Die Wochendämmerung

Politik, Gesellschaft, Quatsch. Der Podcast mit Katrin Rönicke & Holger Klein

Hartz-IV-Fakten, Reichen-Irrsinn und Autokraten-News

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In dem Reportage-Podcast “Deine Welt” von Viertausendhertz trifft Christian Conradi in jeder Episode Menschen, die ihm ihre Welt zeigen. Vom Imbissbudenbetreiber bis zur Investmentmanagerin.

Links und Hintergründe

hauseins-Hörtipp, Halbe Katoffl: Samy Deluxe (SDN): Bauchgefühl-Perfektionist, Each one Teach one & Safe Spaces

Der fehlende Lesetipp:

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  1. Hier eine wichtige Ergänzung ihrer Fachkraft für Arbeitssicherheit:

    FFP 2/3 Masken die mehrfach verwendet werden drüfen, sind mit einem R (reusable) gekennzeichnet, Einwegmasken mit NR (non-reusable). Bei der Aufbereitung ist jedoch unbedingt die Bedienungsanleitung des Herstellers zu beachten, weil die jeweils verwendeten Materialen sich unterscheiden und beschädigt werden könnnen. Deswegen warnt das BfArM mit Stand 20.04.2020:

    Zwischenzeitlich liegen neue wissenschaftliche Erkenntnisse vor, die eine Aktualisierung dieser Empfehlung notwendig machen. Entsprechend kann eine Dekontamination von Atemschutzmasken bei 65°-70° C trockener Hitze über 30 min nicht mehr empfohlen werden

    https://www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Medizinprodukte/DE/Dekontamination_von_Atemschutzmasken.html

    Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin bietet umfangreiche Hinweise:

    https://www.baua.de/DE/Themen/Arbeitsgestaltung-im-Betrieb/Coronavirus/pdf/Empfehlungen-organisatorische-Massnahmen.pdf?__blob=publicationFile&v=10

  2. Zum Thema Hartz IV und Erkrankungsrisiko:

    Der Spiegel weist auf eine britische Studie hin, die einen niedrigen sozioökonomischen Status als COVID-Risikofaktor identifiziert:

    https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/britische-studie-zu-covid-19-das-sind-die-groessten-risikofaktoren-fuer-einen-toedlichen-verlauf-a-ad91c69b-ee1e-4e79-b928-969e31ee276b

    Das ist aber leider nichts neues. Wie sich etwa ein niedriges Einkommen auf die Lebenserwartung auswirkt, zeigt die jüngste Studie des Robert-Koch-Instituts nicht zum ersten Mal. Dr. Thomas Lampert: […] “Männer, die einem Armutsrisiko ausgesetzt sind, haben im Vergleich zu den Männern aus den höheren Einkommensgruppen eine um 8,6 Jahre verringerte Lebenserwartung, wenn wir den Zeitpunkt von der Geburt an wählen. Und bei Frauen beträgt diese Differenz 4,4 Jahre.”

    https://www.deutschlandfunk.de/lebenserwartung-wie-armut-und-gesundheit-zusammenhaengen.1148.de.html?dram:article_id=444221

    Und noch zwei Texte von Stefan Sell mit Studienhinweisen:

    Ein mehrfaches Drama in Zahlen: Zur gesundheitlichen Situation von langzeitarbeitslosen Menschen (2013)
    https://aktuelle-sozialpolitik.de/2013/07/19/ein-mehrfaches-drama-in-zahlen-zur-gesundheitlichen-situation-von-langzeitarbeitslosen-menschen/

    Armut macht krank und Krankheit kann arm machen und beides zusammen führt oftmals in einen Teufelskreis (2016)
    https://aktuelle-sozialpolitik.de/2016/02/24/armut-macht-krank-und-krankheit-kann-arm-machen-und-beides-zusammen-fuehrt-oftmals-in-einen-teufelskreis/

  3. Das Wernher von Braun-Schmählied ist von Tom Lehrer
    Anzuschauen hier, auch die anderen Lieder lohnen sich sehr, der Mann war mit seinem Humor seiner Zeit voraus, und viele Lieder sind wieder erstaunlich aktuell:
    https://www.youtube.com/watch?v=QHPmRJIoc2k&t=2595s

  4. Ohne den Author verteidigen zu wollen:

    Eine Aktienoption hat erstmal an sich nur einen abstrakten Wert, die Rechnung 2817 mal 88 ist gleich eine Viertelmillion Bestechungsgeld haut nicht hin.

