Die Wochendämmerung

Mit Katrin Rönicke & Holger Klein

#194. Wie der BER am seidenen Dübel hängt oder es Freibier für alle gibt

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Kapitelmarken
0:00.000 Intro und Begrüßung
0:35.330 re:publica, Sascha Lobos Rede und die CDU
15:35.713 Kontraste-Journalisten decken BER-Mängel auf
25:18.411 Iran droht, Welt ist ratlos
38:16.615 Der Spionage-Wal
39:26.496 #whlw: Facebook zerschlagen
51:17.117 Außenperspektive: Die WaPo über Deutschlands Flüchtlingspolitik
57:05.901 Dank, Verlosung und Abschied

Links und Hintergründe

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44 Kommentare

  1. Zu Sascha Lobos Vortrag: Den von dieser republica hab ich jetzt noch nicht gesehen, nur davon gelesen.

    Und was mich bei all seinen Reden in den vergangenen Jahren schon immer geärgert hat, und so ging es mir auch bisher beispielsweise bei den Mottos und damit verbunden Talks, die sich darauf beziehen, der C3 Kongresse. Wir sitze da, applaudieren, weil jemand die Wahrheit spricht, sind erst mal total euphorisiert. Aber diese Euphorie hält leider nicht lange an und ich kann mich nicht erinnern, dass sich jemals etwas daraus entwickelt hat.

    Ich bin mir sicher, Sascha könnte sich auf die Bühne stellen, und dem Publikum sagen, dass alles Versager sind, dass das Publikum total scheiße ist. Und das Publikum würde daraufhin applaudieren. Was sehr schade ist, weil er inhaltlich gute Reden hält. Es werden eben nur keine Konsequenzen daraus gezogen, oder ich sehe diese Konsequenzen nicht.

    • Hab diese Analyse schon häufiger gehört und halte sie für kompletten Quatsch.

      Die Leute Jubeln Sascha Lobo zu, weil er ausspricht was sie denken. Genau das sagt Kadda ja auch.

      Es ziehen auch fast alle daraus Konsequenzen daraus, sei es durch Wahlentscheidungen oder anderes Engagement. Das Problem dürfte eher sein, dass alles in einem gewissen Milieu bleibt.

      Das Milieu aus dem sich Besucher der Re: Publica rekrutieren sind maximal ein paar Prozent. Der Rest wählt weiterhin CDU, fährt SUVs usw.

      Die einzige Kritik, die ich gelten lassen würde ist, dass die Konsequenzen die “wir” ziehen nicht radikal genug sind. Wenn das gesamte Republica-Mileu zb nicht mehr für bestimmte Firmen arbeiten würde, hätte das wahrscheinlich einen krasseren Impact.

  2. Allerliebst, wie Holgi ueber Katrins (falsche) Erklaerung fuer ‘Isotope’ buegelt und dann selber eine falsche Erklaerung liefert 🙂

    Elemente sind zuerst einmal durch ihre Anzahl von Protonen charakterisiert, Uran hat zb immer 92 Protonen. In einem neutralen Atom ist die Anzahl der Elektronen immer gleich der Anzahl der Protonen, also hier auch 92 (und wenn die Anzahl eine andere waere, dann haette man ein Uran-Ion). Was die verschiedenen Uranisotope unterscheidet ist die Anzahl von Neutronen im Atomkern. Im Fall von Uran koennen das zwischen 140 und 146 sein. Was man bei Isotopen normalerweise angibt, ist die Summe von Protonen und Neutronen, also zb 92+143 = 235 oder auch 92+146 = 238.

  3. Hallo liebe Katrin! Hallo lieber Holgi!

    In der heutigen Sendung hat mir Holgi den gefühlten Isotopenpflog durch mein Chemikerherz gestoßen. Daher kann ich nicht wiederstehen den Erklärbären raushängen zu lassen.

    Isotope sind nennt man Atome eines Elementes die eine unterschiedliche Anzahl von Neutronen im Atomkern haben.

