Die Wochendämmerung

Mit Katrin Rönicke & Holger Klein

#158. Harry Potter lesen in Chemnitz

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In Chemnitz konnten am Montag laut taz die Nazis machen, was sie wollten. Wie konnte das passieren? – Darüber sprechen wir mit der taz-Redakteurin Malene Gürgen. Außerdem: Senator John McCain ist auch nach seinem Tod noch gemein zu Donald Trump! Die EU-Kommission stellt Weichen statt Zeit um! Überraschend, aber wahr: Es gibt zu wenig Sand am Meer. Wichtig: vergesst Griechenland nicht! Mehr als nur Zaubergeschichten: 20 Jahre Harry Potter in Deutschland und wie man dort lernen kann, wie Faschismus entsteht. Außerdem: Weisheiten vom bayrischen Wirt, Fahrradstudie und Verfaschungsschutz.

Kapitelmarken:

0:00.000 Intro und Begrüßung
0:23.717 Neues aus Moronien
2:56.734 Gute Nachricht der Woche: Es gibt mehr Bäume
4:12.999 Chemnitz
30:59.235 Zeitumstellung adé?
33:13.943 Nachricht vom Strand
36:13.734 Vergesst Griechenland nicht.
39:42.442 Der bayrische Wirt und der Fachkräftemangel
48:05.906 20 Jahre Harry Potter in Deutschland
51:56.101 Zwei kleine Meldungen zum Schluss: Fahrrad und Maaßen
55:49.286 Ende mit Danksagung und Abspann

Links und Hintergründe

Gekillte Darlings

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53 Kommentare

  1. Zur Wikipedia: Dort [1] steht z.B. dass ihr zwei verheiratet seid und zusammen lebt. Ich habe das an der ersten Stelle schon mal raus editiert, aber die Version ist noch nicht gesichtet 😀

    Wenn ich auf “Info” klicke bei der Folge steht “8/31/2018, 2:05 PM — 58 minutes”. Aber die Sendung war definitiv vor 14:05 schon verfügbar. Vielleicht ein Zeitzonenproblem? 😉

    Zu den Vietnamesen: Es könnte damit zusammenhängen, dass Vietnamesisch eine tonale Sprache ist, während paschtunisch (afghanisch) zur indogermanischen Sprachfamilie gehört. Aber das ist nur eine Vermutung und ändert natürlich nichts daran, dass es dem Klischee des gut integrierten Asiaten zu wider läuft. Wobei “gut integriert” ja eh extrem flexibel (=komplett rassistisch) ist. Nett lächelnde Asia-Frauen sind halt per se “besser integriert” als männliche PoC.

    [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Holger_Klein#Privates

  2. Was Kurt Biedenkopf aktuell dazu zu sagen hat: http://www.ardmediathek.de/goto/tv/55559442 (ab 9:00) 💨

  3. Hi Holger!
    Ich höre grad mal wieder Eure wirklich wunderbare Sendung und ich muss – obgleich noch mitten im Hören – nur kurz mal einen Kommentar loswerden.
    Als in letzter Zeit permanent fremdschämende Wahldresdnerin – was hier eigentlich nichts zur Sache tut – glaube ich, dass Deine Fragestellung zur Motivation vieler tumber AFD-Wähler einfach falsch herum aufgebaut ist…Sprich, “wir” (=kritisch, reflektiert denkende, medial versierte Menschen) fragen uns, was diese Leute dazu treibt, die aktuell beste Version der BRD kaputt machen zu wollen.
    Es geht aber – so meine Wahrnehmung – (unterbewusst) eben um das Erhalten genau dieser.
    Klar, man meckert über alles und jeden – hinzukommt die bis in meine Generation noch fehlende Selbstständigkeit des mündigen Bürgers – ABER, eben weil es hier vielen Menschen eigentlich so gut geht, wollen sie alles tun, damit das genau so bleibt.
    Auf dem Dorffest will man sich im Zweifelsfall eben nur mit dem sächselnden Nachbarn prügeln. Und mit anderen Sprachen, Kulturen, Bräuchen will man einfach nix zu tun haben – “Wir wollen hier keine Verhältnisse wie in Stuttgart oder Kreuzberg – deshalb reagieren wir lieber ‘prophylaktisch”-mäßig (gängige Antwort auf das Argument, dass es hier in Sachsen doch kaum Migranten/Vielfalt gibt). Das “im eigenen Saft schmoren” als Idealvorstellung.
    Deshalb funktioniert deine – für uns logische – Fragestellung so einfach nicht.

