Die Wochendämmerung

Mit Katrin Rönicke & Holger Klein

#218. Bauernproteste, AKK zu Syrien und Landtagswahl in Thüringen

| 27 Kommentare


Links und Hintergründe

Gekillte Darlings

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27 Kommentare

  1. @Holger: Du meinst, dass Putin Trump auf den Thron geholfen hätte. Gibts diesbezüglich neuere Erkenntnisse, die nicht im Mueller-Report stehen? Außer Justizbehinderung der US-Administration, sehe ich keine direkte Einflussnahme der Russen (außer in sozialen Medien) auf die USA Wahl 2016.

    https://en.wikipedia.org/wiki/Mueller_Report

    Übrigens der Abzug der USA aus Syrien ist nicht endgültig. Das US-Militär soll jetzt die Ölquellen in Syrien angeblich vor dem IS schützen, was völkerrechtswidrig wäre. Die Russen können diese Aufgabe ebenfalls übernehmen, im Rahmen internationalen Rechts. Hier sehe ich eher, dass man die Ölquellen illegal dem Assad-Regime entziehen möchte.

    https://www.tagesschau.de/ausland/syrien-usa-oelfelder-103.html

    @Katrin: ALLE Sanktionen der USA gegen die Türkei, die im Rahmen des Überfalls auf Nordsyrien ausgesprochen wurden, sind bereits wieder aufgehoben worden!

    https://www.welt.de/politik/ausland/article202394440/Trump-hebt-Sanktionen-gegen-Tuerkei-auf-und-verkuendet-Waffenruhe.html

    Normalerweise sind es die Amerikaner, die stets völkerrechtswidrig andere Länder überfallen, so geschehen u.a. im Irak 2003 oder die illegalen Luftschläge mit der NATO gegen Libyen 2011. Sehr interessant auch die Liste der US-Militäroperationen von 1775 bis heute.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Milit%C3%A4roperationen_der_Vereinigten_Staaten

    Übrigens war die Militäraktion (Luftangriffe) auf Syrien, zusammen mit Franzosen und Briten, im April 2008 ebenfalls vom Völkerrecht nicht gedeckt. Diese erfolgten als Vergeltungsmaßnahme nach dem angeblichen Chemiewaffen-Einsatz durch das Assad-Regime gegen Aufständische in Duma im selben Monat, ohne vorher die OPCW-Untersuchungen abzuwarten. Nun kam vor wenigen Tagen heraus, dass der OPCW-Bericht zum Chemiwaffen-Einsatz in Duma geschönt wurde, um es mal diplomatisch auszudrücken. Es gab vor wenigen Tagen ein Whistleblower Panel, der von der internationalen Presse ignoriert wurde, wo auch belastende Dokumente gegen die OPCW-Verantwortlichen veröffentlicht wurden.

    https://wikileaks.org/opcw-douma/

  2. Guten Abend,

    man hätte schon vor der Europawahl das UK rausschmeißen sollen. So steht man jetzt zum vierten, fünften(?) Mal vor einer Verlängerung und macht sich somit zur Geisel dieses Theaters, was Nerven, Ressourcen, Geld und v. a. Zeit und Aufmerksamkeit kostet, was die EU dringend für andere Probleme benötigt.

    Das Blöde an der Ohnmacht der Europäer, was vor allem uns Deutsche nervt, ist doch, dass wir tatenlos sind. Tatenlos eine starke, einsatzbereite Bundeswehr zu haben – die 2 %-Vereinbarung wird gefühlt von 95 % abgelehnt. Diese 1 Woche jetzt, in der nach einer starken, handlungsfähigen Bundeswehr gerufen wird, wird eben von den 51 Restwochen konterkariert, in denen man am liebsten die Bundeswehr schließen würde.
    Und Sanktionen, wie gegen Russland seit 5 Jahren, treffen am stärksten die deutsche Wirtschaft, weswegen es gegen solche Maßnahme auch starken Protest gibt in den Hinterzimmern.
    PS: Zum Thema AKK, Türkei, Russland, Syrien …. ist die aktuelle COSMO-punktEU-Folge hörenswert.#

    Dankeschön für die Folge,
    wünsche ein schönes Wochenende!

  3. Ergänzung zu meinem Komentar: Der Luftangriff der NATO auf Libyen fand natürlich im Rahmen einer UN-Resolution statt. Ich entschuldige mich für die Falschaussage.

  4. Hallo bin Obst- und Weinbauer aus Südtirol, zum Thema Landwirtschaft…es gibt einen großen Einfluss den die “Agrarsubventionen” die gibt es so wie überall in der Wirtschaft hauptsächlich für Großbetriebe weil diese sonst nicht rentabel wären und Sie haben auch die nötige macht die Regeln zu beeinflussen.
    Also wenn Wir Bürger: “Ökologische Inseln….nachhaltige Landwirtschaft…kleine Betriebe” wollen!
    Müssen Wir den Politikern das sagen und mit Fakten untermauer! Nicht mit Gefühlen!

    Wollt Ihr den Wolf? Dann zahlt großzügig dafür … für Hybriden nicht, nur wenn Wolfschutzmaßnahmen vorhanden sind…

    Es gibt immer weniger Genossenschaften und dafür mehr Großbetriebe! Also wenn Genossenschaften gefördert würden und Großbetriebe (mehr wie 300 Angestellte)…vor allem im Energiesektor würde sehr viel Ändern! Die Gewinne und Verluste werden an Genossen verteilt

    sonnige Grüße aus Südtirol
    Martin U.