    Das was Holgi erklärt hat, Atome mit gleicher Anzahl Protonen und davon abweichender Anzahl Elektronen, nennt man Ionen des Elementes.

    Zur Vollständigkeit: bei einem Element befinden sich in allen Atomen die gleiche Anzahl von Protonen.

    Ansonsten danke ich euch für die wunderbaren Sendungen jede Woche!

    Euer Ebby
    (PS: Ihr dürft euch gern bei Verständnisfragen in Chemie bei mir nachfragen)

  4. Mal als Pendler im bayrischen Allgäu gesprochen. Ich pendle täglich 45km hin und 45km wieder zurück. Dank A7 eine Sache von ca 35min pro Strecke. Es ist ja nicht so, das ich es nicht schon mal versucht hätte, aber mit Bus zur Bahn und von da mit dem Bus zur Arbeit, würde für mich bei günstiger (!), einzig möglicher (!!!) Verbindung für Hinfahrt mindestens 2h 12min und die Rückfahrt 2h “kosten”.

    Wer das als echte “Alternative” zum Auto sieht, der ist noch nie mit der “zuverlässigen” Bahn gefahren oder sitzt in seiner Großstadt rum und denkt total Weltfremd das es überall so sei.

    Generell gehen mir die Beiden leider zu oft von Berlin etc aus… Und dabei müsste gerade er es als zeitweiliger Bayerngast doch besser wissen. Finde ich nicht gut.

    • Das liegt wohl an der Region.
      Ich komme aus Baden-Württemberg, wohne in einer ländlichen Gegend. Ich pendle täglich einfache Strecke 50 KM (Tür zu Tür). Mit dem Auto sind das knappe 45 Minuten (laut Routenplaner), mit der Bahn (nicht DB sondern regionale Bahnen) sind es, mit umsteigen, etwas über eine Stunde 1/4.
      Was beim Auto dazu kommt ist die Parkplatzsuche, eine Stau anfällige Autobahn (und Landstraße) und einmal quer durch die Stadt im Berufsverkehr. Realistisch ist es mit dem Auto also auch eher eine Stunde oder mehr.

      Ist also eine Frage wie der öffentliche Nahverkehr (Bus und Bahn) ausgebaut bzw. gefördert wird. Da wo nur in Straßen investiert wird ist das Auto halt “Alternativlos”.

      Das war ja genau der Punkt, seit Jahren wird die Bahn kaputt gespart zugunsten der Autofahrer.
      Selbst in meiner Gegend gibt es noch deutlich potential das Netz auszubauen.

    • Nachtrag: Nicht persönlich gemeint.
      Ich war schon oft und lang in Bayern (Schwaben, Allgäu, Oberpfalz, Franken und sogar München)
      Gerade von “den Bayern” habe ich den Eindruck das sie weltfremd davon ausgehen das es überall so ist wie bei Ihnen. Und wenn es irgendwo nicht so klappt liegt es halt daran das es dort nicht der “bayerische Weg” ist.

      Alleine von der bekannten Vita der beiden her, würde ich Ihnen schon unterstellen das sie keinen “reinen Berlin” Blick auf die Lage haben.

    • Da haben wir wieder die typisch verdrehte Sichtweise! Die rollende Blechkiste ist nicht die Lösung, sondern das Problem. Wenn du keinen Führerschein hättest, würdest du dann 2,25 ÖPNV-Verkehrsstunden von deiner Arbeit entfernt wohnen? Sicherlich nicht. Also leutet die Lösung: Autos verbieten oder den Kraftstoffpreis verdoppeln und die Leute so zum umziehen zwingen.

      Aus einem der ganz wenigen Eifelorte mit halbwegs existentem ÖPNV gesendet.

  5. Oooooh, ich möchte so gern so ein Eric Cartman Spielzeug haben. Bin mal gespannt, was die Aufgabe sein wird, um Cartman zu gewinnen.

