Die Wochendämmerung

Mit Katrin Rönicke & Holger Klein

#206. Christian Lindners ACME CO2-Staubsauger

| 53 Kommentare


Mit Interrail nach Irland – Katrin berichtet; Söder wird Klimaengel – wirklich? Ein neuer DeutschlandTrend schaut nach der Motivation der Bundesbürger, für den Klimaschutz selbst Einschnitte hinzunehmen; warum sind im Osten doppelt so viele Menschen unzufrieden mit den Entwicklungen nach der Wende, als vor zwei Jahren? – Danke AfD? What happened last week diese Woche mit einem neuen Wettlauf: Wer pflanzt mehr Bäume an einem Tag? Werfen die Proteste in Moskau ein Licht auf die Wahl 2024?

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Links und Hintergründe

Gekillte Darlings

53 Kommentare

  1. Kurzer Hinweis: Zum Preisanstieg bei Interrail :”..weil die Nachfrage gesunken ist. Und Wenn die Nachfrage sinkt müssen die Preise steigen” (Ca. 11.40 Min). Klingt im ersten Moment logisch. Aber die umgekehrte Logik wäre aus ökonomischer Perspektive richtig: Wenn die Nachfrage sinkt müssten auch die Preise sinken.

    Die Tatsache, dass sie nicht gesunken sondern gestiegen sind, zeigt eine inverse Marktlogik und ist ein Hinweis auf Marktversagen aufgrund eines (natürlichen) Monopols (natürliche Monopole zeichnen sich durch besonders extrem hohe Fixkosten aus), was eine Form von klassischem Marktversagen ist. Denn unter vollkommenen Wettbewerb hätten die Preise sinken müssen. Deshalb sollten natürliche Monopole staatlich betrieben werden. (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Nat%C3%BCrliches_Monopol )

    • Nachtrag zum Thema Deutschlandtrend: Schließe mich der Einschätzung an, dass es sich um eine sehr problematische Fragestellung handelt, auf die die richtige Antwort nur lauten kann: Wir brauchen ALLE Elemente, die dort aufgelistet werden und zwar so schnell wie möglich. (Nicht nur Anreize auch teilweise Verbote) Die EINZIGE Frage ist: welches Element in welchem Bereich?

      97% Forschung: Natürlich brauchen wir Forschung. Vor allem müssen wir Forschung in vielen hierfür relevanten Bereichen stärker fördern / subventionieren. Ehrlicherweise kostet dies aber auch Geld, nämlich entsprechend Steuergeld. Bezahlen wir somit indirekt (Steuererhöhung?). Wobei die Technik in vielen Bereichen ja schon lange da ist (vgl. Interview Kemfert). Was wir brauchen sind insbesondere Marktstrukturen, die so wirken (Anreize für Anbieter und Nachfrager), dass diese sich rechnen und damit auf dem Markt etablieren.

      92% Erneuerbare Energien: 8% so: “Nee, brauchen wir bestimmt nicht für um uns vor der Klimakrise zu schützen! Weiter mit Kohle und Gas Olé Olé!” LOL

      92% Niedrigere Bahnreise:„Kostet mich ja nichts, sondern spart Geld, also her damit“ (Erklärt die 92%). Die Preise sind in der Tat relativ hoch und zudem in den letzten Jahrzehnten stärker gestiegen im Vergleich zum Autofahren (Benzinpreise) und zum Fliegen erst recht (Billigflieger). Jedoch wie gesagt ein natürliches Monopol (s.o).: Gehört also staatlich mindestens reguliert, sodass die Preise sinken. Müssen aber umgekehrt entsprechend staatlich subventioniert werden. Auch das kostet Steuergeld und trifft damit indirekt den Steuerzahler. Insofern auch nur auf den ersten Blick eine Preissenkung. Die Preissenkung wäre aber in jedem Falle ein Anreiz für mehr Bahnfahren.
      Vorschlag: Im Rahmen dieser Regulierung sollte man m.E. auch einen weiteren Anreizmechanismus mitbedenken. Je länger die Strecke, desto teurer das Bahnticket, aber desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass ein Flughafen in der nähe ist und damit die Konkurrenzsituation zum Fliegen sich verschärft. Daher ist es nicht verwunderlich, dass ab einer Strecke über 4 Stunden / ca. 500 KM es sich für viele lohnt das Flugzeug zu nehmen, da schneller und günstiger. Insofern sollte man aber ab 4 Stunden/500 KM den Bahnpreis deckeln, sodass die Bahn im Vergleich zum Flugzeug zumindest nicht teurer ist. Schönes Beispiel Berlin – Stuttgart oder noch weiter die ICE-Strecke in diese Richtung.

      71% Höhere Flugpreise: Ah man merkt wie die Zustimmung deutlich sinkt, sobald etwas teurer wird und es an den eigenen Geldbeutel geht. Die Tatsache, dass die Zustimmung dennoch recht hoch ist verdeutlicht jedoch, dass hier dringend was getan werden muss und die Preise selbst vom Konsumenten als zu niedrig empfunden werden. Entsprechend ist Zahlungsbereitschaft nach oben vorhanden. Eine Erhöhung (durch Kerosinsteuer, Umsatzsteuer etc.) dürfte auch für andere Märkte Anreizeffekte haben, da sich hierdurch auch möglicherweise mind. die Forschung nach alternativen Antrieben anfängt zu lohnen. Wichtig sind die Preissignale, die hierfür notwendig sind. Bekommt der Markt diese zu spät, kommt es zu disruptiven Effekten in der Branche der Flugzeugbauer. Zudem würden durch höhere Flugpreise die Bahnpreise relativ sinken, was wichtig wäre, da im Wettbewerb immer die relativen Preisunterschiede entscheiden.