  5. Viele Dank für diesen Podcast.
    @Nitrat im Trinkwasser. Es gibt Von UBA, Umweltbundesamt, eine Grafik mit Zahlen. Ihr findet sie hier: https://www.umweltbundesamt.de/faqs-zu-nitrat-im-grund-trinkwasser#textpart-7
    Es ist Grafik Nummer 5. Um sie hochaufgelöste zu sehen, muss man auf „drucken “ klicken.
    Abwasser, und sei es aus Starkregenereignissen, spielt eine Rolle, aber sie ist viel kleiner. Aus der Landwirtschaft werden 460 Gg / Jahr eingetragen (1 Gg = 1000 t), aus Abwässern 80 Gg/Jahr. Hinzu kommt noch die Industrie mit 30 Gg/Jahr.
    Es ist auch logisch, dass wegen Starkregen abgegebenes Abwasser keine riesige Rolle spielt, denn es wird exakt deshalb nicht gereinigt, weil es zu verdünnt und damit zu sauber ist – die Kläranlagenbakterien würden verhungern. Außerdem geht das Wasser in den Vorfluter, also den Fluss und von dort ins Meer, es versickert nur wenig.

  6. zum Thema Landwirtschaft.

    Hier auf dem Dorf im Bekanntenkreis drei Varianten von Bauer:
    -ehemals kleiner Hof -> inzwischen landwirtschaftliche Dienstleistung. Also teurer Maschinenpark und zur Ernte oder Arbeitszeit eben als Dienstleistung als Lohnarbeit für andere Betriebe.
    -konventionell Fleischproduktion
    -seit Jahren nach Bioland (also nicht so esoterisch wie etwa Demeter) und nur Direktvermarktung auf Wochenmärkten und gemieteten regalen in lokalen Supermärkten.

    Das Risiko und Arbeitszeiteinsatz ist bei Bio erheblich höher weil gesamtes Risiko bei Selbstvermarktung ohne Zwischenhändler beim Bauer selber liegt. Zudem der Mehraufwand wegen Biozertifikat.
    bei Lohnarbeit ist zur Einsatzzeit eigentlich “rund-um-die-Uhr” Arbeit angesagt inkl. Hilfskräfte auf Stundenbasis. Es muss ja das Jahreseinkommen in den wenigen Sommermonaten erzielt werden.
    konventionell läuft ohne viel Tam-tam.

    meine Meinung (Achtung habe hierzu keine Quellen) zu Bioproduktion:
    da je nach Frucht (Nahrungsmittel für Mensch oder Futtermittel für Bio-Milch oder -Fleisch)sorte der Ertrag weniger als Hälfte ist ggü. konventionell besteht ein höherer flächenverbrauch für diesselbe Erntemenge. Auch das ist negativ für Umwelt, v.a. Ökosysteme also “Landschaftsverbrauch”. Unerwünsche Pflanzen “Unkraut” muss auch vernichtet werden, das geschieht dann mechanisch (Maschineneinsatz) oder manuell (Arbeitszeit zahlt da kein Kunde). Auch dabei entstehen Monokulturen. Das muss sein, denn unerwünschte Pflanzen sind teilweise auch giftig für Mensch oder Tier.
    Mein Eindruck ist, dass da ggü. konventionell (weniger Fläche, weniger Maschineneinsatz, weniger Arbeitszeit) ökologisch auch nicht viel gewonnen ist.

    beim Thema Schadinsekten bei Bio kommen ja oft zurückgezüchtete Pflanzenarten zum Einsatz. Diese sind dann von sich aus widerstandsfähiger ggü. Schadinsekten, Pilzen, Aber diese Widerstandsfähigkeit wird durch natürliche Giftstoffe eben gegen diese Pilze und Insekten erzielt mit dem nachteil, dass diese Stoffe dann innerhalb der Pflanze sind. ganz grob sind das die Bitterstoffe.
    Diese wurden durch jahrtausendlange Zucht ja weitgehend weggezüchtet um für den Mensch bekömmlicher zu sein.
    künstliche Schutzmittel (äusserlich aufgebracht) also nicht nur glyphosat, sondern alle Fungizide, Insektizide usw. sind weitgehend nicht innerhalb der Pflanze. Das ist dann zwar ein nachteil für die umliegende natur, aber zumindest ein Vorteil für den Pflanzenfresser Mensch oder Tier. Es kommt da nur auf die Anwendung an.

    beim thema Direktverkakrtung ist ein direkter Nachbar von mir ein Kleingemüsebauer. Produktion nach Bio und Vermakrtung im Hofladen und Wochenmarkt. Nachteil bei Gemüse: die frucht ist immer je nach Pflanzzeit zur selben Zeit reif. Es muss also um lange Zeit eigene firschware vermarkten zu können entweder nur etwa wöchentlich eine kleine menge gepflanzt werden oder was meist der fall ist: die einzelnen Produzenten schliessen sich zu Vermakrtungsgesellschaften zusammen: Einer produziert nur Salat, der andere nur Gelberüben und der nächste eben Zwiebeln. Die einzelnen Mitglieder sind räumlich weit auseinander um somit auch lokale Spezialitäten aus anderen regionen anbieten zu können. Hier ist auch wieder verwaltung transport und das Risiko und Aufwand der Verteilung ein Nachteil.
    Für das ganzjährige Angebot ist vorwiegend nur Saisonfrüchte im Angebot aber es ist zwingend Gewächshaus nötig.

    Die Esoteriker von Demeter gibt es in Nachbargemeinde schon jahrzehnte aber die Vermarktung geht da über Hofladen inkl. viel Kulturprogramm und nach meinem Eindruck (oha: Vorurteil) die enge zielgruppe eben dieser Esoteriker.