  6. Halo Katrin und Holgi.

    Meine Gewinnspiel Vorschlag wären diese:
    Ihr sagt am Anfang der Sendung, und kündigt es auch an, einen bestimmten Satz der am Ende der Sendung bei der Namensvorlesung eingemischt wird. Wir, die Hörer, müssen erraten an welcher Stelle und von wen er gelesen wurde. Also zum Beispiel „stelle 44 gelesen von Holgi“ oder „nach Rut Rutz gelesen von Katrin“.
    Entschuldigt mein Deutsch ich hoffe es ist verständlich.

  7. Atomwaffen:
    Ich hätte da ja einen Lösungsvorschlag für das Problem. Wir lassen es einfach alle mit den Atomwaffen. Ich hab eh noch nicht verstanden, mit welchem Recht man Atomwaffen besitzt, es aber anderen verwehren möchte…

  8. Gewinnspiel:
    Ihr bringt beide euren lustigsten Kommentar zu einem Thema der letzten Sendung mit. Zusätzlich zu Kommentaren hier gelten auch Tweets und Toots an @wochendaemmrung und {hier Mastodonaccount einfügen}.
    Dann wird der Gewinnerkommentar ausdiskutiert.

    • Wieder eine tolle Sendung die nur zwei Fragen offen lässt.
      1. Kann man cartman auch kaufen oder nur gewinnen?
      2. Will jemanden in Berlin Dachdecker werden?
      Sind ein kleiner Dachdeckerbetrieb, der immer auf der Suche nach einer helfenden Hand ist. Wir bieten harte Arbeit, viel Staub, nen nervigen Chef und nette Kollegen.
      Ja auch in meinem Gewerk ist der sogenannte Fachkräftemangel nicht zu übersehen.
      Schönes Wochenende

  9. Die podcasterin bei den Mikroökonomen heißt Hannah und nicht Miriam 😎

    • Damit dürfte das diejenige Wochendämmerung mit dem meisten Schämpotential sein. Dämmerung der Schande, gleichsam.

      • …Aus aktuellem Anlaß (siehe auch Neutronen): Baut in eine Folge mehrere Fehler ein (spätestens beim Nachlesen der Shownotes sollte es dann auffallen, daß ihr was anderes gesagt habt als da steht), wer sie alle findet, gewinnt. 😉

  10. Zum Gewinnspiel-Thema (für den Fall, dass ihr eure Hörer zur Mitarbeit anstiften wollt):
    Holger interpretiert ja mit Leidenschaft dieses ominöse Politbarometer bzw. den Deutschlandtrend. Die Hörer, die am Gewinnspiel teilnehmen, sind nun aufgerufen das nächste veröffentlichte Politbarometer oder auffällige Teilfragen/-aspekte in ein zwei Sätzen zu interpretieren(oder meinetwegen als Ausdruckstanz) und euch bis zu eurer Sendung zu kommen zu lassen.
    Arbeitstitel: Trendorakel

    • Nachtrag: nochn Spiel
      Das “Framing der Woche“(kurz FraDeWo) wird von euch ausgewählt, also ein Framing aus Medien, Politik, etc. Eure Hörerschaft wird nun animiert bis zur nächsten Sendung dieses zu “deframen“, heißt einen ebenso prägnanten neuen Namen zu finden. Vielleicht auch mit neuer Geschmacksrichtung: möglichst harmlos, möglichst zynisch, möglichst lustig, möglichst einfaches Deutsch, oder, oder, oder…

  11. Ein sehr starkes Argument, das für Zertifikate spricht: Man kann die Menge an CO2 direkt begrenzen in dem man die entsprechende Menge an Zertifikaten ausgiebt. Bei einer Steuer läuft die Begrenzung ja nur indirekt über den Preis.

    Geophysikalisch ist aber die Menge an CO2 begrenzt durch das 2°C Ziel.

    Wer verhindert bei einer Steuer, dass jemand einfach sehr viel Geld in die Hand nimmt und mehr Emissionen verursacht als die Erde verträgt?