    Amthor hatte das Recht zu einem bestimmten Preis 2817 Aktien zu kaufen. Ohne den verbrieften Kaufpreis zu wissen kann man den geldwerten Vorteil nicht ausrechnen, der ergibt sich erst aus der Differenz zwischen Kurs und dem Optionskaufpreis.

  5. Wie viel hätten die Aktienoptionen den Amthor denn gekostet? Aktienoptionen bedeutet schließlich, dass eine bestimmte Menge Aktien zu einem festgelegten Preis verbilligt gekauft werden können.

    Steuerblacklist: Ihr glaubt doch nicht, dass EU-Mitglieder auf eine Steuer-Blacklist der EU kommen. Das macht den Umgang mit Irland und den Niederlanden ja so schwierig. Irlands Aufschwung liegt natürlich nicht nur am Status als Steuerparadis sondern auch an den großen Summen EU-Strukturhilfen.

    Nach dem Brexit ist dann die spannende Frage ist, ob die Kanalinseln endlich auf die Blacklist kommen nachdem die Briten da nicht mehr ihr Veto einlegen können. Und ob Großbritannien selbst eine Steueroase werden will und dann selbst auf der Liste landet.^^

    Nebenbei bemerkt gabs doch letztes Jahr große Diskussion ob Saudi-Arabien auf die Liste kommt wenn ich mich richtig erinnere.

    Steuerwettbewerb allgemein empfinde ich als eine schlehte Idee. Das führt nur zu einem Rattenrennen, bei dem die Staaten verlieren. Weils halt dazu führt, dass beispielsweise bei Apple die Deutschlandgewinne über Irland und die Bahamas (oder warens die Antillen?) in die USA transferiert werden. Wo man bei Irland noch argumentieren könnte, dass das ok ist (eigentlich nicht, weil der Gewinntransfer durch die Vergabe von Lizenzen ein Skandal an sich ist), weil die EU-Zentrale da angesiedelt ist, ist das bei den karibischen Steueroasen ein rein parasitäres Geschäftsmodell. Da ist letztlich nur eine Briefkastenfirma wo keine Wertschöpfung stattfindet.

    So wie Kadda das meint, also niedriege Steuersätze als Wirtschaftsförderung damit sich Firmen ansiedeln und im Land Arbeitsplätze schaffen wenn ich sie richtig verstanden habe kann man kritisieren, ist aber ein legitimes Geschäftsmodell, dass neben Irland ja auch osteuropäische Länder mit Erfolg versucht haben.

    Als Steueroase reine Geldtransfers über Briefkastenfirmen zu ermöglichen, damit Firmen und Reiche (geht ja nciht nur um Firmen. Das darf man nciht vergessen) woanders Steuern sparen halte ich dagegen nicht für legitim. Und genau dagegen wendet sich die schwarze Liste der EU.

    Dass sich Banken in den USA weigern Geschäfte mit Cannabis-Firmen zu machen ist ein bizarrer Nebeneffekt der Rechtslage, wo es zwar in manchen Bundesstaaten erlaubt ist, aber der Bund das immer noch verbietet. Die berufen sich auf Bundesgesetze wobei ich nicht weiß obs nur ne Ausrede ist oder ob die berechtigte Sorgen vor Trumps Schergen haben müssen

  6. Das Handelsblatt hat den Fehler mit den Aktienoptionen mittlerweile eingefangen:

    https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/lobbyismus-amthors-aktienoptionen-waeren-bis-zu-250-000-dollar-wert-gewesen/25977976.html?share=twitter

    “Korrektur: In einer früheren Version des Artikels stand in der Überschrift, die Aktienoptionen seien 250000 Dollar wert. Sie sind aber nur bis zu 250000 Dollar wert, abhängig vom Ausübungspreis. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.”