  7. #Bauernproteste

    Das ist ein toller Beitrag. Zum einen die wichtige und richtige Einsicht, dass es sehr kompliziert ist, Lösungen zu finden. Zum anderen die herausgearbeitete Frage, was die Bauern denn eigentlich brauchen, um die Probleme, wie etwa bei der Nitratbelastung, zu lösen. Diese Frage wird leider landwirtschaftsseitig nicht beantwortet und führt auch zu Antworten darauf, warum die eigentliche Lobby, der Bauernverband, momentan so still ist:

    Der Bauernverband vertritt die Zigtausend Klein- und Kleinstbauern (einschließlich vieler Nebenerwerbsbetriebe die nicht primär von der Landwirtschaft leben bzw. sich angesichts der hohen Bodenpreise und des landwirtschaftlichen Erbrechtes am Erbe erfreuen) ebenso wie etwa die ostdeutschen Großbetriebe. Auch vertritt er Tierhaltungsbetriebe ebenso wie Ackerbaubetriebe. Diese Mitgliederheterogenität bringt ihn in eine Situation, in der für die obige Frage, was die Landwirtschaft denn zur Problemlösung brauchen würde, er keine Antwort hat, die nicht für eine Vielzahl von Bauern bedeutet, dass sie eben keine Perspektive haben oder zumindest viel verlieren. Selbst für viele mittelgroße Betriebe rechnen sich die erforderlichen Investitionen nicht, wenn sie nicht wissen, ob sie denn in 5 oder 10 Jahren noch wirtschaften. Zu bedenken ist, dass die Landwirtschaft eben nicht nur das Nitratproblem hat, sondern auch Treibhausgasprobleme (Lachgas, Methan, Moore), Biodiversitätsprobleme, Tierschutzprobleme. Man könnte nun argumentieren, dass ja die Politik enorme Mittel in Form der EU-Direktzahlungen frei setzen könnte. Allerdings ist auch das nicht so einfach; denn die Mittel wurden von den landwirtschaftlichen Betrieben längst verplant, wie etwa für Pachtzahlungen oder eben um den ohnehin unrentablen Betrieb überhaupt weiter zu führen. Entsprechend bräuchte man wenn, dann ein allmähliches Ausstiegsprogramm.

    Meine Einschätzung ist, dass der Bauernverband aufgrund dieser Problemlage einfach Angst vor seinen Mitgliedern hat. Weiter erschwert wird die Situation für den Bauernverband dadurch, dass in den Köpfen vieler Mitglieder Denkmodelle vorherrschen, wie etwa, dass sie doch viel besser als deren Kritiker wüssten, wie Landwirtschaft funktioniert. Als Folge haben Verbandsvertreter selbst Angst vor Maßnahmen, dass Bauern dazu verpflichtet werden, an Fortbildungen teilzunehmen.

    Einige der obigen Probleme habe ich in folgendem Beitrag etwas ausführlicher diskutiert:
    https://www.iamo.de/fileadmin/documents/IAMOPolicyBrief30_de.pdf

    Ein weiteres Problem des Bauernverbandes ist, dass die Kritiker der Landwirtschaft sich ebenfalls ständig neue Blößen geben. Es sind die ewig selben Schlagworte, wie Ackergifte, Tierquäler, Massentierhalter, Agrarkonzerne, Agrarindustrie, Bodenspekulanten,… und banalisierten Pseudolösungen, wie Ökolandbau, Regionalität, Gentechnikfreiheit, Kleinbauern,… mit denen sich diese als Kooperationspartner unglaubwürdig machen. Wenn bei den jüngsten Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen nur 2% der Bauern grün gewählt haben (also selbst nur ein Bruchteil der Ökobauern), zeigt dies, welche Vorbehalte in der Landwirtschaft herrschen. Hierraus lässt sich die Frage ableiten, wie es denn die Kritiker der Landwirtschaft hinbekommen könnten, dass sie für die Bauern akzeptierte Gesprächspartner werden. Robert Habeck hat das partiell als Landwirtschaftsminister in Schleswig-Holstein geschafft. Gelöst wurden die Probleme dort jedoch auch nicht. Auch haben einige NGOs immer wieder mit der Landwirtschaft kooperiert, wie etwa der Tierschutzverband bei der Initiative Tierwohl. Allerdings war dies bisher nicht nachhaltig. Teilweise weil die Fortschritte zu langsam waren, teilweise aber auch infolge Kritik anderer NGOs, die Stimmung gegen die Kooperation gemacht haben.

    Ein weiterer Akteur in der Gemengelage sind die Medien, die bei der Landwirtschaft immer wieder den Eindruck hinterlassen, durch Einseitigkeit und Unreflektiertheit (copy-paste von NGO-Stellungnahmen) sowie durch fachliche Fehler und ebenfalls unreflektiert verwendete Schlagworte (Agrarindustrie, Massentierhaltung, etc.) zu glänzen. Auch dies erschwert kritische Selbstreflektionen in der Landwirtschaft.

    Dann (teilweise provoziert durch NGOs und Medien) haben wir das Bürger-Verbraucher-Dilemme. Der Bürger fordert in der Öffentlichkeit viel, als Verbraucher kauft er jedoch an der Ladentheke genau das, was die Landwirte herstellen. Das ist nicht primär ein „Geiz ist geil“-Problem. Vielmehr haben wir in der Tat in den Supermärkten eben hochwertige Produkte, deren Qualität nicht schlechter als die beim Hofladen ist. Ob es tatsächlich einen gesellschaftlichen Mehrwert teurerer Produkte oder von Regional- oder Ökoprodukten gibt, lässt sich für den Verbraucher nicht abschätzen – weder im Supermarkt noch im Hofladen.

    Dann haben wir noch die Politik. Auch diese folgt ihren Eigenmechanismen. Der Bürger und die Medien werden ernster genommen als die Verbraucher. Politische Akteure möchten im Regelfall Karriere machen. Dicke Bretter zu bohren, können sich Politiker kaum leisten.

    Wie gesagt, es ist kompliziert. Die erheblichen Zielkonflikte sind dabei noch nicht einmal angesprochen.

    Noch ein kleiner Nachtrag: es ist richtig zu fragen, ob denn das Leitbild vom traditionellen bäuerlichen Familienbetrieb auf dem nur Familienmitglieder arbeiten, noch trägt. Man sollte dann aber vielleicht nicht wieder in Diskussionen abrutschen, wie dass man Bodenspekulanten entgegen wirken müsse. Auch der Bodenmarkt ist letztlich ein Markt, der wichtige Funktionen erfüllt.