    • Eine exponentieller Steuersatz?
      Ab 60.000€ ääh irgendwas in CO2-Tonnen ist der Spitzensteuersatz fällig… so ähnlich halt
      Die 1000. Tonne CO2 im Jahr kostet dann paar Millionen Euro, oder so… 😉 Jede.
      Die ersten 10/5/whatever Tonnen sind frei.

  12. Niemand, der aktuell am BER arbeitet, hat ein Interesse daran, dass der Flughafen eröffnet wird.
    Ist nicht von mir.

    Aber klar. Die Entscheidung, das Ding aufzugeben, will sich natürlich auch keiner ankreiden lassen.

  13. Hallo Holgi,

    ich kenne deine Einstellung zu Israel und teile sie nicht. Bis zu einem gewissen Punkt kann ich die Positionen Israels nachvollziehen. Die Menge an sinnloser Gewalt hat aber schon lange einem nicht mehr akzeptablen Stand erreicht und das wird über kurz oder lang Israel zerstören. Dass du auf die Idee kommst Israel sollte im Iran illegal intervenieren, ist so eine weitere sinnlose Aktion. Man braucht keine Atombombe um Krieg zu führen. Man braucht eine Legitimation. Denk mal drüber nach.

    BK

  14. Dass eine CO2-Steuer eben gerade keine lenkende Wirkung hat, sehen wir doch direkt vor unserer Ahsutür: Schaut doch mal nach Polen. CO2-Steuer seit 1990. Benzinpreis dort mit CO2-Steuer ca. 25% unter unserem, ohne CO2-Steuer. Kohleverstromung dort im Strommix 2017 bei 77% Hier in 2017 36%. Da sehe ich es auch, dass man sich vielleicht mal über Sinnvollere Projekte, als eine CO2-Steuer unterhalten sollte.
    z.B. -Förderung sinnvoller alternativer Antriebskonzepte für PKW, wie z.B. Bio-Ethanol. Gleichzeitig eine Verpflichtung aller Lebensmittelverarbeitenden Firmen (Kliniken, Hotels, Produzenten etc) 100% der Lebensmittelreste zur Bio-Gas/Bio-Ethanolgewinnung zu geben.
    – Ausbau der Windenergie in ganz Deutschland, und nicht nicht in Norddeutschland.
    – Verpflichtung der Energieeinsparung bei der Beleuchtung. z.B. Verbot von beleuchteten Werbetafeln und Schaufenstern in der Nacht (z.B. mit Ausweisung bestimmter Gebiete wo dieses gilt.) Beleuchtung von Industrieanlagen und Straßenbeleuchtung über Bewegungsmelder etc.

    Die Gefahr der Steuer ist einfach, dass vorher versprochen wird, dass bedürftige Unterstützt werden, dieses aber am Ende nicht passiert. Und die Geld einfach irgendwo im Staatshaushalt versickert.

  15. Zur CO2-Steuer

    Von vielen wird ja das Schweizer Modell bevorzugt, wo man dann am Jahresende eine Rückzahlung erhält. Vor allem Geringverdiener sollen davon angeblich profitieren. Als Pendler und Schichtarbeiter, der täglich 55 km hin und zurück pendeln muss, sehe ich das nicht so das ich davon profitiere zumal es hier in Brandenburg auf dem Land kaum ÖPNV gibt. Die Kids von Fridays For Future fordern ein 180€/Tonne CO2, was der höchste Wert in der gesamten EU wäre (einige Länder erheben bereits eine CO2-Steuer), was von der steuerlichen Last sogar noch Schweden übertreffen würde.

    Beispiel um das Problem zu vergegenwärtigen.

    Im Inforadio beim RBB hörte ich heute von einem Fall, dass einem Hartz4-Empfänger die Leistungen gekürzt wurden, weil dieser unentgeltlich bei der Tafel arbeitete und dafür als Ausgleich Lebensmittelspenden erhielt. Das wurde dann vom Amt als Einkommen mit angerechnet und die Hartz4-Leistungen dementsprechend gekürzt.