  7. Zum Thema Sklavenhandel und wie es dazu kam, die ersten Sklavin waren wir weißen MitteleuropäerInnen. Schon irgendwie spannend. Auch dass bei der Erkundung von Westafrika erstmal auf Augenhöhe interagiert wurde

    https://www.youtube.com/watch?v=SCFA01-E6Qg

    • Die Geschichte der Sklaverei geht sehr weit in der Menschheitsgeschichte zurück. Dokumentiert ist es schon in den ersten Hochkulturen z.b. Babylonien und Ägypten. Vermutlich geht es noch viel weiter zurück bis zu den ersten sesshaften Menschen (bzw. den ersten “Kriegen”). Die ersten Sklaven waren Kriegsgefangene. Bei anderen Hochkulturen wie z.b. in Asien und (Süd) Amerika war es vermutlich ganz ähnlich. Die Römer waren vermutlich die ersten die im großen Stil Sklaven aus Mitteleuropa “gehandelt” haben. Eben auch weil die Römer hier Eroberungsfeldzüge durchgeführt haben.

      Das die ersten Sklaven weiße Mitteleuropäer gewesen sein sollen halte ich aber für eine sehr fragwürdige Aussage. Klingt wie der Versuch uns weiße Mitteleuropäer auch als Opfer der Sklaverei darzustellen um unsere späteren Verbrechen zu relativieren.

      • Ja, da war ich ungenau in der Formulierung. Sorry.

        Ich grübel noch weiter über Aspekte der Erzählungen zu der Legitimation des Rassismus einer Gesellschaft. Dies scheint immer wieder gegenüber den Anderen oder den Fremden aus der Position des Starken oder der vorherrschenden Mehrheit der Gesellschaften auszugehen. Die Motivation erscheint mir wieder Ausbeutung zur Vergrößerung des Vermögens der MachthaberInnen zu sein.

        Dabei frage ich mich, ob das nicht immer noch und auch innerhalb der Gesellschaft, also genauso bei uns in Deutschland und im Westen, heute noch zu beobachten ist. Also bezogen auf andere schwächere oder benachteiligte Gruppen, wie etwa Alleinerziehende oder auch Frauen…

        Müssen denn alle diese Kämpfe zur Überwindung dieser Missstände einzeln und wiederholt geführt werden? Oder, gibt es Wege gruppenübergreifend Besserungen herbeizuführen? Und das möglichst unabhängig von der vorherrschenden Gruppe einer Gesellschaft.

        Zurück zum Rassismus; Ich fand es hilfreich zu wissen, dass die Rollen in dem aktuell vorherrschendem Bild auch schon mal umgedreht waren (siehe am Beispiel Sklaverei). Dinge können sich also auch ändern.

      • Wie diese frühen Dokumente aussahen, kann man mit einem Blick in die Bibel in Erfahrung bringen: https://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/besitz-at/ch/34577eb7d508f847f03ac44fed46cefe/#h2 (Die in dem Link refferenzierten Bibelstellen dürften vor 2400-2700 Jahren geschrieben worden sein, stehen aber in einer älteren Tradition).
        Im Übrigen finden sich im archäologischen Befund aus vorschriftlicher/prähistorischer Zeit immer wieder Bestattungen, die man als Sklavengräber ansprechen kann (keine/kaum Beigaben, auffällige Knochenschäden durch wiederholte Überlastung und Mangelernährung – vor allem im Vergleich mit normalen Bestattungen aus der selben Zeit und Gegend). Leider lässt sich ohne schriftliche Quellen nicht klären, ob es sich dabei tatsächlich um Sklaven handelte, oder ob es einen anderen Grund für diese Auffälligkeiten gab. Wer wann wo als erstes versklavt wurde, wird sich heute also nicht mehr klären lassen. Ich vermute aber, dass die ersten Sklaven Nachbarn waren (Schuldsklaverei etc.), und dass die Hautfarbe keine Rolle spielte.

  8. Das Problem ist nicht, dass bestimmte Steueroasen diskriminiert werden, sondern, dass andere NICHT diskriminiert werden.