  8. Es waren auch Biobetriebe auf der Demo am Dienstag, siehe diesen Beitrag einer jungen Biolandwirtin auf Facebook: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=3679312775427732&set=a.537521156273592&type=3&permPage=1 – auch sie wollen nicht, dass die Debatte über die Landwirtschaft nur zwischen NGOs, Medien und der Politik geführt wird
    Leider verbreiten manche Journalisten und NGOs diesen Mythos um die Spaltung der beiden Gruppen Konv/bio zu ihrem Vorteil aufrecht zu erhalten.
    Viele Biobetriebe fürchten durch mehr Förderung von bio Absatzprobleme und aktuell umstellende Betriebe haben diese schon, siehe in der Milcherzeugung, wo Molkereien keine Umsteller mehr aufnehmen. Man sollte die Situation für die Bauern durch eine pauschale Forderung “Dann stell doch einfach auf bio um” nicht noch mehr verschärfen.
    Eine Umstellung auf Bio ist immer mit mehr manueller Knochenarbeit verbunden. Das als saturierter Stadtbewohner zu fordern ist moderner Feudalismus. Lasst den Bauern doch bitte auch die Bequemlichkeit, die durch sichere, moderne Bewirtschaftungsmethoden doch auch erreicht wurde. Ich kenne Bio-Betriebe, deren Kinder die Betriebe aus diesem Grund nicht übernehmen wollten.

  9. #Bauernproteste

    Witzigerweise habe ich den Beitrag gehört, als ich gerade mit dem Fahrrad an einem Gülle und somit Nitrat auf seinen Wiesen verteilenden Bauer vorbeigeredet bin. Allein, das er das Zeug auf seinen Wiesen verteilt ist ein Skandal, Heuwiesen bzw. Weidewiesen müssen nicht wirklich gedüngt werden. Auf den Weidewiesen haben den ganzen Sommer über eh schon die Kühe gedüngt. Bei Heuwiesen ist es strittig. Aber das ärgerlichste daran war, dass die Gülle aus einem Tankwagen mit niederländischen Kennzeichen gepumpt würde.

    Aber natürlich werden die armen Bauern immer zu unrecht verfolgt.

    Ich habe hier die Proteste der Bauern gesehen und den Traktoren nach zu urteilen geht es diesen Bauern nicht schlecht, kein Traktor älter als 2Jahre. Kein kleiner und damit günstiger Traktor, das standen Millionen von Euro auf den Straßen und haben mit dem subventionierten steuerbefreiten landwirtschaftlichem Diesel die Luft verpestet.

    Wenn so am Hungertuch haben aussieht…

    Letztendlich muss man den Bauern aber wie den Braunkohleschürfern auch die Wahrheit sagen, mit Massentierhaltung geht der Planet zugrunde. Wir müssen wenigstens dahin zurück, nur einmal in der Woche Fleisch zu essen, Milch wird nicht mehr literweise als Getränk zur Verfügung stehen.
    Feldfruchtgasanlagen ist im Augenblick zwar lukrativ, aber auf Dauer benötigen wir die dort verfutterte Feldfrüchte wieder zur Ernährung. Außerdem tragen diese Anlagen meines Wissens auch zur Nitratbelastung bei.(man möge mich berichtigen)

    • Hey Ralph,

      Du fährts Fahrrad super!

      Du bist Mitglied bei einem solidarisch-landwirtschaftlichem Betrieb?
      Du Mitglied bei einer erneuerbarenernergie-Genossenschaft?
      Du bist Permakulturkeingärtner?

      Ich als Landwirt brauche Lösungen um aus dem Hamsterrad herauszukommen. Habe 4 Kinder und Frau. Ich sollte Ihnen was bieten oder?

      Freue mich auf Deine Lösungen
      Martin U.