    Und nun spinnen wir die ganze Situation mal weiter und nehmen anstatt Lebensmittelspenden die CO2-Steuerrückzahlungen nach dem viel propagierten Schweizer Modell, die angeblich Ärmere, wie z.B. auch Hartz4-Empfänger, entlasten sollen, wenn die Lebensmittel- und Verbrauchpreise (inkl. Energie) dementsprechend steigen. Bekanntlich wird das Kindergeld als staatliche Leistung dem Hartz4-Satz ebenfalls mit angerechnet und von der monatlichen Zahlung der Arge abgezogen.

    Ergo: Vor allem die Ärmsten der Armen profitieren überhaupt nicht von einer CO2-Steuer vor allem wenn diese noch Aufstocker sind, wenn der AG zu wenig bezahlt.

    Und dass Deutschland die Welt alleine nicht retten kann ist ebenfalls Fakt. Zu diesem Zweck empfehle ich den Podcast Forschergeist von Tim Pritlove Nr. 66 “Klimaneutralität” mit dem Gast Franz Josef Rademacher, Leiter des Forschungsinstituts für Anwendungsorientierte Wissensforschung (FAW) in Ulm https://forschergeist.de/podcast/fg066-klimaneutralitaet/

    • Hallo Andreas,
      ich stimme dir in allen Punkten in sofern zu, als dass man ganz klar sagen muss: Die CO2-Steuer ist nur dann eine gute Idee, wenn man auch die damit zusammenhängenden Bedingungen in Angriff nimmt. Aber genau deswegen habe ich den Ausschnitt aus Saschas Rede so gelassen – mit nur scheinbar zwei Themen – wie er ist: Weil die CO2-Steuer einher gehen muss mit einem Ausbau des ÖPNV. Weil die CO2-Steuer einher gehen muss mit einer Sozialpolitik, die diesen Namen auch verdient. Natürlich soll man nicht nur an einem Rädchen drehen. Und du hast Recht: Was alles auf Hartz IV angerechnet wird – vor allem auch verglichen mit den Möglichkeiten, die Vielverdiener haben, wenn es darum geht KEINE Steuern zu zahlen – das ist unsozial.
      Und genau darum muss es gehen, dass man Dinge zusammen denkt und nicht gegeneinander. Aber warum machst du das Spiel eigentlich mit? Warum nimmst du das bestehende System, das unsozial ist und dessen Infrastruktur heruntergekommen ist (wir haben laut KfW einen Investitionsstau von über 130 Milliarden Euro und das meiste davon betrifft öffentliche Infrastruktur!) als Argument GEGEN eine Veränderung? Ich verstehe sowas immer gar nicht.
      Und natürlich können wir es nicht allein retten – aber das geht jedem Land auf dieser Welt so! Griechenland kann nur die Welt retten, wenn Deutschland als große Industrienation mit macht. Wir hängen alle voneinander ab. Das ist kein Argument dagegen, etwas zu tun, sondern DAFÜR. Und mit gutem Beispiel voran zu gehen.
      Als Hausaufgabe höre ich gern den Forschergeist dazu – aber du dann bitte auch die Mikroökonomen (Link in den Shownotes).
      LG
      Katrin

      • Hallo Katrin

        Ich verstehe nicht, warum immer pauschal behauptet wird, dass geringere Einkommen von der Steuer sogar profitieren würden und das auch fast gar nicht dagegen argumentiert wird. Es wird von allen größeren Medien so einfach als Tatsache hingestellt. Ich musste ja schmunzeln, als in der Anne Will Sendung vorgerechnet wurde, dass der Geringverdienende und Rentner davon profitieren. Dabei wurde nur das Beispiel der Stadtbewohner genommen. Landbewohner wurden in der Beispielrechnung komplett ausgenommen. Dabei ist das die Bevölkerungsschicht, die eine CO2-Steuer am meisten trifft, Das nenne ich salopp gesagt Propaganda für eine CO2-Steuer, weil einseitig und praxisfremd.

