschließlich mit Internet-Umfragen, die er auf den Webseiten seiner „Medienpartner“ (Civey) platziert und bei denen jeder abstimmen kann, wer will.

        Das ist manipulativ schon vom Kerngedanken her. Je nach Platzierung kommen andere Ergebnisse raus. Diese Umfragen dienen nur Propagandisten ihre Propaganda mit Scheinwahrheiten zu untermauern. Ich bin einigermaßen schockiert, dass unter den Hörern dieses gut recherchierten Podcasts Leute sind, die aus solchen unseriösen Quellen ihre Argumente aufbauen.

  12. Warum nehmt Ihr ein Zitat zu Hanau ins Programm, wenn der “Troll” Holgi aus dem Hintergrund mit seinem Arschgesicht Rufen das Hören des Zitats verhindert? Es ist eure journalistische Freiheit über die Inhalte zu entscheiden. Meine Freiheit als Hörer ist es, mir selbst Gedanken zu die gesendeten Inhalte zu gestatten. Durch die Störung ist es leider nicht möglich gewesen Euren Gedanken zu folgen. Schade.

    • Ich kann nur für mich sprechen. Aber ich kannte die Zitate schon. Und ich bin davon ausgegangen, dass ginge wohl eh allen Hörern so und das sei ein rhetorisches Mittel.

      Ich muss aber zugeben, im ersten Augenblick ging es mir genauso. Da hätte mir ein “Arschgesicht” (und dann gerne noch eins am Ende) auch gereicht.

  13. Ja ich fand den Ruf von Holgi auch etwas unschön. Mir wäre da ein bischen mehr Professionalität lieber. Im Übrigen sollte nicht unerwähnt bleiben daß Sigmar Gabriel noch einen zweiten Tweet gesendet hatte und das läßt das ganze dann wieder in einem etwas anderen Liecht sehen. Ich bin kein Gabriel Fan aber so schlimm fand ich seinen Tweetn nun auchnicht

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