    Die Reaktion der Länder klingt ein bisschen nach Mimimimi… Nur weil die Kolonialmächte Mist bauen, ergibt sich daraus nicht dass Recht, dass andere Länder auch Mist bauen…

    Natürlich hat jedes Land die Freiheit, Steuern festzulegen, Korruption und Geldwäsche zu unterstützen…
    Sie müssen dann nur die Konsequenzen tragen

  9. Thema: Corona
    (ich befinde mich wohl bei dem Thema in einer anderen Lebenserlebnisblase wie ihr)

    es gibt viele Landkreise in DE. Dort hat es seit Wochen keinen aktiven Infektionsfall mit SARS-COV2. Evtl. kurzen Anstieg weil im entfernt gelegenen Krankenhaus eine Einlieferung damit stattgefunden hat und dies zum Landkreis gerechnet wird.

    Demnach lässt auch das Gefahrenpotential nach. Vor allem ländlicher Raum ist inzwischen SARS-COV2 fast kein Thema mehr.

    Das Problem: Es gibt Schrenkens- oder Untergangspropheten. Spontan fällt mir bundesweit hier Karl Lauterbach ein.
    deren Prophezeihung war:
    2. Welle zu Ostern wegen Freiluftgottesdiensten (ausgefallen)
    2. Welle zu Maifeiertag wegen (illegalen privatem) Tanz in den Mai (ausgefallen
    2. Welle zu Himmelfahrt wegen (illegalem privaten Sauftouren) (ausgefallen)
    2. Welle zu Öffnung der Biergartensaison (ausgefallen)
    2. Welle zu Pfingsten wegen Pfingstreisen (ausgefallen)
    2. Welle zu Öffnung Kneipen (ausgefallen)
    2. Welle zu Öffnung Kindergarten/Schule (ausgefallen)
    usw.

    demmnach ist jetzt ja schon die 8. Welle dran. Und wenn ständig ein Schreckenszenario prophezeit wird, das nicht eintritt wird die Vorhersage eben nicht mehr ernsthaft wahrgenommen, sondern eben als Schreckenprophezeihung.

    Hier im Landkreis ist inzwischen wieder Kultur am laufen. Konzerte und Theater alles Freiluft.
    Positiv dabei: die in der Umgebung durchaus konservativen Menschen halten sich wie immer an Regeln.
    Selbst Rudelguck (public view) beim Fussball findet statt und nichts passiert.

    wissenschaftlicher Hintergrund: Übertragung ist vorwiegend durch Aerosole. In Freiluft ist zuviel Luftbewegung, dass eine mögliche Virenkonzentration stattfinden kann.
    zudem: bei trockener Luft verdunstet Trägertröpfchen schnell und Virus sinkt weg.
    bei feuchter Luft bindet Trägertröpfchen zusätzlich Wasser in sinkt zu Boden.

    Ich bin kein Prophet: aber womöglich ist im geschlossenen Raum ohne Durchzug oder ohne Klimaanlage alles anders.
    Trotzdem freue ich mich auf die jetzt stattfindenden Konzerte und Theateraufführungen (im Freien mit Abstand aber ohne Maskenpflicht)

    Thema ACAB
    selbst wenn nun Aktivisten oder Randalierer dazupinseln all cat are beautiful oder Acht Cola acht Bier. kein Polizist ist blöde und weiss nicht was das bedetuet.
    und ich stimme euch zu: das verhindert in jedem Menschen eine positive Sicht auf den anderen (hier also die Randalierer).
    dazu passt das Thema von vor paar Wochen mit der Stuttgarter “Eventszene”. Der Begriff ist inzwischen hier vernichtet und ein Synonym für randalierende Migranten. Liegt aber auch an politischen Äusserungen von etwa Kretschmann, Palmer usw. v.a. weil es ja weiterhin passiert nur ohne bundesweiten Medienaufschrei.

    Thema Mohren
    der Begriff an sich ist positiv besetzt (Heilkunst zu Zeiten als Islam und naher Osten medizinisch weit vor Europa lag und ein hlg. Mauritius als Vorbild galt)
    wenn Berlin die Strasse schon umbennenen möchte dann eben in hlg. Mauritius oder Moritz weil der Name Mohr daraus abgeleitet wurde.

    gilt hier für Apotheken genauso. Möhrenapotheke ist aus meiner Sicht eher Satire. Und vermutlich wird der Kompromiss Mohrrübenapotheke auch nicht gewünscht.

    hier ist wrint 1103 (vermutlich kennen viele Hörer WRINT) empfehlenswert. Auch wenn ich hier wieder anderer Meinung bin höre ich es mir dennoch gerne an. Andere Meinungen sind ja ein Zeichen für Vielfalt.