        Und wenn Ende des Jahres die Steuer wider erwarten doch noch eingeführt wird, ist immer noch kein ÖPNV im ländlichen Raum für die Pendler vorhanden – und da spreche ich nicht mal vom gestiegenen Zeitaufwand, mit dem ÖPNV zu fahren.

        Zum Thema, wie (un)sozial ist eine CO2-Steuer, ist heute auch ein lesenswerter Artikel bei den Nachdenkseiten erschienen: https://www.nachdenkseiten.de/?p=51665

        Vor allem die Punkte “Wer pendelt, zahlt drauf” und “Je ärmer, desto höher die Ausgaben für Benzin, Heizung und Strom” im Verhältnis zum Einkommen, sollte auch jeden Mathematikverweigerer einleuchten.

        Wichtig in diesem Zusammenhang im Text gestellte Aussage: “Denn eine Besteuerung der Kohlendioxidemissionen macht ja nur dann Sinn, wenn sich eine Lenkungswirkung entfalten kann. Und dies ist nur dann gegeben, wenn die Menschen sich klimafreundlichere Alternativen leisten können. “

  16. Hallo,

    ich habe einen Themen-Vorschlag: Da Holger schon öfters mal das Wort Fachkräftemangel in den Mund genommen hat, vor Allem in Bezug auf’s Handwerk, wollte ich vorschlagen das doch mal zum Thema machen.

    Ich vermute ja, dass der Meisterzwang ein großer Teil des Problems ist.
    Der schliesst Quereinsteiger aus, ungeachtet ihrer Fähigkeiten.
    Ohne Ausbildung keine Anstellung und ohne Meister keine eigene Firma.
    Die Nachfrage ist angeblich groß. Aber der Meisterzwang schützt auch vor Konkurrenz.
    Ich glaube die Umstände in denen man als Handwerker so arbeiten kann könnten offener und vielfältiger sein.

    LG Nikolaus

    • Es gibt grundsätzlich seit der Reform der Handwerksordnung 2004 keinen Meisterzwang mehr. Alle Berufe in Anhang B der Handwerksordnung sind frei und dürfen von jedem ausgeübt werden. Alle Berufe in Anhang A dürfen auch von Altgesellen ausgeübt werden, sofern sie die Vorraussetzungen erfüllen um in die Handwerksrolle eingetragen zu werden. Es gibt lediglich fünf Ausnahmen bei denen es die Altgesellenregelung nicht gibt. Das sind “Gesundheitsberufezulieferer” Orthopädie-, Hörgeräteakkustiker-, Augenoptik-, Zahntechniker- und noch irgend ein Meister.

      Das Problem ist einfach dass die Löhne irgendwo bei 11 bis 17 Euro herumdümpeln, viele Unternehmen zwischen 6.00 und 7.30 Uhr anfangen und oftmals draußen sind. Dazu kommen die reinen Dienstleister wie Fleischer, Schlachter, Frisör, etc., die auch keiner machen will.

  17. Die Ausführungen zur CO2-Steuer finde ich etwas missverständlich. Im Gegensatz zum Zertifikatehandel ist es eben KEIN mengenorientiertes Instrument, d.h. es setzt “nur” einen Preis, während der EU ETS (der Emissionsrechtehandel) eine Menge vorgibt und durch den Handel ein künstlicher Preis entsteht – inklusive Strafzahlung von 100€ pro Tonne CO2 bei Nichtaufweisen. Das Problem des EU ETS war die Wirtschaftskrise ab 2008 in Europa, wodurch die Emissionsmengen nicht so stark wie erwartet stiegen und ein Überangebot an Zertifikaten vorhanden war, und die freie Allokation, also kostenlose Zuteilung für viele Anlagen.