    • Ein wenig Aufklärung zu Gülle.
      – Laut Düngeverordnung darf Gülle bis zum 31. Oktober auf Grünland ausgebracht werden.
      – Gülle enthält nur ca. 0,5% N (Stickstoff, Nitrat wie auch immer).
      – Gülle ist ein biologischer langzeit Volldünger. D.h. er enthält alles was eine Pflanze zum Leben braucht. Also N, P, K, Mg, S,…. Quasi die Muttermilch für Pflanzen.
      Was der Kollege da gemacht hat war absolut fachlich richtig. Das Gras wurde zum letzten Mal vor dem Winter gemäht und danach hat er noch einmal Nährstoff ausbringen lassen (sonst wäre ja das Futter schmutzig geworden). Außerdem herrscht kühle Witterung und Regen war angesagt. Ideale Bedingungen um Nährstoffverluste zu reduzieren.
      Die Wiesen sauber (kein altes überständiges Gras drauf), Nährstoffe ausgebracht, etwas Regen über Winter und ein warmes Frühjahr und der Kollege wird einen tollen ersten Schnitt im Grünland haben.
      Exkurs Grünland (habe ich keine Ahnung von, aber ich probiere es). Der erste Aufwuchs enthält die meiste Energie. Winterfeuchte, hohe Sonneneinstrahlug im Frühling, mittlere Temperatur sorgen für ein schmackhaftes, energiereiches Grundfutter. Um so besser dies ist, um so weniger Kraftfutter (Getreide, Erbsen, Bohnen, Soja) muss zugefüttert werden.
      Düngung allgemein. Es wird penibel errechnet wie viel Dünger und wenn ja welcher wann ausgebracht wird. Das richtet sich u.a. nach der Kultur, die vorher auf dem Feld stand, dem Boden, den Erträgen, wann gedüngt wird und dann womit.  Düngebedarfsermittlung.
      Das der LKW ein Nummernschild aus den Niederlanden trug zeigt nur dass wir Deutschland zu wenig Tiere halten. Die Tierbestände sinken von Jahr zu Jahr. Und damit auch der Selbstversorgunggrad. Z.B. Rindfleisch: 98%, Eier 69%, Schweinefleisch 120%, Geflügelfleisch 99%. Wenn man das ließt denkt man alles ok. Aber wir essen nur die halben Tiere. Füße, Schwanz, Kopf, Innereien usw. essen wir ja nicht. Der deutsche Verbraucher kauft Filet, Schnitzel, Brustfleisch… Wenn also die tierischen Nährstoffe fehlen dann müssen sie Import werden. Ob das nun Gülle ist, oder Mineraldünger ist egal. Gülle besteht zu über 90% aus Wasser. Nur 5% sind Stickstoff. Bei 26t Nutzlast eines LKW sind das 130kgN. Als Mineraldünger mit 46%N währe es also nur 282kg. Das ist ein Haufen so groß wie eine Waschmaschine. Völlig geruchslos und die weißen Kügelchen sehen total harmlos aus. N haltiger Mineraldünger wird aus Erdgas und Erdöl hergestellt. Stichwort Haber-Bosch-Verfahren. Was ist nun ökologischer?
      Zu den Traktoren. Es sind schlicht Arbeitsmaschinen. Schon allein der Arbeitsschutz gebietet es das die Maschinen mit Federung, Schallschutz, Stauschutz, Klimaanlage ausgestattet sind. Denn das ist in meinem Büro in der Industrie auch so. Immer höhere Qualitätsforderungen der Kunden bedeuten auch Maschinen, die immer präziser arbeiten. Düngung, Pflanzschutz, Saatgut, Bodenbearbeitung sollen immer umweltschonender und präziser erfolgen. Das geht nicht mit Technik von 1980. Oder waren sie schon mal bei einem Arzt, der mit Geräten arbeitet die aus der Zeit stammen?
      Diesel: Im Verhältnis zu dem was auf dem Acker verbraucht wird ist eine kleine Ausfahrt in die Großstatt nicht erwähnen wert. Wir allein haben diesen Herbst 8t Co2 mehr in die Luft geblasen als nötig. Aufgrund der ständigen Diskussionen um Glyphosat und andere Herbizide haben wir viele Felder gepflügt, die sonst in Mulchsaat bestellt worden wären.
      Braunkohle: Braunkohle wird abgebaut um Strom zu erzeugen. Landwirtschaft wird betrieben um Menschen satt zu machen. Strom kann man auf verschiede Weise erzeugen. Wie sie 84 Millionen Menschen in diesem Land ernähren wollen ist mir ein Rätsel.
      Feldfruchtanlagen. Ein schönes Wort. Ein Teil des EEG. Also genau die Strategie zum Ausstieg u.a. aus der Braunkohleverstromung. Erdacht, erfunden und gefördert von Renate Künast. https://www.rundschau-online.de/bauern-sind-die–scheichs-von-morgen-11576588

      Also wenn Sie das nächste Mal ihren Landwirt sehen, fahren sie eine Runde auf dem Traktor mit, reden Sie mit ihm und lassen sich erklären was er da warum macht. Er wird sich freuen.
      Stefan aus der Uckermark

  10. Hmmm ich bin grundsätzlich auch der Meinung, dass man Ausbildungsberufe fördern soll.
    ABER, ich denke schon, dass ein Studium allgemein der bessere Weg ist.

    Ich habe selber eine Ausbildung gemacht mit einem Studium auf dem zweiten Bildungsweg gemacht, kenne also beides.
    Und was der wesentliche Unterschied ist: Ausbildung ist wie Schule… Man kriegt im wesentlichen alles vorgekaut, und wenn man sich nicht ganz doof anstellt, kriegt man das auch hin. Es gibt keine Siebfächer mit 80% Durchfallquote, keine Thesis, keine Auslandsaufenthalte und keine Vorlesungen auf Englisch.

    Im Studium (und ja, das gilt auch nach der Bologna-Reform), muss man sich einen sehr großen Teil selber erarbeiten, einigen Dozenten ist es schei** egal, ob man die Prüfung besteht oder nicht. Man kriegt nix vorgekaut und zu 90% selber dafür verantwortlich, ob man es schafft oder nicht. Auslandsaufenthalte und Studium Generale verbreitern den Horizont erheblich…

    Daher glaube ich, dass der Schmerz eines Studium da schon dafür sorgt, dass die Absolventen eine gewisse Reife haben. Vielen Firmen ist es ja deswegen mittlerweile auch egal WAS man studiert hat und auch Studienabbrecher haben (nach einer gewissen Semesterzahl) gute Chancen in der Wirtschaft.

    lg, Dave

    • Auch ich hab sowohl Ausbildung (inkl. Weiterbildung zum Fachkaufmann) als auch Studium.
      Es gibt sicher auch anspruchsvolle Ausbildungsberufe die z.b. echtes handwerkliches Geschick erfordern und weniger anspruchsvolle (bin da nicht auf aktuellem Stand, aber zu meiner Zeit war die Ausbildungsdauer für die meisten Berufe 3 Jahre, es gab aber auch Berufe mit einer Ausbildungsdauer von 2 Jahren z.b. Lagerist)
      Genauso gibt es anspruchsvollere Studiengänge mit entsprechenden hohen Eingangshürden/Durchfallquote und, naja, Sammelfächer für die die halt irgendwas studieren wollen…

      Vom persönlichen Engagement und Eignung abgesehen ist der größte Unterschied zwischen Ausbildung und Studium aber: Geld.
      Mit 16 das erste eigene Geld verdienen ist, vor allem für diejenigen die aus “ärmeren” Familien kommen, reizvoll und erstrebenswert. Dahingegen nach dem Abitur (18 Jahre) noch mal 3-4 Jahre studieren bedeutet, das man bis Anfang/Mitte 20 auf finanzielle Unterstützung angewiesen ist. Nach dem Studium fängt dann die Job Suche an (mit aller Ungewissheit) wohingegen man bei einer Ausbildung schon von Anfang an im Betrieb ist und, meistens, da auch einfach weiter macht.

      Und so geht die Schere zwischen Arm und Reich dank des Bildungssystem immer weiter auf.