      60% Alternative Antriebe: Hier zeigt sich in der Tat das Hauptproblem in Deutschland. Nämlich, dass fast 40% noch nicht verstanden haben, dass man mit Benzin- und Dieselautos es nicht schaffen wird, den CO2-Ausstoß netto zu beenden (Bis allerspätenstens 2050. Eigentlich müssten wir ehr 2040 auf Null sein, aber da wird der IPCC Mitte August wahrscheinlich etwas konkreter werden)

      41% Emissionshandel und 35% CO2-Steuer fasse ich mal zusammen: Wird teurer, also will es die Mehrheit nicht. Wie Kadda richtig sagt, sind es in der Tat wichtige Instrumente für Anreizmechanismen. Sie sind zwei Möglichkeiten wie man Marktversagen aufgrund von “externen Effekten” (https://de.wikipedia.org/wiki/Externer_Effekt) beheben kann.
      Die 1. Option wäre: Man würde den CO2 Ausstoß verbieten (Verbot). Die 2. Option ist, man führt eine CO2-Bepreisung ein. Ziel dieser CO2-Bepreisung ist, dass es sich für denjenigen, der diese “Externalität” emittiert wirtschaftlich nicht mehr lohnt und er diese entweder nur noch im geringen Maße oder gar nicht mehr emittiert (klassischer ökonomischer Anreizmechanismus).
      Hier hat man wiederum zwei Möglichkeiten diesen externen Effekt zu “internalisieren” (einzupreisen)
      a. Über eine Pigou Steuer also eine CO2 Steuer, die von der Regierung gesetzt wird.
      b. Über Verhandlung der Marktteilnehmer (Coase-Theorem), also einem Marktmechanismus wie dem Emissionshandel.
      Der Effekt ist der gleiche. CO2 würde einen Preis erhalten und es würde sich weniger oder gar nicht mehr lohnen CO2 zu emittieren. Einzig der Weg dahin ist unterschiedlich bzw. wie der Preis gesetzt wird. Entweder a) über die Regierung oder b) über den Markt. Beides hat seine vor und Nachteile (wie auch der Sachverständigenrat in seinem Sondergutachten gezeigt hat). Entscheidend ist aber, dass es auch unter Ökonomen mittlerweile quasi unumstritten ist, dass eine solche Bepreisung zwingend erforderlich ist (auch das ist ein Erfolg von FFF, war von nicht mal 2 Jahren noch anders). Insofern ist auch eine CO2-Bepreisung dringend erforderlich. Ob CO2-Steuer oder CO2-Emissionshandelspreis zweitrangig. Die Tatsache 6% mehr für einen Emissionhandel sind zeigt, dass dieser a) teilweise nicht als Bepreisung angesehen wird b) bevorzugt wird weil “Steuern” sehr negativ konnotiert sind. Zudem ist eine CO2 Bepreisung über den Markt indirekt. bei einer Steuer direkt. Es fällt Menschen leichter die Ergebnisse des anonymen “Marktes” zu akzeptieren als durch dir direkt zurechenbare Aktion einer Regierung. Letztere Kann man verantwortlich machen. Erklärt überdies auch warum 20000 Arbeitsplätze in Kohleindustrie ein riesiges Problem sind. Würden “geplant” ihre Jobs verlieren durch eine eine aktive Politik. 100 000 in der Solarbranche oder in anderen Branchen sind das Ergebnis des Anonymen Marktes und damit stets zu akzeptieren. (zeigt sich bspw. schön im Lindern Podcast mit Neubauer. Erst wirft er ihr vor: “Aber was ist mit den Arbeitsplätzen in der Kohleindustrie” um später im Gespräch zu sagen, dass er davon ausgehe, dass diese seines Erachtens timte der 20er schon vom Netz gehen werde, da diese schon dann nicht mehr wettbewerbsfähig seinen. Was dann aus den Arbeitskräften werden würde interessiert ihn dann nicht mehr)
      Nebenaspekt: Fliegen würde hierdurch jedoch nicht zwangsweise teurer werden, da Fliegen bereits im europäischen Emissionshandel “ETS” inkludiert ist, wie auch die Industrie und der Energiesektor. Diese Unterscheidung in ETS und Nicht-ETS Sektor ist aber wichtig. Beim ETS-Sektor ist man auf einem ganz guten Weg. Dieser hält seine Ziele ein. Problematisch sind jene Bereiche die nicht im ETS enthalten sind. Also Verkehr, Wohnen und Landwirtschaft. Derzeit geht aber vor allem darum den nicht ETS-Bereich zu erfassen und diesem mit einem CO2 Preis zu versehen. Problem ist hier eher, dass andere Steuerarten beim Fliegen nicht enthalten sind und überdies die die Vermeidungskosten im Flugverkehr sich von denen in anderen inkludierten Brachen deutlich unterscheiden. Die Preissignale durch den ETS Preis greifen noch nicht, um sie beim Ticket zu spüren.

      Das heißt, viele Dinge werden teurer werden (müssen) -möglicherweise dafür andere günstiger- und man wird auf andere gewisse Dinge verzichten müssen. Das gilt es zu akzeptieren. Wichtig ist, dass man die Spielregeln und damit die Anreizmechanismen in Form von Preissignalen richtig wirken lässt. Die Herausforderung für die Politik wird sein: 1. Sich ehrlich zu machen und das den Bürgern so zu erklären, statt dem Populismus hinterher zu laufen, dass es nicht mehr kosten werde. 2. Darauf zu achten, dass die schwächsten in der Bevölkerung nicht am stärksten betroffen sind und damit im Zuge des Anpassungsprozesses der gesellschaftliche Zusammenhalt nicht auseinanderfliegt.

      PS: Und gleich wird jemand sagen: “Ja aber das bringt doch alles nichts, wenn nur wir in Deutschland das machen, die in China weiter CO2 ausstoßen und unsere Industrie dorthin abwandert” (#Carbon Leakage) Bingo: Damit wäre die nächste Ebene des Marktversagens erreicht.
      Die Klimakrise hat neben der Externalität eine weitere Ebene des Marktversagens: Klimaschutz ist nämlich ein internationales öffentliches Gut und unterliegt damit leider der Trittbrettfahrerproblematik. Letztlich kommt es ja darauf an, wieviel CO2 weltweit ausgestoßen bzw. reduziert wird. Andere Länder profitieren von unserer CO2 Reduktion (kurzfristig). Im Gegensatz zu lokalen, regionalen oder nationalen öffentlichen Gütern ist bei internationalen öffentlichen Gütern das Marktversagen nicht durch eine Regierung zu beheben, da es keine Weltregierung gibt. Entsprechend bleibt uns nur die internationale Kooperation, also den Klimavertrag von Paris. Wir haben nichts besseres und vor allem keine Zeit mehr. Jeder, der was Besseres findet hat den Wirtschaftsnobelpreis sicher. Wenn wir in Europa und Deutschland nicht zeigen, dass es geht, fangen andere Länder gar nicht erst an. Dann landen wir mit Sicherheit aber nicht bei 1,5 Grad, sondern eher bei 5 Grad mehr. Es ist die einzige Chance die wir haben.