    Der Effizienzverlust ist bei der Steuer aber längerfristig höher als beim Emissionshandel, außerdem ist es eine nationale Lösung, die sich schlecht mit dem Rest Europas und der Welt koordinieren lässt.
    Um das klar zu stellen: Ich stehe voll hinter der FFF-Forderung nach einem CO2-Preis von 180€+ und die CO2-Steuer muss jetzt kommen (am besten inklusive Dividende, ähnlich wie in der Schweiz). Aber es ist trotzdem das unterlegene Instrument. Hätten die Politiker Europas (und Deutschlands) sich rechtzeitig klug und weitsichtig verhalten, hätte man den ersten Schritt zu einem globalen CO2-Preis machen können. Chance vertan, und so wird es mit der CO2-Steuer die Verbraucher+Wirtschaft härter treffen als nötig.

  18. Ich finde es ja immer wieder bewundernswert, wie trotz BER/ Stuttgart 21 etc. jemand glaubt, die öffentliche Hand koennte günstiger Mietwohnungen bauen und betreiben, als private Anbieter.

    Aber es hätte was, wenn alle in Berlin in Wohnungen leben wuerden, die vom Zustand her, der durchschnittlichen öffentlichen Schultoilette entsprechen.

  19. Hallo alle zusammen,

    nach dem Durchlesen der Kommentare wollte ich ausnahmsweise auch mal was sagen. Bezüglich der CO² Steuer kann man hier in den Kommentaren ein gutes Indiz dafür finden, das sie funktionieren kann. Ich spitze jetzt mal zu: Jedes vorgetragene Argument gegen die CO²- Steuer ist eigentlich eines für die CO²- Steuer. Ich bilde mir zumindest ein, aus den Kontraargumenten herauslesen zu können: “Eine CO²- Steuer ist mir zu unbequem, deshalb bin ich dagegen.” Und genau das ist es, was die CO²- Steuer sein muß: UNBEQUEM. Wir alle dürfen nicht mehr aus lauter Bequemheit das Problem auf die nächsten und übernächsten Generationen verschieben. Ein Mittel dafür ist die CO²- Steuer. Auch wenn sie vielleicht nicht die erste oder zweite Wahl ist, warum trauen wir uns nicht ein unperfektes Instument anzuwenden, bis wir ein besseres haben. Denn selbst ein nur teilweise wirsames Instrument ist immer noch wirksamer als nichts zu tun.
    Trotz allem kann ich auch in den Gegenargumenten die Erkenntnis zu Veränderung unserer Gesellschaft erkennen und das macht mir Mut. Wir werden es nicht schaffen alles gleichzeitig zu lösen und wir haben auch keine Zeit mehr die nächsten 10 oder 20 Jahre weiter darüber zu debattieren welcher Schritt der erste sein könnte. Denn einzige richtige erste Schritt , kann nur der sein den wir heute gehen, mit all seinen Risiken und Ungewissheiten, welche im übrigen nicht dadurch verschwinden, weil wir still stehen bleiben, unsere Köpfe in den Sand stecken und weiterhin in dem Glauben beharren, “Mich wird es schon nicht treffen”

    In diesem Sinne sage ich Danke!
    Danke der Wochendämmerung und Danke den Kommentatoren.

    Seid Laut!!

    • Hallo,
      danke für den Zuspruch. Ich sehe das ähnlich, würde aber eben verfeinern: wenn sich aus der CO2-Steuer tatsächlich soziale Probleme ergeben sollten, ist das eben auch ein politischer Auftrag: Schafft einen Rahmen und fangt das auf! Dazu ist Politik ja da!

      • So ist das eben mit den Kommentaren, nie bekommt man das alles rein was rein gehört.

        Ich denke, das die CO²- Steuer auf jeden Fall zu sozialen Problemen führen wird. Denn grundsätzlich gibt es immer Gewinner und Verlierer von Änderungen, was aufgrund der Komplexität einfach nicht vermeidbar ist. Nur leider gehören die Schwachen viel zu oft zu den Verlieren.
        Andererseits würde keine CO²- Steuer (exemplarisch zu verstehen) ebenfalls mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu sozialen Problemen führen, nur etwas später. Aber dann bin ich ja vielleicht schon Rentner, lebe dann von einer wie auch immer gearteten “Grundsicherung”, kann mir die früheren Zeiten zurückwünschen, die ja sowieso besser waren und werde immer noch nicht verstanden haben, das das einzige was wirklich stetig ist, ist der Wandel. Und jeder von uns ist Teil dessen, ob wir wollen oder nicht.