    Ansonsten – bitte weitermachen: ganz großartiges Infotainment 🙂

    • Ja, gewünscht ist Assimilation, keine Integration. Wer hier her kommt, soll sich gefälligst unsichtbar machen.

      • So seh ich das auch.

        Ich bin mit 9 Jahren nach D gekommen und überall nur: pass dich an, sonst passiert was Schlimmes!
        Lehrer wollen, dass man sich anpasst, Eltern und Großeltern auch. Hauptasache nicht auffallen. Ich war am Ende überangepasst und hab meine psychische Gesundheit damit zerstört. Sobald mal Probleme aufkommen, wird die Schuld dem Individuum gegeben, weil es sich ja nicht noch mehr anstrengend hätte müssen, um total angepasst zu sein.

    • Da muss ich zustimmen. Meine Familie kommt aus einem norddeutschen Dorf. Die Gegend ist eher “SPD” lastig. Dennoch, so viel Ablehnung von “Fremden” – und damit meine ich nicht nur fremde Menschen sondern auch fremde Kultur, fremde Sportarten, fremde Ideen – habe ich in der Stadt nie erlebt. Je kleiner die Gemeinschaft, umso ablehnender gegen alles Fremde? Kann sein. Den Gedanken muss ich weiter denken.

      • Also salopp gesagt: je kleiner der Horizont.
        Kann ich so aus Süddeutschland 1:1 bestätigen. Bei uns hatten auch einige Käffer ein handfestes Naziproblem

      • Das gilt für die Eifel auch (egal ob Luxemburg, Deutschland oder Belgien). Wer aus dem Nachbarort kommt, wird argwöhnisch beobachtet. Aus dem Nachbarkreis wird nur wiederwillig aufgenommen. Wer aber sichtbar oder hörbar aus einem anderen Land kommt bekommt gezeigt dass er bitte gehen soll.

  4. Hier ein kleiner Service für Holgi: Bei Forsa hat die CDU in Sachsen ein Viertel der Stimmen (11 Prozentpunkte) verloren.
    https://dawum.de/Sachsen/

    • Interessant, dass die Parteien links von der CDU ausgehend vom Juni mehr zugelegt haben, als die NoAFD. Aber erschreckend, wie viel die NoAFD seit den letzen Wahlen hinzugewonnen hat.

      Was die Einschätzung angeht, warum so viele in Sachsen und Sächsinnen die NoAFD wählen … ich denke, die haben es verstanden in den letzen 2 Jahren sehr präsent in den Medien zu sein. Und dabei wird immer so getan, als seien die Positionen diskutierbar und man müsse darüber nachdenken. Ihre Sprachwahl wird übernommen, die Rechten in der CDU/CSU und FDP (und teilweise sogar bei den Linken) kommunizieren ähnlich, Seehofer übt sich in Regierungs-Extremismus und in ganz Europa wird fröhlich dem Antihumanismus gefröhnt.

      Das nennt man dann shifting baselines.

      Ich erlebe die Rechtsextremen und Faschos schon seit 35 Jahren in Deutschland, es waren immer irgendwas um 15 % (Bundesweit, Landesweit teils erheblich mehr) die sie an Potential hatten, sie haben es nur eben selten geschafft diese auch zu mobilisieren. Auch Aufläufe der Rechten (inklusive “Jagt” auf Fremde) gab es schon damals und auch damals waren Polizei und Justiz auf dem rechten Auge eher blind. Die NPD, offen faschistisch, war schon mehrfach in Parlamenten, wenn auch nie an Regierungen beteiligt, ebenso die DVU, die Republikaner und diverse kleinst-Parteien. Heute ist es eben die NoAFD.

      Auch die sogenannten bürgerlichen Parteien hatten immer ihre Scharfmacher (man denke nur an Strauß) und insbesondere aus der CDU gab es immer wieder das Bemühen am rechten Rand zu fischen. Also insgesamt alles nichts neues.