    Dinge verschwinden ja nicht nur weil der Begriff nicht mehr verwendet werden soll. (mit Vorschrift weil politisch korrekte Ausdrucksweise), sondern andersrum: Begriffe verschwinden weil Sprache sich sowieso ändert ohne Vorschrift.
    Ich empfehle Harry Potter. Voldemort (der dessen Name nicht gesagt werden darf) verschwindet nicht weil der Name nicht gesagt werden darf.
    dasselbe gilt für den Kampfbegriff “Schulmedizin”.
    Ja das Begriff wurde von den Homöopathen als Abwertung der damals durchaus schlechten wirksamen Medizin verwendet. Bei Hitler dann als Abgrenzung der jüdischen Medizin ggü. der germanischen Heilkunde.
    Trotzdem wird bei vielen Menschen das Wort (selbst in den Medien) verwendet ohne negative Hintergedanken wie jüdisch oder unwirksam
    Zudem: die Konfrontation zwischen Schwurbelmedizin und wirksamer Medizin würde auch nicht verschwinden, wenn das Wort Schulmedizin mit Vorschrift aus dem Sprachgebrauch verboten wird.

    • Zu Covid19: Die Frage die wir uns stellen müssen angesichts der vielen ausgebliebenen prophezeiten Wellen ist doch diese: Warum sind sie ausgeblieben? Denn: andere Länder haben zweite Wellen (und andere ungestoppte erste Wellen). Nur ein paar Beispiele: Israel, Iran, Serbien, Kazakhstan, Ukraine.
      Ist nicht vielleicht die Existenz und mediale Präsenz wissenschaftlich gebildeter Menschen die diese Szenarien aufzeigen dafür verantwortlich dass hier diese Risiken von einem großen Teil der Bevölkerung auch ernst genommen werden und diese Lockerungen nicht zu “Scheißegal”-Verhalten führen? Ähnlich ist doch auch der Prognostiker zu sehen der vor anderen negativen wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Entwicklungen warnt. Indem seine Prognosen diskutiert werden, ändert sich evtl. das Verhalten Vieler und hinterher wird er als Spinner dargestellt. Ich finde Lauterbach kommt in solch einer Kurzdarstellung viel zu schlecht weg.
      Und für den Herbst fehlen weiter die Strategien, jetzt, wo wir schon so viel mehr über das Virus wissen als vor den Maßnahmen gegen die Ausbreitung.

      • Der Punkt ist, diese sog. “Panikmacher” sind in der Lage über den Tellerrand zu blicken (bzw. über die Landesgrenzen). Die Gefahr ist real und es ist durchaus erlaubt aus den Fehlern anderer Länder zu lernen um die Katastrophe im eigenen Land zu verhindern. Aber es ist halt “In prevention is no glory”

        In unserem Nachbarland (Frankreich, das Elsass ist keine 50 Kilometer von hier entfernt) starben die Leute auf den Fluren des Krankenhauses. Wir haben sogar Patienten aus dem Elsass in unseren Krankenhäuser aufgenommen. Gleichzeitig gingen hier die Leute auf die Straße mit der Meinung das alles aufgebauscht oder sogar erlogen sei weil “hier gibt es doch keine die betroffen sind”

    • der Begriff an sich ist positiv besetzt (Heilkunst zu Zeiten als Islam und naher Osten medizinisch weit vor Europa lag und ein hlg. Mauritius als Vorbild galt)
      wenn Berlin die Strasse schon umbennenen möchte dann eben in hlg. Mauritius oder Moritz weil der Name Mohr daraus abgeleitet wurde.