        Vielen Dank für eure Arbeit und vor allem für das eingestehen von Fehlern, wenn euch mal ausnahmsweise einer unterläuft.

        PS: Auf viele weitere Gelegenheiten diese “Schandendämmmerung” zu übertreffen,
        macht weiter so.

  20. Gerade die ZDFzoom-Doku »angehört«. Passt sehr gut zum aktuell im Lesen befindlichen Buch von Rainer Mausfeld »Warum schweigen die Lämmer?« und zu Shoshana Zuboffs »Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus«, dessen Lektüre ich wegen auftretender Übelkeit unterbrechen musste.

    Und jetzt ist mir erneut schlecht, nicht zuletzt weil sich in diesem »Krieg«, in dem wir uns anzunehmenderweise befinden, bereits ein guter Freund dem Suizid – forsiert durch die russische Propagandablase »Sputnik« und »Russia Today« – anheim gefallen ist.

    Und da soll ein dezentrales Mammut eine Hoffnung für unsere wage Demokratie darstellen? Wenn ich die aktuelle Freude über einen »bequemen« Service wie Apple Pay beobachte, verfliegt mir jede Hoffnung …

  21. Das Fazit bei den ganzen Diskussionen rund um Facebook und Demokratie ist doch letztendlich, dass die Grundidee der Demokratie – der informierte und immer objektiv schlau abstimmende Bürger – im Mittel nicht existiert. Genau wie die Grundidee des Freien Marktes, der informierte und immer schlaue ökonomische Entscheidungen treffende Verbraucher, im Mittel nicht existiert. Sonst wäre Werbung kein Milliardenmarkt, auf welchem das ganze Internet aufgebaut ist.

    Auf dem Freien Markt finden wir es in Ordnung, alle Seiten – auch den Verbraucher – zu sanktionieren, wenn Sachen aus dem Ruder laufen. Wählern das Wahlrecht wegzunehmen, wenn objektiv gesehen Sachen aus dem Ruder laufen, ist aber undemokratisch und man darf sowas nicht laut sagen. Tja.

    Das ist halt ein soziales Problem und hat wie so oft halt nichts mit Technologie zu tun. Cambridge Analytica würde auch bei Mastodon eine passende Strategie finden. Ich bin Anfang des Jahres auf das Fediverse umgestiegen, dort kann man sich bereits jetzt genauso in Filterblasen verrennen und wird genauso von Bots beeinflusst wie anderswo – trotz dezentraler Instanzen. Eigentlich sogar genau deswegen. Mastodon-Accounts kann man eben nicht mal zentral sperren.

    • Ein absolvierter Erste-Hilfe-Kurs ist in Österreich Bedingung, um von der Behörde den Kfz-Führerschein ausgehändigt zu bekommen.

      Was würde gegen einen politischen Bildungskurs als Voraussetzung für die Stimmabgabe sprechen?
      Natürlich müsste das präsentierte Programm von möglichst vielen Organisationen gegen jedweden Missbrauch abgesichtet werden, doch sehe ich keine andere Alternative. Politische Bildung in den Schulen halte ich zwar für notwendig, doch absolut nicht ausreichend und weitestgehend unkontrollierbar.

  22. Bisschen spät, aber noch eine Ergänzung zur CO2-Steuer. Bei der Diskussion wurde die Ökosteuer vergessen, die wir immerhin seit 20 Jahren habe. Mit all ihren Problemen und Unvollkommenheiten, die auch im Wikipediaartikel dazu erwähnt werden:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Ökosteuer_(Deutschland)

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