      Insgesamt ist die Klimakrise das größte und komplexeste Marktversagen aller Zeiten: Eine international emittierte ExternalitätCO2 in Verbindung mit Klimaschutz/CO2-Reduktion als internationales öffentliches Gut. Dies gilt es stets zu berücksichtigen. Und nein, das ist kein Beweis dafür wie Kacke „der Markt“ ist. Im Gegenteil der Marktmechanismus funktioniert in der Regel sehr gut. Man muss nur die dahinter sich befindenden Anreizmechanismen berücksichtigen und ihn vor Marktversagen schützen bzw. diese sodann entsprechend anpassen. Leider ist das bei der Klimakrise etwas komplizierter.

      Sorry fürs zuspammen

      • Einfach die direkten und indirekten Subventionen streichen, dazu die CO2-Steuer!

        2013: Autofahrer in Deutschland werden nach einer Studie jährlich mit *88 Milliarden Euro* subventioniert. Würden diese Kosten auf die Verursacher umgelegt, müssten sie pro Fahrkilometer mit etwa 15 Cent pro Kilometer zusätzlich rechnen. „Je Pkw liegen die nicht bezahlten Kosten bei ungefähr 2100 Euro pro Jahr“, sagte der Autor der Studie, Prof. Udo J. Becker (Technische Universität Dresden), am Montag in Berlin.

        https://www.heise.de/autos/artikel/Studie-Autofahren-wird-mit-88-Milliarden-Euro-subventioniert-1810338.html

        • Warum möchten Städter das Pendeln der Landbevölkerung eigentlich ständig madig machen? Viele haben halt nicht den Luxus, sich eine Wohnung in der Großstadt leisten zu können, vor allem bei dem Ausmaß des Niedriglohnsektors hier in Deutschland, der übrigens der größte in der gesamten EU ist.

          Wenn sich der Vorschlag der Streichung der Subventionen für Autofahrer durchsetzen würde und noch die CO2-Steuer in Höhe von 180€/Tonne hinzu kommt, wäre Hartz4 tatsächlich eine Alternative für die Geringeverdiener.

          Die Pendlerpauschale ist übrigens keine Subvention sondern steuerliche Werbungskosten und kann von allen ab einem bestimmten Kilometer steuerlich von jedem Arbeitenden geltend gemacht werden.

          • Ich bin kein Städter, sondern wohne in der Eifel.

            Natürlich muss die Pendlerpauschale auch weg. Das Problem ist, dass die Leute mobil sind. Statt dort zu wohnen und einzukaufen wo sie arbeiten. Wenn dort nix ist, muss man da eben wieder was hin bauen statt individuelle Mobilität endlich so richtig teuer zu machen,

          • “statt individuelle Mobilität durch Subventionen zu verbilligen muss man sie richtig teuer machen.” muss es heißen.

          • Das ist leider falsch. Die Pendlerpauschale ist eine Subvention. Sie ist eine indirekte Subvention, da Steuervergünstigung. Man müsste Sie aber nicht abschaffen, sondern müsste sie lediglich CO2-gerecht ausgestalten. So muss sie nicht mehr verkehrsmittelunabhängig sein, sondern könnte stattdessen CO2-abhängig erstattet werden: Also weiterhin für Pendler, die mit der Bahn fahren oder mit einem Elektrofahrzeug pendeln. Diese hätten dann einen doppelten Anreiz auf CO2-arme Mobilität umzusteigen. Denn durch den CO2-Preis würden CO2-arme Antriebe bereits relativ günstiger werden. Insofern geht es nicht darum den Menschen auf dem Land das Pendeln „madig“ zu machen, sondern nur darum das CO2-intensive pendeln nicht mehr aktiv zu fördern.

            Und wie gesagt, es wird und muss für ALLE teurer werden, die CO2 intensiv Leben möchten, egal ob auf dem Land oder in der Stadt. Denn das wird zukünftig nicht mehr möglich sein. Da unser gegenwärtiger Lebensstil sehr CO2-intensiv ist, wird es somit auf jeden Fall teurer werden, wenn man diesen exakt so fortsetzen und sich nicht verändern möchte.

            Wir sind leider an einem Punkt angekommen, wo gehandelt werden MUSS, da die Generationen vor uns 40 Jahre leider kaum etwas getan haben. Deshalb ist gegenwärtig eine CO2-Bepreisung dringend notwendig, da das beste und effizienteste Instrument externe Effekte der CO2-Emission zu internalisieren. Jeder der gegen diese ist, ist herzlich willkommen einen besseren Vorschlag zu machen. Einen, den man jetzt umsetzen kann und der geeignet ist das Ziel zu erreichen.

            Dabei darf der gesellschaftliche Zusammenhalt im Zuge dessen nicht auseinanderfliegen. Das gute dabei ist, dass diejenigen mit einem höheren Einkommen und Vermögen auch einen höheren CO2-Fußabdruck haben. Entsprechend werden jene mit einem hohen Einkommen durch eine CO2-Bepreisung stärker belastet werden, da sie CO2 intensiver leben.

            Zudem ist u.a. ja angedacht die CO2-Steuer über eine pauschale Klimaprämie zurückzuerstatten. Folglich würde der angesprochene Niedriglohnsektor sogar mehr zurückbekommen, als sie zusätzlich gezahlt hätten. Entsprechend hätte dies gleichzeitig eine umverteilende Wirkung und könnte sogar dabei helfen der gestiegenen Einkommensungleichheit entgegen zu wirken.