      naja, naja. das schreibt ja auch Herr Martenstein gerade wieder, um sich der Debatte um die eigene Vergangenheit, die durchaus kolonial geprägt ist, also auch von Sklavenhandel (https://www.tagesspiegel.de/kultur/brandenburgs-kolonialgeschichte-auch-der-grosse-kurfuerst-war-ein-sklavenhaendler/25924654.html), zu entziehen.
      Aber so harmlos und wohlmeinend ist der Begriff absolut nicht, wie Anatol Stefanowitsch aufzeigt:
      “Das Wort Mohr stammt, wie das Wort Maure, vom Lateinischen maurus ab, das schon dort eine unscharfe Bedeutung hatte, die sowohl Einwohner Afrikas (unabhängig von ihrer Hautfarbe) als auch schwarze Menschen (unabhängig von ihrer Herkunft) und manchmal auch Muslime (unabhängig von Herkunft und Hautfarbe) umfasste.
      Das Wort findet sich schon im Althochdeutschen, wo es Nordafrikaner/innen und/oder Schwarze, aber auch Teufel bezeichnete (Kurze Denkaufgabe für zwischendurch: Für wie wahrscheinlich halten Sie es, dass in einer Zeit, in der schwarze Menschen mit dem Teufel gleichgesetzt werden, „neutrale“ Begriffe für diese Menschen entstehen?). Es differenzierte sich im Deutschen dann in das Wort Mohr (für schwarze Menschen) und Maure für (dunkelhäutige) Nicht-Christen aus. Die Afrikawissenschaftlerin und Anglistin Susan Arndt vermutet, dass bei dieser Ausdifferenzierung das griechische moros („töricht, einfältig, dumm, gottlos“) eine Rolle spielte, und die jahrhundertelange Darstellung von „Mohren“ als einfältige Diener oder „noble Wilde“ spricht durchaus dafür.” (Quelle: http://www.sprachlog.de/2014/02/21/eine-strasse-fuer-nelson-mandela/ – ein Beitrag von 2014)

      Insofern noch mal innehalten und auch bemerken, dass die Möhren-Apotheke kein Scherz war (siehe auch Shownotes), sondern einfach ein wenig geschichtsnäher, als es die meisten bisher so sind.

      • Danke für de ausführliche Erklärung. Über die oben (und in den Kommentaren zu Wrint1103) genannte Erklärung, Mohr leite sich von irgendeinem Heiligen her, habe ich mich schon gewundert. Im Kluge habe ich auch nur die von Dir zitierte Erklärung gefunden.
        Ansonsten gilt jedoch das, was ich schon bei Wrint geschrieben habe:
        Etymologisieren ist sinnlos, wenn es darum geht, die heutige (!) Bedeutung eines Wortes zu klären. Es spielt für die heutige Verwendung keine Rolle, wie ein Wort in früheren Zeiten verwendet wurde und gemeint war. Wir nennen ja Frauen auch heute nicht mehr Weiber…

        • @Björn
          Dann auch hier die schon auf Wrint formulierte Frage: Wie geht man damit um, dass M*** aktuell praktisch gar nicht verwendet wird (wenn man Diskussionen über M-Straßen und M-Apotheken nicht rechnet)?
          Die Möhrenapotheke behauptet auf ihrer Website, dass das Wort “M” aus “der blutigen Zeit des Kolonialismus stammt”, was ja nun glatt falsch ist, da der Begriff bereits im Althochdeutschen des 8. Jahrhundert nachweisbar ist.

          • Ja, ich habe auch den Eindruck, dass dieses Wort, im Gegensatz zum N-Wort, bei niemandem mehr Teil des aktiven Wortschatzes ist. Ich kenne es eigentlich nur von der Str./dem Bhf. in Mitte und dem Gebäck, für das ich allerdings keine neue Variante kenne.
            Wie geht man damit um? Man verwendet es im Alltag nicht mehr. Also sollten öffentliche Orte auch solche Namen nicht mehr tragen. Bei alten Büchern oder Filmen ist das etwas anderes (auch wenn es dort natürlich nicht egal ist) als bei Straßen und Geschäften, an denen täglich tausende Menschen vorbei kommen.

          • “dem Gebäck, für das ich allerdings keine neue Variante kenne.”

            Schaumkuss, Schokoschaumkuss, Schokokuss z.t. auch Dickmanns (Markenname) für das Teil mit Schaumzucker und Schokoladenüberzug.

            lt. Wikipedia “Othello oder Schokoladenballen” für das Gebäck. Wobei ich das Gebäck bisher nicht kannte. Bei uns hießen tatsächlich die Schokoküsse M-Kopf.