      Von außen betrachtet ist ein Studium der ideale Weg: Höhere und breitere Bildung, Persönlichkeitsbildung, Eigenverantwortung und (vermutlich) auf längere Sicht ein sichereres und höheres Einkommen.
      Aber in der Realität ist für arme Menschen das “Morgen” so abstrakt und weit weg das es wichtiger ist das die Kinder möglichst schnell ihr eigenes Geld verdienen (und das ist noch die positivste Einstellung dazu)

      War so ähnlich auch schon Thema in einer der vorherigen Folgen zum Thema Impfen in armen Ländern.

    • Ein Punkt noch als Nachtrag:
      Ausbildung ist von Anfang auch an betriebliche Praxis. Für Schüler die kein Bock mehr auf Schule haben (soll zwischen 16 und 18 schon mal vorkommen) ist eine Ausbildung auch deswegen reizvoll. Etwas tun und nicht nur auf der Schulbank hocken. Berufsschule ist da dann nur noch eine kurze Abwechslung zum Alltag.
      Studium bedeutet aber eben noch mal 3-4 Jahre lernen, Unterricht, Hausaufgaben, Theorie, im Hörsaal sitzen…

  11. Zu den Bauernprotesten im Allgemeinen.
    Danke das Ihr das Thema auf die Agenda gehoben habt. Stilecht habe ich die Folge Freitagnacht auf dem Traktor gehört. Erst war ich enttäuscht das ihr euch so schlecht in das Thema reindenken konntet. Dann habe ich aber gemerkt, dass euch einfach das Fachwissen auf dem Gebiet fehlt. Darum ist euch auch sicher ein Wording unterlaufen, das die Landwirte so stark kritisieren. „…Massen an Gülle auf den Acker gekippt…“. Genau diese Wortwahl suggeriert beim Stadtbewohner das Düngung eine völlig willkürliche unkontrollierte Entsorgung auf den Acker ist. Genau das ist es nicht mehr.
    Und genau diese Formulierungen prägen das Bild der Landwirtschaft in der Allgemeinheit. Wenn das noch über die Medien verbreitet wird geht den Kollegen der Hut hoch.
    Darum ist die verlinkte Richtline auch bald 30 Jahre alt. Die Technik zur Düngung (Gülle, Mist, Mineraldünger) hat sich in den letzten 30 Jahren massiv verändert. Inzwischen wird Gülle beim Ausbringen auf die Inhaltstoffe analysiert und dann die Mengen entsprechend angepasst. Wenn keine Kulturpflanzen auf dem Acker stehen wird die Gülle oft direkt in die Erde eingearbeitet um Verluste zu vermeiden. Wenn schon Pflanzen auf dem Feld stehen wird die Gülle mit Schleppschläuchen direkt auf dem Boden abgelegt. Bilder mit einen hoch nach oben gerichteten Güllestahlt sind Framing gegen die Landwirtschaft. Diese Technik ist seit 4 Jahren verboten. Ab 2020 sind nur noch Schleppschläuche und die direkte Einarbeitung erlaubt.
    Unser Mineraldüngerstreuer ist 10 Jahre alt. Damals war Wiegetechnik schon normal. Er wiegt während der Ausbringung ständig wie viel Dünger noch drin ist. Errechnet wie viel Dünger bei der eingestellten Arbeitsbreite x Fahrgeschwindigkeit ausgebracht wird und passt dann die Dosierung automatisch an. In Sekundenbruchteilen. An der Feldkante wird das Streubild so angepasst das kein Dünger über das Feld hinaus ausgebraucht wird. Dies sind alles Maßnahmen die in der Richtline von 1991 beschrieben sind. Und sie sind gelebter Alltag.
    Darum sagen alle immer: „Frag den Landwirt!“
    Daher mein Angebot an euch. Ich wohne noch die nächsten 8 Wochen in Berlin. Nur 5km von Holger entfernt. Wir können uns gern mal persönlich treffen und ich kann euch direkt sagen warum ein Landwirt wann, was, wie macht. Holgers Recherche hätten wir zusammen an einem Abend gemacht.
    Spezielles Angebot, weil Holger einen midlife crisis sicheren Beruf haben will. Holger wird mein „Lehrling“. Ich nehme ihn mit. Aufs Feld zur Bestandskontrolle. In die Maschinenhalle und erkläre die Technik. Zur Düngung, zum Pflanzenschutz. Immer wieder Bestandskontrolle. Ernte, Bodenbearbeitung bis zur nächsten Aussaat. Holger bekommt sogar seinen eigenen kleinen Holger Acker. Da macht Holger alles so wie er es will. Und ihr macht eine neue Rubrik: „Was macht eigentlich der Acker?“

    Grüße. Stefan aus der Uckermark.

  12. Auch zu den Bauernprotesteten.

    Erstmal von mir auch vielen Dank das ihr euch dem Thema angenommen habt. Und ich weiß Agrarpolitik ist sehr komplex und oft widersprüchliche das ist es vlt. auch, was für Leute von außen so schwer zu verstehen macht.

    Da ich auch Landwirt bin, fühle ich mich natürlich auch angesprochen . Ich könnte und würde gerne Stundenlang über Themen sprechen, wie ich zum Nährstoffen im Wasser stehe, wie ich das Isektensterben bewerte oder dem Gefühl,wie es ist, Pflanzenschutzmittel zu auszubringen und von selbst ernannten Naturschützern dafür an den Pranger gestellt zu werden. Wenn da noch bedarf ist, gerne melden. Holgi wollte ja auch schon immer mal zur Jagd. Das wäre doch die Gelegenheit.Da würden sich ein Hochsitzgespräch gradezu anbieten.

    Ein Aspekt ist mir aber besonders wichtig den ihr nicht so sehr diskutiert habt. Und zwar das Thema Klimaschutz und Landwirtschaft.