          • Da bin ich auch mehr bei Andreas. Warum soll ein Arbeitnehmer seine Kosten nicht absetzen können wie ein Arbeitgeber? Das ist dann auch keine Subvention sondern normales Steuerrecht. Und es haben alle Anspruch darauf, nicht nur Autofahrer.

            Der Artikel zur Pendlerpauschale in der Wikipedia ist interessant:
            https://de.wikipedia.org/wiki/Entfernungspauschale
            In den ersten Einkommensteuergesetzen hatten die Gesetzgeber einen steuerlichen Abzug der Fahrtkosten zur Arbeit nicht vorgesehen. Gleichwohl wurde dieser bereits um die Jahrhundertwende 1900 erfolgreich vor Gerichten erstritten, denn (so argumentierte z. B. das Preußische Oberverwaltungsgericht) „wenn der Erwerbende sich nicht zu seiner Arbeitsstelle begibt, so verdient er auch nichts“.

            Die Teile Entwicklung der Pauschale und Grundsatzentscheidung des Bundesverfassungsgerichts von 2008 sollte man sich mal durchlesen.

            Eine Änderung ist nichtsdestotrotz sinnvoll und überfällig. Eine Beschränkung auf die ersten 20 km wäre ein erster Schritt. Eine CO2-gerechte Ausgestaltung wie Klaus sie vorschlägt wär auch wünschenswert, aber schwierig. Wie weist da ein Fahradfahrer nach, dass er nicht mit seinem Benziner gefahren ist? Da scheint mir ein Ansatz auf der Kostenseite über eine CO2-Steuer einfacher und zielgerechter.

          • Eine Beibehaltung der Pendlerpauschale ist aus mehreren Gründen falsch, denn es ist eine Subvention die überhaupt nicht notwendig ist. Holgi hat schon mehrfach argumentiert dass die Menschen sich nie Gedanken um Mobilität machen mussten, weil sie durch solche Konstrukte billig genug gehalten wird um sich jeden Tag zig Kilometer fahrt leisten zu können. Insofern geht es mir schon darum den Leuten das Pendeln madig zu machen.

            Die gesellschaftlichen Gesamtkosten die durch Pendeln entstehen, sind auch ohne die Betrachtung des CO2 dramatisch. Ob Unfälle, Staus, Krankheiten die durch Stress entstehen oder gefördert werden, der Verschleiß der Infrastruktur und natürlich auch Feinstaub. Grundsätzlich ist es einfach besser weniger Autos zu bauen und durch die Gegend fahren zu lassen.

            Auch halte ich es für Absurd dass derjenige der mit der Bahn zur Arbeit fährt weniger bezahlt, als derjenige der im selben Abteil sitzt und den Weg zu seiner pflegebedürftigen Tante oder zum Training der Jugendsportgruppe fährt.

          • Seh ich anders. Jedes Unternehmen kann Kosten absetzen, aber die “Ich AG” soll das nicht können? Bzw warum soll Arbeitskleidung absetzbar sein, aber der Weg zur Arbeit nicht? Wie gesagt, bin auch dafür das zu deckeln, denn 50km pendeln oder mehr ist absurd. Aber grade wo jetzt schon die Mieten steigen noch mehr Druck auf die Wohnungsmärkte auszuüben scheint mir sozial ungeschickt zu sein.

        • Vollkommen richtig. Direkte und indirekte Subventionen für CO2 intensive Anwendungen gehören ebenfalls im Zuge dessen auf den Prüfstand. Von indirekten Subventionen in Form von Steuervergünstigungen für Dienstwagen bis frei ausgegebenen CO2-Zertifikaten im ETS.

          Die genannten 88 Mrd. – also die genannten Kosten durch “Unfälle(n), Lärm, Abgase(n), Boden- und Wasserverschmutzung, Klimaschäden oder Beeinträchtigungen durch Natur- und Landschaftsverbrauch” – sind allerdings keine Subventionen, sondern klassische Beispiele für eine fehlende Internalisierung von Kosten bei externen Effekten. Daher der CO2-Preis über Steuer/Abgabe um diese zu internalisieren.

        • Hm, Zitat aus Deinem Link
          Ignoriert würden zudem die von den Autofahrern entrichteten Steuern und Abgaben von jährlich rund 50 Milliarden Euro, von denen nur etwa 15 Milliarden Euro der Straße zugute kämen. Die Differenz von 35 Milliarden Euro müsse seriöserweise mit den externen Kosten verrechnet werden.

          Und dann einer der Kommentaren dazu:
          https://www.heise.de/forum/Autos/Artikel-Foren/Studie-Autofahren-wird-mit-88-Milliarden-Euro-subventioniert/Re-Kauf-dir-einen-Professor/posting-238798/show/

        • Was ich noch vergessen hab. Der Artikel ist ein schönes Beispiel für Framing. Statt neutral von externen Kosten zu reden (die Höhe lassen wir mal dahingestellt), die durch die Steuern und Versicherungen der Autofahrer nicht abgedeckt werden wird von Subventionen geredet.

          Wenn man sich auf die Ebene begibt kann man auch gleich sagen, dass die Autofahrer die Renter subventionieren (Ökosteuer zur Finanzierung der Rente). Das ist ebenso sinnlose Polemik.

          • “Der Artikel ist ein schönes Beispiel für Framing. Statt neutral von externen Kosten zu reden (die Höhe lassen wir mal dahingestellt), die durch die Steuern und Versicherungen der Autofahrer nicht abgedeckt werden wird von Subventionen geredet.”

            Nein, das ist kein Framing oder Polemik, sondern die Definition von Subventionen. Jede Zahlung oder jeder Nachlass ohne direkte Gegenleistung an den Markt ist eine Subvention.