            Der M-Kopf (im Sinne des Schaumkusses) ist hier durchaus auch noch geläufig, wenn auch nur im Umgangssprachlichen (also keine schriftlichen Belege, Artikelbezeichnung etc.)

            Wie drüben bei WRINT schon vorgeschlagen, wer unbedingt den heiligen namentlich erwähnt haben will soll eben den deutschen Namen (hlg.) Moritz oder, wenn es exotischer sein soll eben Maurice/Mauritius verwenden. Der heilige heißt ja auch nicht St. M…

            Also (St.) Moritz Straße/Kopf/Bahnhof/Apotheke etc.

            Alles andere ist scheinheilig 🙂

    • Zu den Mohren:
      Nach meiner Wahrnehmung geht die Diskussion in Berlin eigentlich darum, die Mohrenstraße selbst in (Anton Wilhelm) Amo-Straße umzubennen. Der U-Bahnhof würde den Namen dann einfach erben. Jetzt ist die BVB aber (wie es aussieht) ohne viel nachzudenken vorgeprescht. Dummerweise ist in der Gegend die Haltestellendichte relativ hoch und die meisten Straßennamen sind schon in Benutzung oder irgendwie vorbelastet (dort lag bis 1945 das Regierungsviertel des Deutschen Reiches).
      Vielleicht ist es einfacher, die nahe gelegene Wilhelmstraße [*] temporär wieder in Husarenstraße zurückzubenennen, und den U-Bahnhof dann so zu nennen, bis die Mohrenstraße einen neuen Nahmen hat 😉

      [*] Benannt nach dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I., der aufgrund finanzieller Erwägungen Preußens afrikanische Kolonien aufgelöst und die Beteiligung am Sklavenhandel beendet hat, aber ansonsten kein besonders angenehmer Zeitgenosse war (militant, gewalttätig, homphob etc.)

    • ” in einer anderen Lebenserlebnisblase […] Es gibt Schrenkens- oder Untergangspropheten. Spontan fällt mir bundesweit hier Karl Lauterbach ein. deren Prophezeihung war:”

      Was für eine Lebenswelt ist das? Zuckerkugeln und vegane Küche?* Wo genau hat Lauterbach “prophezeit”? Und welche Glaskugel stand ihm dafür zur Verfügung? Wie kommt es dass Drosten ihm hochkompetente Äußerungen auf grundlage aktuellster Studienergebnisse attestiert?

      Ich nahm Lauterbachs öffentliche Äußerungen (z. B. bei Lanz) im Einklang mit dem wahr, was ich in den Wissenschaftsmedien gelesen habe. Vor allem hat er aus meiner Wahrnehmung nichts prophezeit, sondern vor dem Eintritt bestimmter Ereignisketten mit entsprechender Einordnung der Wahrscheinlichkeit und der Folgen gewarnt.

      Vielfach scheinen ein Sprach- und/oder Medienkompetenzprobleme zu bestehen. Denn ich nehme war dass viele Menschen “scheinbar” nicht von “anscheinend”, “offensichtlich” nicht von “offenbar” und “hinreichend wahrscheinlich” nicht von “an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit” unterscheiden können und dann Äußerungen von Fachleuten anders interpretieren als sie objektiv gemeint sind.

      * = (Das war nicht so provokant gemeint wie es formuliert ist)

  10. Die Intention nicht den Begriff “Schulmedizin” zu verwenden rührt ja daher die “Schwurbelmedizin” bzw. Alternativmedizin nicht mit dem Begriff der Medizin aufzuwerten. Es geht also darum von der Medizin zu sprechen und alles was keine Wirkung über den Placeboeffekt (z.b. aber nicht nur Homöopathie) hat eben nicht mehr “Medizin” zu nennen sondern HokusPokus, Schwurbel oder Scharlatanerie.

    Das der Begriff der Schulmedizin auch noch vorbelastet ist, ist mMn nur noch ein zusätzlicher Grund ihn nicht zu verwenden.

    Allgemein:
    “Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden zu Gefühlen.
    Achte auf Deine Gefühle, denn sie werden zu Worten.
    Achte auf Deine Worte, denn sie werden zu Handlungen.
    Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden zu Gewohnheiten.
    Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.
    Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.”