    Sobald sich eine „Klima Experten“ irgendwo zu Wort meldet“ wird als erstes ein Verzicht von Fleisch gefordert . Und sicherlich hat eine Reduktion der Tierbestände auch einen positiven Einfluss auf unsere CO2 bzw. Methan Bilanzen. Ich denke das ist unstrittig. Sicherlich wären es ein es auch aus gesundheitlichen Aspekten von Vorteil weniger Fleisch zu essen.
    Ich kann nur einfach nicht verstehen warum man sich so auf eine relativ kleine Stellschraube stürzt, wo eine Einsparung von Fossilen Energien doch der viel wichtigere Ansatz ist.
    Einen sehr guten Beitrag zu dem Thema hat MaiLab in ihren YouTube Video (Retten Veganer die Umwelt?) gemacht, wo sie aufzeigt das es garnicht so einfach ist und durchaus auch kontraproduktiv komplett auf Fleisch zu verzichten.
    Mich und viele meiner Berufskollegen ärgert in dieser Diskussion, das wir einfach nur hinhalten müssen um von den wirklichen Problemen abzulenken.

    Oft herscht auch die Meinung, das wir Treibhausgase einsparen könnten wenn nur alle Betriebe auf ökologische Art wirtschaften würde. Vorne weg muss ich an dieser Stelle sagen, ich will ich hier auf keinem Fall ein schwarz/weiß Bild zeichnen. Grade was Biodiversität angeht ist Biolandwirtschaft der konventionellen sicherlich in manchen Bereichen überlegen. Aber wenn wir CO2 einsparen wollen, tun wir das nicht in dem wir auf unseren sehr fruchtbaren Standorten auf Ertrag verzichten, und unseren Pflanzenschutz rein mechanisch durchführen. Was noch besonders fatal dazu kommt ist wenn von europäischen Landwirten verlangt wird wird auf ökologische Landwirtschaft umzustellen und zeitgleich Produktion, wie durch das Mercosur-Abkommen passiert, nach Brasilien verlagert wird. Es ist als Landwirte schwer nachzuvollziehen warum hier gegen seriöse wissenschaftliche Erkenntnisse immer ein so genanntes „Umdenken der Landwirtschaft“ gefordert wird. Es ist doch viel mehr erreicht, wenn wir auf möglichst wenig Fläche möglichst viel produzieren. Man muss doch den CO2 Ausstoß pro erzeugter Einheit und und nicht auf die Fläche rechnen. Wobei man sagen muss selbst auf die Fläche gerechnet sind die konventionelle Betrieb oft besser . Denn bei einem fachlich sinvollen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln werden viele Tracktor-überfahrten eingespart die sonnst mit dem Striegel oder der Hacke gemacht werden müssten. Grundsätzliche möchte ich noch sagen wir können wollen wo möglich Treibhausgase einsparen, allerdings ist die Landwirtschaft in dieser Diskussion nur ein Nebenschauplatz und darf nicht dafür genutzt werden von den Waren verursachen abzulenken. Auf Luxus und Verschwendung kann und muss und man verzichten auf Nahrung besser nicht.

    Grüße von Steffen aus Greene / Süd Niedersachsen

    Vielen Dank für euern tollen Podcast er läuft passender weise sehr oft auch auf dem Trecker.

    • volle Zustimmung.

      Hast du exakte Zahlen ausser der persönlichen praktischen Beobachtung welchen Mehrertrag konventionell (also Schutzmittel und Sorten mit hohem Ertrag) ggü Bio-Landwirtschaft im Durchschnitt erzeugt? Denn dieser Faktor (egal ob 1,3 oder 1,5 oder gar 2fach) ist eben dann der Mehrbedarf an Nutzfläche der ja dann exakt nicht den Ökosystemen als Brachfläche zur Verfügung steht.

  13. Zum Thema Landwirtschaft ist auch noch ein netter Artikel in der T3M, einem Magazin, daß sich mit Digitalisierung befasst. In dem Artikel geht es um vertikale Farmen, die eine viel bessere Ökobilanz bringen als klassische Landwirtschaft und weitaus flexibler sind in der räumlichen Gestaltung.
    Wäre evtl. auch ne Möglichkeit dem Problem entgegen zu treten.

  14. Ich habe den Part zu den Bauernprotesten nochmal angehört und gebe chronologisch meinen Senf dazu:

    Ich habe mich sehr gefreut, dass ihr die #Bauernproteste in eurem Podcast thematisiert habt. Ich möchte mit meinem Blick als Landwirt helfen, etwas mehr Licht in diesem großen Themenkomplex zu bringen.

    Zunächst zum Bildungsniveau der Landwirte: In der Regel sind die Landwirte und Landwirtinnen (der Anteil steigt erfreulicherweise stark!) gut qualifiziert und ausgebildet. Eine 2-3 jährige Berufsausbildung ist meistens nicht genug. Meistens folgt eine ein oder zweijährige Weiterbildunbg zum Landwirtschaftsmeister bzw. „staatlich geprüfte Betriebswirt“. (https://www.lwk-niedersachsen.de/index.cfm/portal/49/nav/859/article/12350.html )
    Ich habe jetzt keinen Beleg, aber ich bin sicher, dass die Zahl der Landwirte mit Hochschulabschluss stetig zunimmt. Und hier ist eine ganz erfreuliche Entwicklung zu beobachten: Von ca. 63000 Studierenden im Agrarbereich sind 37000 Studentinnen, also mehr als 50%. (https://www.bildungsserveragrar.de/service/zahlen-und-fakten/zahlen-zur-agrarbildung/hochschulen/ )

    Die Politik: Ja, ich finde auch, dass hier viel zu wenig gestaltet wird und leider sehr nach Umfragen und populärem, gesellschaftlichem Mainstream entschieden wird. Die Politik ist unglaublich weit weg von der Lebensrealität auf dem Lande, dass sich alle irgendwie missverstehen. Und das trifft auch auf große Teile der urbanen Bevölkerung zu…