    • also ich hab es so verstanden, dass mehr und mehr Bahnunternehmen bei Interrail ausgestiegen sind, als die Nachfrage sank, daher die Preissteigerungen.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Interrail

      • Ist in diesem Falle auch vollkommen richtig. Ich wollte auch nur darauf hinweisen, dass es ein Sonderfall ist, und nicht der Eindruck entstehen soll, es handle sich um typisches Marktverhalten 🙂

        Basiert wie gesagt auf der Kostenstruktur der Bahn. Normalerweise führt der Nachfragerückgang zu einer niedrigeren Menge und einem niedrigeren Preis. Durch die Kostenstruktur eines natürlichen Monopols bewirkt dieser Nachfragerückgang jedoch das Gegenteil beim Preis:
        Die Nachfrage sinkt und damit die Menge. Gleichzeitig sinkt der Preis. Aber durch den (theoretisch) sinkenden Preis ziehen sich sehr viele Anbieter komplett aus dem Markt zurück, da ein Angebot zu diesem (aufgrund der extrem hohen Fixkosten) nicht mehr lohnen würde. Entsprechend sinkt das Gesamtangebot so stark, dass diese Angebotsverknappung wiederum einen Preisanstieg bewirkt, der die (theoretische) Preissenkung durch den Nachfragerückgang überkompensiert. Am Ende bleibt eine niedrigere Menge mit einem höheren Preis und alle sind schlechter dran 🙁

  2. Kurze Ergänzung zum Thema Versteuerung von Elektroautos als Dienstwagen: Die zu versteuernde Summe beläuft sich normalerweise auf 1 % des Neupreises + einen Zuschlag für den Arbeitsweg pro Monat und nicht pro Jahr. Da kommt bei einem Auto mit einem Neupreis von 30.000 € schnell ein geldwerter Vorteil von 400 € pro Monat zusammen.

    Die von euch angesprochene Sonderregelung von 0,5 % des Werts für Elektroautos ist übrigens schon in Kraft. Häufig kritisiert wurde, dass sie neben reinen Elektroautos, unter bestimmten Umständen, auch für Plug-in Hybride gilt. Das die deutsche Autoindustrie bei solchen Autos ganz gut aufgestellt ist, ist bestimmt kein Zufall 🙂

    Diese Regelung funktioniert übrigens tatsächlich so wie sie soll. Die Lieferzeit bei BMW für solche Hybride beträgt aufrief hoher Nachfrage mittlerweile ca. 4 Monate. Verbrenner sind in wenigen Wochen lieferbar.

    • Ich arbeite in so einer Firma mit Dienstwagen als Bestandteil des Gehalts. Aktuell bin ich der einzige mit einem „echten“ Elektroauto.
      Dann gibt es noch ein paar Hybride. Deren Wert für die CO2 Reduktion geht in meinen Augen gegen Null. Die Batterien sind gerade so groß dass sie in die Subventionierung fallen (ich glaube 50km elektrische Reichweite). Da sie aber sowohl Verbrenner als auch Elektromotor und Batterie haben ist ihr realer Verbrauch (nicht auf dem Prüfstand) und damit ihr CO2 Ausstoß praktisch nicht geringer. Ich glaube dass ist ein reiner Mitnahme-Effekt für die zumeist deutschen Hersteller von Dienstwagen, weil die noch keine e-Autos liefern können. Der Großteil der Subvention wird damit aktuell verschwendet.
      Interessant wäre es erst wenn wirklich nur reine e-Autos oder Wasserstoffautos gefördert werden würden.

  3. Zum Thema länderübergreifende Bahnfahrten. Mit Omio https://de.omio.com/ soll das angeblich gut funktionieren, ich habe es selbst aber noch nicht probiert.

    • Auch zu diesem Thema wollte ich eigentlich gerade https://www.thetrainline.com/de empfehlen. Das habe ich zumindest schon mal für Fahrten nach Luxemburg genutzt.
      Beim unten bereits genannten Beispiel nach Barcelona wird übrigens Omio nicht fündig, Trainline verbindet Verbindungen, die man ohne weiteres Buchungen kann. Dahinter scheint übrigens die Belgische Bahn (!) zu stecken. Zumindest fallen da am Ende valide belgische Tickets raus …

      Auch hat die Bahn/DB Navigator durchaus eine Menge Verbindung in ganz Europa drin. Ich nutz die Bahn da oft um zu gucken, wo was fährt. Das Beispiel London-Holyhead liefert immerhin einige Verbindungen.

  4. In NRW haben CDU und FDP (noch unter Lindner) als eine der ersten Maßnahmen die Windkraft mit dem gleichen Trick abgewürgt. Schlägt aktuell grade voll durch…

    https://www1.wdr.de/nachrichten/landespolitik/landesregierung-beschliesst-windkraft-erlass-100.html

  5. Ein tolles Reisebüro für Bahnfahrten ist Gleisnost aus Freiburg, die finden Verbindungen, die Google und bahn.de nicht kennen (also intern haben die wahrscheinlich schon so eine Datenbank, die Holger für 50.000 Euro entwickeln lassen würde). Kann ich sehr empfehlen.
    Und: grade Barcelona ist über den TGV Paris – Barcelona sehr gut angebunden, die Fahrt dauert 6 Stunden, dazu kommt natürlich noch die Fahrt nach Paris – je nach dem, wo man wohnt, dauert das. Von Süddeutschland aus schafft man es aber mit deutsch-französischen TGV dann gut in 10-14 Stunden nach Barcelona. Was für den grenzüberschreitenden Bahnverkehr echt schnell ist… Und von Barcelona dann mit dem Nachtzug nach Lissabon! 🙂

    • Von Köln nach Paris mit dem TGV geht meiner Erinnerung nach in unter vier Stunden – für 38 Euro.

      • Das ist echt schnell + günstig!
        Ich bin don München aus nach Paris, das dauert 5 1/2 STunden mit dem TGV, hat ca 50 Euro gekostet. Bin um 6:30 Uhr in München gestartet und war abends um halb neun in Barcelona. In Paris hatte ich großzügig Umsteigezeit (ca. 2 Stunden), das war ganz angenehm. Da sehe ich auch echt keine Notwendigkeit, irgendwo in Frankreich Zwischenstopp zu machen – klar, kann man machen und ist schön und langsam Reisen ist toll, aber Barcelona ist durch den TGV (relativ) auch schnell und komfortabel erreichbar. 🙂

  6. Dass Montags keine Briefe kommen liegt übrigens nicht daran, dass die Zusteller Montags frei haben. Sondern daran, dass seit einiger Zeit Sonntags in den Verteilzentren nicht mehr sortiert wird.