    Der erste “äußere” Ansatzpunkt sind eben die verwendeten Worte. Selbst wenn die Rückkopplung zu Gefühlen und Gedanken erstmal gering bleibt, so besteht zumindest die Hoffnung das die Handlung sich positiv verändert und auf andere abfärbt.

  11. Nur mal um meine Lebensrealität mit Hartz IV abzubilden

    Ich habe eine Spastik sitze im E-Rollstuhl und lebe mit Assistenz alleine. Die integration auf dem Arbeitsmarkt ist schwierig

    Durch Corona schicke ich meine Assistententen mit 120€ Bargeld im Monat im Edeka einkaufen ( zusammegerechnet) ( Kleidungsstücke kaufe ich ca 10 Stück im Jahr. Unterhosen 5€ max Jeans oder Joginghosen max 50 € pro Stück T-Schirt Trainingsjacken Pullover ,dass was mir optisch gefällt max 80€

    Ich konnte mir eine Laptop durch beziehungen für 470€ kaufen gebraucht ( Neu 600€) Das konnte ich durch normales ansparen mir leisten! Vom normalen Hartz IV Satz

    Meine Eltern arbeiten beide und ich kann öfter bei ihnen zum Essen kommen und ich muss beim Naverkehr nichts zahlen durch meinen Behindertenausweis. Die letzten beiden Punkte sind ein Privileg , im gegensatz zu einem normalen Hartz IV Empfänger

    Meine Bildung und News beziehe ichz.B. durch die öffentlich rechtlichen Medien und durch euch:) Bin ja Rundfunksbeitrag befreit. Ich komme mit Hartz sehr gut klar.

    An alle Neider ich bemühe mich durch Hilfsprogrammen seit 7 Jahren in Arbeit zu kommen Deutschland schmückt sich mit dem Wort Inklusion. Zumindest was den Arbeitmarkt betrifft sind sie stehts bemüht Man weiß was stehts bemüht auf dem Arbeitszeugniss heißt 🙂

    Gruß Carl 30 Jahre aus Greifswald

    Mein

  12. Twitter entertainment: die Fortsetzungsgeschichte vom Idiot Son und dem Haus in Frankreich geht weiter. Echt witzig! https://twitter.com/archer_rs

  13. Bei dem Kommentar „im nicht Rücksicht nehmen waren die Deutschen ja schon immer besonders gut“ musste ich an die Erfahrung denken, die ich letztens im Baumarkt machen musste, wo zwei Bauarbeiter, ohne Masken, mit 30cm Abstand, hinter uns an der Schlange zur Kasse standen.
    Mein Vater in den 70ern meinte zu ihnen, ob sie wenigstens ihre Masken aufsetzen könnten, doch dann ging es los, sie beleidigten ihn und mich, gingen dann direkt dazu über uns als Rassisten zu betiteln, weil „Mit uns Zigeunern kann man es ja machen!“ Wo ich dann fragte „Ehrlich, du spielst hier die Rassenkarte, weil man dich dazu auffordert dich an die ausgeschilderten Vorschriften zu halten?“
    Der Baumarkt hat sich nen Dreck gekümmert. Und das Ganze dann noch gerechtfertigt mit „Ihr B*******e glaubt die Corona-S*****e auch noch!“
    Perfekt asozial integriert. Ich hab so keinen Bock mehr auf die Leute.

    • Das sind dann dieselben Menschen die sich von “Ökofaschisten” bevormundet fühlen wenn das Aldisteak oder der Billigflug vier Cent mehr kosten. Weil mit ihnen kann man es ja machen.

      Würg!

  14. Hallo zusammen,
    so wie es scheint, dehnt sich der Wire-Card Skandal soweit aus, dass er jetzt die deutsche Spitzenpolitik erreicht. Markus Braun hatte im vergangenen Jahr mindestens zwei Mal mit Jörg Kukies gesprochen. Die Bundesregierung will jedoch nicht offen legen worum es in den Gesprächen ging.
    Kukies selbst ist Verwaltungsratsvorsitzender der BaFin.
    Es scheint als wenn dieses ein noch sehr spannender Krimi wird.
    https://finanzwelt.de/was-hat-die-bundesregierung-wegen-wirecard-zu-verbergen/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=was-hat-die-bundesregierung-wegen-wirecard-zu-verbergen

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