    Stabile, verlässliche Rahmenbedingungen sind wichtig, wie Holger richtig angemerkt hat. Wichtig sind aber auch die Signale, die die Politik mit ihren jüngsten Beschlüssen sendet. Und die sind fatal. So fatal, dass ich mich ernsthaft frage, ob mein Sohn den Hof meiner Vorfahren (seit 1553) tatsächlich übernehmen soll.
    In diesem Agrarpaket geht es um Insektenschutz, der mit weniger Pflanzenschutzmitteleinsatz erreicht werden soll. Es werden Bewirtschaftungsauflagen verfügt, die wahrscheinlich dem eigentlichen Problem nicht gerecht werden. Viele Landwirte fühlen sich als Sündenbock, die jetzt mit dem unausgegorenen Kompromiss zwischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium verraten und verkauft fühlen. Und da ist die Enttäuschung gegenüber der CDU/CSU am größten, weil sehr viele Landwirte diese Fraktion stets an ihrer Seite gesehen haben. Gleichzeitig wird mit dem Mercursur-Freihandelsabkommen das falsche Signal an die Landwirte gesendet- aktuell ist Mercursur keine Gefahr für die Landwirtschaft in Deutschland, aber wenn die Produktion in Deutschland zurückgeht dann wird Südamerika liefern (können).

    Greenpeace: sehen die wenigsten Landwirte als Landwirtschafts-freundlich! Ich gehöre dazu. Es gibt auch vernünftige Leute in der NGO, aber letztlich ist das, was hinten raus kommt für die Landwirtschaft unterirdisch! Am fatalsten finde ich das Rechtsgutachten, das Greenpeace mit Hilfe von Peta-nahen Juristen zur Schweinehaltung erstellen ließ. Dieses Gutachten nahm der Berliner Landwirtschafts(!!!)minister freudig auf und zog damit vors Bundesverfassungsgericht. Alleine dieses Verfahren sorgt für Ungewissheit unter den Schweinehaltern. Das ist in meinen Augen wirklich bauernfeindlich! (https://blogagrar.de/landwirtschaft/greenpeace-rechtsgutachten/ )

    Und kurz zur AbL: Das ist eine kleine Splittertruppe, die in Deutschland weniger Landwirte organisiert hat als zwei Nachbardörfer von mir Betriebe haben. Die sind aber sehr laut, weil die Medien gerne deren Positionen wiedergeben.

    Familienbetrieb, Kleinbäuerlich, Großbetriebe: Ich mag die >Unterscheidung zwischen guten und bösen Betrieben nicht, weil es dafür meistend auch keinen vernünftigen Grund gibt. Ich bezeichne mich selber gerne als kleinbäuerlicher Massentierhalter mit meinen 50ha Land, 1500 Mastschweinen und 150 Mastbullen. Ein kleiner, aber intensiver Bauernhof, von dem es in ähnlicher Weise insgesamt 30 in meinem 1000-Einwohner-Dorf gibt. Das sind kleinbäuerliche Strukturen, incl. Dorfromantik.

    Das Thema Stickstoff, Nitrat, Nitrifikation, Grundwasser ist höllisch kompliziert. Ein direkter Zusammenhang von intensiver Düngung und hohen Nitratwerten ist nicht immer glasklar gegeben. Auch in Regionen ohne nennenswerte Tierhaltung lassen sich erhöhte Nitratwerte im Grundwasser finden. Und es gibt Grundwasserkörper in Gegenden mit intensivster Tierhaltung, in denen die werte sehr niedrig sind.
    Und dann hat Deutschland tatsächlich sehr wenige Nitratmessstellen nach Brüssel gemeldet. Häufig die Werte jener Brunnen, in denen ein besonders hoher Messwert erwartet wird. Dieses Belastungsmessnetz wurde eingerichtet, um zu beobachten, ob an den Hotspots eingeleitete Maßnahmen auch fruchten (Spoiler: JA!). Wer weiter lesen und sich informieren möchte: https://blogagrar.de/politik/nitratbericht-2016-erschienen-ein-dokument-der-irrefuehrung/
    Also auch beim Nitrat fühlen sich viele Bauern zu Unrecht an den Pranger gestellt. Und dass wirklich differenziert über dieses Thema berichtet wird, erleben die Bauern einfach viel zu selten. Es ist auch ziemlich einfach zu sagen: Die Bauern sind Schuld!

    Die mächtige Bauernlobby: Ja, der Deutsche Bauernverband ist ordentlich in Verruf gebracht worden durch eigenes ungeschicktes Handeln und durch viele NGOs, die der größten Bauernvertretung in Deutschland das Image eines bösen Goliaths gegeben haben.
    Aber aktuell wird leider sehr deutlich, dass der DBV leider überhaupt nicht so einflussreich ist, wie viele immer wieder behauptet haben. Es gibt in dem Verband erheblichen Reformbedarf, damit er wieder eine stimmgewaltige Rolle spielen kann.

    Warum waren nicht alle Bauern auf der Straße? Liegt möglicherweise auch daran, dass es viele Nebenerwerbsbetriebe gibt, die einen anderen Job nachgehen und Vollerwerbler, die aus betrieblichen Gründen (Maisernte, Tierbetreuung in den Ställen) einfach keine Zeit hatten.

    Bodenrecht: Ich sehe keine große Notwendigkeit, dort etwas fundamental zu ändern. Die Medallie hat wie immer zwei Seiten. Für einen verschuldeten Betrieb sind hohe Bodenpreis möglicherweise die Rettung. Wir brauchen wieder stäkrer Währungen und positive Zinsen, dann beruhigt sich hoffentlich die aufgeheizte Lage am Bodenmarkt.

    Ich habe großes Interesse daran, die Gräben zwischen Land- und Stadtbevölkerung zu überwinden. Wer mich zur Diskussionsrunde oder Barcamp etc. einladen möchte, kann das sehr gerne über die Kontaktdaten meines Blogs tun. Mein Motto ist: „Redet mit uns statt über uns“.

    Vielen Dank für die Aufmerksamkeit
    Bernhard Barkmann, 47, bäuerlicher Massentierhalter aus dem Emsland.

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