  7. Holgi,

    das diffuse Gefühl des bayerischen Schmarotzertums ist mit Zahlen durchaus belegbar.

    Das Verkehrsministerium ist mittlerweile so eine Art bayrisches Wirtschaftshilfeministerium:

    https://www.welt.de/wirtschaft/article189017007/Verkehrsministerium-gibt-Bayern-mehr-Geld-fuer-Bruecken-und-Strassen.html

    Es gab vor kurzem im LdN podcast #148 dazu noch eine ausführlichere Kommentierung:

    https://www.kuechenstud.io/lagedernation/2019/07/15/ldn148-eu-kommissionspraesident-merkels-zittern-pkw-maut-sea-watch-kapitaenin-carola-rackete/

    Ich glaube das war ein Exkurs im Kapitel PKW-Maut.

  8. Tatsächlich haben CDU und FDP in NRW sogar ganz aktuell vor rund zwei Wochen die Windkraft praktisch beerdigt.

    https://www.energiezukunft.eu/erneuerbare-energien/wind/nrw-beschliesst-totalbremse-fuer-die-windkraft/

  9. Holgi, noch ein Nachschlag in Sachen CSU-Selbstbedienung am Tafelsilber der Restrepublik:

    http://podplayer.net/?id=76279852

  10. Ich stand auch mal vor dem Problem eine etwas ausgefallenere Bahnreise zu buchen. Sowohl online als auch bei der DB selbst, wars unmöglich ein Ticket zu bekommen. Ein Flugticket hingegen hätte ich mir in 10 Minuten klicken können. Ich hab dann den Tipp bekommen es mal bei https://www.gleisnost.de/ zu probieren. Ein Anruf und die Sache war gelöst! Unglaublich kompetente MitarbeiterInnen, die einen an fast jeden Punkt der Erde mit der Bahn bringen und für fast jeden Wunsch eine Lösung haben. Ein paar Tage später kamen die Tickets mit der Post und alles lief reibungslos.

  11. “Es ist voll kompliziert, internationale Bahntickets zu buchen. Da brauchen wir echt mal ein Portal.
    Ach, das geht bei der Bahn?”

    xD

  12. Die Privatisierung von Wohnraum und Telekommunikation hat doch super funktioniert! Frag mal Vonovia und die Deutsche Telekom.
    Man darf einfach nicht erwarten, dass die CDU Politik für die Menschen macht; schon gar nicht für die armen.

  13. hallo
    ich würde öfter gerne die bahn nehmen, aber mir fehlen auch die richtigen anbieter. omio bietet nur bestimmte städte an, sonst wieder flieger. kennt jmd eine gute sein te oder ein reisebüro in berlin?
    dank&gruß, c

    • mir wurde jetzt sehr oft gleisnost empfohlen – probier’ das doch mal aus.

      • danke! ich dachte, ich hätte die kommentare hier gelesen! muss aber die gleisnost-nummer übersehen haben. mach ich definitiv.

        • hmmm, jetzt hab ich gleich mal geschaut, weil ich mich nämlich auch für europäische hauptstädte interessiere, z.b. ljubiljana oder dublin. da komme ich auf der seite auch nicht weiter (außer eben klassisch interrail, von dem du meintest, es war nicht die günstigste variante). die datenbank, von der holgi sprach, isses noch nicht. vielleicht hilft ja ein anruf.

          • Die Datenbank von der Holgi spricht, gibt es. Ich habe es oben schon geschrieben, https://www.thetrainline.com/de kann das.

            Ljubljana klappt (ca. 180 €, ca. 20 Stunden), bei Dublin/UK fehlen wohl noch Daten bzw. ist das noch knifflig. Aber Trainline sagt selber:

            “Wir wollen ganz Europa mit dem Zug verbinden.

            Sie können bereits von London St Pancras, Ashford und Ebbsfleet nach Europa reisen – weitere Bahnhöfe folgen bald. Aktuell können Sie Ihre Zugverbindungen für Großbritannien separat zu Ihrem Warenkorb hinzufügen.”

      • Gleisnost ist in der Tat ganz ok. Da habe ich auch schon drüber gebucht.

  14. Liebes Wochendämmerungteam,
    als Ersthöhrer möchte ich nur sehr kurz Kritik üben. Euer Podcast ist sehr unterhaltsam, es fehlen mir allerdings differenzierte, tiefergehende Analysen, wie beispielsweise beim Thema Windkraft Bayern ( Bayern als Verweigerer der Energiewende) . Ohne Berücksichtigung der Zusammensetzung des kompletten Energiemixes ist m. M. Eure Schlussfolgerung falsch. So hat Bayern einen hohen Anteil an erneuerbarer Energie, die es erzeugt (https://www.destatis.de/DE/Themen/Branchen-Unternehmen/Energie/Erzeugung/Tabellen/bruttostromerzeugung-laender.html)
    und steht dank Kernenergie, was den Co2 Ausstoß angeht verhältnismäßig gut dar (vgl. das “grüne” Baden-Württemberg). Hier wäre jetzt interessant, wo die Schwerpunkte von Investitionen liegen (leider nicht in Ausbau von Energietrassen oder einer durchführbar & zielgerichteten Energiewende).
    Die anderen Punkte spare ich mir hier erst einmal.
    Herzliche Grüße
    max

  15. Danke für den Erfahrungsbericht eurer Irlandreise. Ich möchte dem gerne einen ähnlichen Erfahrungsbericht hinzufügen.

    Ich sitze gerade am Heck der MS Gabriella auf der Fahrt von Helsinki nach Stockholm. Wir haben dieses Jahr den Esperanto Weltkongress in Lahti, Finnland besucht und wollten da auch ohne Flug anreisen und danach noch etwas Urlaub in Finnland machen.

    Gegenüber dir, Kadda, hatte ich beim Planen einen Vorteil. Ich war in den vergangenen Jahren schon des öfteren in Europa (Slowakei, Schweden, Polen, Ukraine) per Bahn unterwegs und wusste dadurch zum Beispiel um die “Kostenfalle” Interrail. Meines Erachtens lohnt sich Interrail nur dann, wenn man keine reservierungspflichtigen Züge braucht und wenn man spontan unterwegs ist. Wenn man die Reise Wochen bzw. Monate im Voraus präzise planen kann, kommt man immer günstiger weg, wenn man bei den Bahngesellschaften direkt bucht.

    Zweiter Vorteil, den wir bei gegenüber euch hatten, war, dass wir unsere Reiseroute so legen konnten, dass wir Nachtsprünge darin hatten. Dadurch entfallen die von dir beschriebenen Übernachtungen (London, Dublin). Leider gibt es auf der Route nach Irland meines Wissens nach keine vernünftigen Nachtverbindungen.

    Unsere Route war wie folgt:

    Stuttgart -> Malmö tagsüber 11h; ganz normal gebucht auf bahn.de, so als wäre es Stuttgart -> Köln.

    Malmö -> Stockholm im Nachtzug; Ankunft Stockholm so gegen 7 Uhr morgens. (gebucht auf sj.se)

    Tag in Stockholm verbracht mit Stadtspaziergang

    Nachtfähre nach Helsinki (gebucht auf der Webseite der Fährgesellschaft)

    Den Hopser von Helsinki nach Lahti haben wir dann vor Ort gekauft am Ticketautomaten, weil wir nicht genau wussten, wann wir genau am Hauptbahnhof in Helsinki ankommen würden.

    Nach dem Kongress sind wir dann noch wieder mit Nachtsprung nach Nordfinnland gefahren und dann nach Ostfinnland. Vor Ort haben wir uns jeweils ein Auto gemietet, um die Gegend zu erkunden. Die Tickets habe ich gebucht auf vr.fi

    Ein sehr schönes Reiseerlebnis, insbesondere, weil man in Skandinavien recht günstig Nachtzugreisen im Schlafwagen bekommt. Beispielsweise hatten wir eine Fahrt von Helsinki nach Rovaniemi im Privatabteil mit eigener Nasszelle (also praktisch ein Minihotelzimmer) für etwas über 100€. Wohlgemerkt, Fahrt für zwei mit Aufpreis für das Abteil.

    Ich bedaure es deshalb sehr, dass es in Westeuropa praktisch keinen brauchbaren Nachtzugreiseverkehr gibt. Vielleicht kann die ÖBB dem ja abhelfen.

    Es ist auch ein recht schönes Gefühl, jetzt, obwohl schon auf der Rückreise, noch zwei Urlaubstagen entgegensehen zu können. Morgen wachen wir auf mit Blick auf die Stockholmer Außenschähren, haben dann noch einen Tag in Stockholm und nehmen dann den Nachtzug nach Malmö. Dann könnten wir im Prinzip schon nach Hause fahren, aber wir bleiben den Tag noch in Kopenhagen, um dort eine Podcastepisode über Christiania aufzunehmen.

    Die Planung hat bei mir nicht einen Tag gedauert, sondern “nur” ein paar Stunden, weil ich ungefähr wusste, was ich suche. Für die Fahrplanrecherche, verwende ich immer bahn.de und dann kaufe ich auf den Seiten der jeweiligen Bahngesellschaft die einzelnen Tickets. Das birgt die Gefahr, dass du keine geschlossene Reisekette hast. Bei uns war das Risiko, dass in Hamburg aufgrund von Verspätung des ICEs unsere Reisekette bricht und die weiteren Bahn- und Fährtickets gnadenlos verfallen. Die Bahn zahlt dir dann halt nur die 25% Entschädigung. Deshalb hatten wir in Hamburg > 2h Puffer eingeplant, was natürlich die Reisezeit verlängert hat. Aber hey, Entschleunigung…

    Nächstes Jahr ist der Esperanto Weltkongress in Montreal, Kanada. Da werden wir wohl fliegen müssen. Im Jahr darauf Belfast. Mutige Entscheidung des Esperanto Weltbundes, den Kongress nach Nordirland zu legen, obwohl momentan noch unklar ist, wie sich bis dahin die dortige politische Lage entwickelt. Meine Idee für diese Reise ist TGV/Eurostar von Stuttgart über Paris nach London, von dort im Nachtsprung nach Glasgow und dann irgendwie zu einer Fähre in Stanraer, oder so. Mal schauen.

    Bezüglich Planbarkeit gebe ich dir völlig recht, dass es ein Portal braucht, mit dem man nicht nur Bahnreisen, sondern systemübergreifende reisen Planen kann. Bahn/Schiff/(Fern)bus/Flieger, mit Präferenzen “kein Flug”, “Flug nur bei Distanzen > 2000km” oder so ähnlich. Zudem brauchen wir in Westeuropa endlich wieder ein funktionierendes Nachtzugnetz.

    Weiterhin gute Reisen

    Johannes

  16. Hmm… also Windräder müssen 10 mal ihre Höhe voneinander entfernt sein? Das heißt, wenn wir 3 Meter hohe Windräder bauen würden (auch wenn potentiell total ineffektiv), könnte man die in Bayern in einem Abstand von 30 Metern aufstellen? Also ich wäre ja dafür!

    Vor ein paar Tagen hab ich beim HR nen kurzen Ausschnitt gesehen, bei dem Menschen auf der Straße befragt wurden nach Windrädern. Und es gab 2 Leute, die fanden die Windräder hässlich, und wollen nicht, dass der Ausblick verschandelt wird. Das fand ich sehr interessant. Ich persönlich finde die jetzt zwar nicht unfassbar schön, aber auch nicht als verschandelung des Ausblicks. Ich finde sie aber in sofern schön, weil sie ein Zeichen dafür sind, das wir etwas tun. Vor allem sehe ich jeden Tag auf meinem Weg zur Arbeit das Staudinger Kraftwerk, ein Kohlekraftwerk. Und DAS empfinde ich persönlich als eine viel größere Verschandelung des Ausblicks. Am schönsten sieht das Kraftwerk immer noch dan aus, wenn es (zumindest scheinbar) nicht läuft.

  17. Die Anzahl der Flieger in Deutschland wurde wohl etwas ueberschaetzt wenn ich mich recht erinnere.

    “Aus wissenschaftlicher Sicht stellt sich das anders dar. Dazu muss man zunächst wissen, dass nur geschätzte drei Prozent der Weltbevölkerung innerhalb eines Jahres in ein anderes Land reisen. Auch in Deutschland nutzt weniger als die Hälfte der Bevölkerung das Flugzeug. Fliegen ist, zumindest global gesprochen, die Aktivität einer kleinen Elite. ”

    https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/klimawandel-warum-wir-uns-fuers-fliegen-schaemen-sollten-a-1280038.html

  18. Liebe Kadda und lieber Holgi,
    danke, dass ihr diesen Podcast macht.
    Eine konkrete Frage habe ich zum Thema Aufforstung in Äthiopien, von der Sham berichtet: Welche vertrauenswürdigen Organisationen beteiligen sich daran, die man dabei finanziell unterstützen kann?
    Oder könnt ihr empfehlen, wie man solche im Allgemeinen findet?
    Beste Grüße
    Charlotte

  19. *seufz* Heute spam ich euch zu, weil ich dauernd was vergesse.

    Zu den 97% Forschung: Natürlich brauchen wir Forschung. Und das kostet ja auch (Steuer-)Geld. Im Gegensatz zu dem was Claudia Kempfert behauptet hat auch bei den Stromspeichern. Außer Pumpspeichern und Akkuspeichern wie dem von Tesla in Australien haben wir nichts, was pber das Stadium von Pilotanlagen schon hinausgekommen ist. Und da gehts nur um krzfristige Speicher. Wenns darum geht heute für morgen oder gar diese Woche für nächste Woche zu speichern, dann müssen wir vor den Energiemengen derzeit noch kapitulieren. Wobei sich natürlich die Frage stellt ob das ökonomisch sinnvoll ist und nciht sowas wie Deserettac besser wäre. Was uns aber von den nordafrikanishcen Staaten abhängig machen würde.

    Kurzen Überblick gibts da https://de.wikipedia.org/wiki/Energiespeicher#Speichern_elektrischer_Energie

    • Die Erdwärmeleistung Italiens würde ausreichen um ganz Europa mit elektrischer Energie zu versorgen. Allerdings würden dann nicht mehr viel dort stehen, außer Kraftwerke. Ebenso würde es ausreichen die Hälfte der iberischen Halbinsel mit Solar zuzubauen oder die Gewässer zwischen den Brexiters und Norwegen mit Windmühlen auszustatten. Auf ein Desertec in Nordafrika wäre man also nicht angewiesen.

      Würde man jeden Haushalt mit einem Energiespeicher um die 5 kWh ausstatten und den Rest der Energie als Wasserstoff um europäischen Gasnetz speichern, wären alle Probleme gelöst. Trotz der Ineffizienz von P2G.

  20. Hi Holger,

    kleine Korrektur: der Geldwerte Vorteil wird bei der Versteuerung von 1% des Neuwertes pro Monat – nicht p.A. – angesetzt.
    Leider gilt die neue Regelung (0,5%) auch für Hybrid-Fahrzeuge. Damit sind dann auch wieder die riesigen SUV’s dabei, die mit Strom gerade mal 25km weit fahren können.

    Grüße
    CHristian

  21. @Elektroautos:
    Erstmal Dienstwagen: Wir haben in der IT-Turnschuhabteilung einer großen Behörde in Hamburg einen BMW i3 im Einsatz. Bewegung fast ausschliesslich im Stadtgebiet Das funktioniert ausgezeichnet. Es gibt unglaublich viele Dienstwagen mit einem ähnlichen Anforderungsprofil. Vor allem städtische Handwerker sind praktisch nur in der Stadt unterwegs. Unsere Kiste ist überaus beliebt, weil sie sich gut fährt und über Reichweiten denkt schon lange niemand mehr nach.
    Aber wir dürfen auch in der eigenen Tiefgarage laden – und damit zu den privaten Nutzern.

    E-Autos, Privat: Es ist unglaublich schwer in privaten Tiefgaragen eine Ladeinfrastruktur zu etablieren. Damit ich auch nur eine Steckdose an mein Auto bekomme, benötige ich die Mehrheit (manche sprechen von Einstimmigkeit) der Wohneigentümergemeinschaft (WEG). Selbst dann, wenn ich alle Kosten übernehme.
    Wenn ich die anderen Miteigentümer überzeuge, kommt der Verwalter und fragt nach einer Versicherung um die zusätzliche Brandlast abzusichern. Der Witz dabei: Keine (!) Versicherung bietet einen entsprechenden Kontrakt an.
    Ich will seit zwei Jahren ein E-Auto kaufen und werde leider komplett ausgebremst.
    Funfact am Rande: Es gibt seit September 2016 den Vorschlag zum „Gesetz zur Änderung des WEG und des Bürgerlichen Gesetzbuchs zur Förderung der Barrierefreiheit und Elektromobilität“, kurz GBE, diesen großen Ärger lösen. Das haben die drei Bundesländer Bayern, Hessen und Sachsen via Bundesrat beim Gesetzgeber Bundestag eingebracht.”
    Das liegt seitdem beim, Tataaa, Bundeverkehrsministerium und wird dort blockiert.

    • Für die städtischen Handwerker ist bei den elektrischen Versionen von Sprinter und Co mehr die fehlende Zuladung als die Reichweite das Problem.

  22. Ich habe gerade gelesen, dass Großbritannien bzw. die britischen Zugbetreiber ab 2020 aus dem Interrailprogramm aussteigen. Der Eurostar soll wohl noch dabei bleiben. Trotz der Nachteile die hier genannt wurden sehr schade.

  23. Es gibt die Möglichkeit, mit dem Zug bis Cherbourg zu fahren und dann Fähre bis Rosslare oder Dublin, man erspart sich die Ausreise aus dem Schengen-Raum und die Eurostarkontrollen. Die Fähre nach Rosslare kostet für 1EW und 2 Jugendliche einfach 150 Euro. Brüssel -Cherbourg dauert 6 Stunden mit der Bahn.

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