      Was hingegen neu ist, ist das Internet und damit verbunden die sozialen Plattformen. Dazu ist schon sehr viel auf diversen Kongressen gesagt worden, daher nur kurz: Die Plattformen ermöglichen es allen Organisationen sich sehr schnell auszutauschen und Meldungen die ihren Interessen entsprechen zu verbreiten. Sie nutzen gefälschte Nachrichten und Informationen um ihre Geisteshaltung zu verbreiten und erreichen damit so viele Menschen wie es bisher nicht möglich war. Das gelingt auch anderen, siehe “Arabischer Frühling” der als positive Idee begann. Auch linke Platformen nutzen das Internet, viele Organisationen, die zum Beispiel für den Schutz von Flüchtlingen eintreten, könnten kaum überleben ohne diese Möglichkeiten.

      Neben denen, die eine rechtsextreme Einstellung haben und sich organisieren gibt es sehr viele Menschen die einfach dumm sind (oder sagen wir mal, die nicht durchschaut haben, dass es selten einfache Lösungen für komplexe Situationen gibt), auf Gewalt stehen, ihre Position gefährdet sehen oder sich wie Verlierer und Verliererinnen fühlen, da sie es in der Gesellschaft nicht geschafft haben oder nicht schaffen können. Und was ihr im Podcast gesagt habt stimmt sicher: Dazu kommt eine latente bis offene Fremdendfeindlichkeit.

      Durch die Möglichkeiten des Internets, die Art wie mit der NoAFD in den Medien umgegangen wird und den objektiv vorhandenen Problemen des Sozialstaats (die BRD ist maximal für die Menschen die beste BRD aller Zeiten, die nicht von Sozialleistungen abhängig sind) erscheint nun eine Partei wie die NoAFD als wählbar. Und vor dem, was man nicht sehen will, macht man halt die Augen zu: Lügenpresse – das ist eine sehr bewußte Namensgebung um genau das zu erreichen, diese Leute glauben der Presse nicht was sie über Chemnitz berichten. Sie glauben nicht, was sie über die NoAFD schreiben, es sei denn es passt in ihr Weltbild.

      Genau das macht doch der Blonde Lord in Amerika, die Presse verunglimpfen und der Lüge bezichtigen um sie unglaubwürdig bei den eigenen Wählern zu machen. Das hat Methode und die Funktioniert. Deswegen funktioniert ja auch keine “Aufklärung” in der Presse. Da kann das ARD Team noch sehr “Fake News” aufdecken, es wird ihnen einfach nicht geglaubt (macht dennoch Sinn, es gibt ja auch “Zweifler” die man vor gestigem Schaden bewahren kann). Und Glauben läßt sich nicht mit Wissen bekämpfen, sondern wohl nur mit Bildung und Erfahrung. Und seien wir mal ehrlich, wir haben doch auch unsere Probleme damit, wie bestimmte Themen in den Medien behandelt werden. Und wenn Bild irgendwas schreibt, wir lesen es nicht mal und glauben würden wir denen auf keinen Fall, da würden wir erst mal “seriöse” Quellen befragen – solche, die WIR für seriös halten.

      Zusammengefasst finde ich es nicht erstaunlich, dass die NoAFD so viel Zuspruch bekommt. Das Potential hatten Rechte Parteien in Deutschland schon immer und heute können sie es besser materialisieren als früher. Aufklärung funktioniert nicht, Beschimpfung funktioniert nicht und auf sie eingehen funktioniert auch nicht. Zurückgewinnen geht nicht, da man sie nie hatte.

      Daher kann es meiner Meinung nach nur darum gehen, rechstextreme Positionen zu ächten und die Politik spüren zu lassen, dass man es ihnen nicht verzeihen wird, wenn sie sich mit denen einlassen. Ich kann daher auch nicht zustimmen, dass Kretschmer “die einzige Hoffnung” ist und man ihn schützen müsste. Er muss weg, egal was dann kommt, wie Holger sagt, die rechte Verbrüderung wird eh passieren in Sachen. Aber sie wird die BRD nicht nachhaltig verändern, wenn wir – also die “Demokraten” und “Verfassungstreuen” – es nicht zulassen.

      Jetzt gerade, nach Chemnitz, gibt es Bewegung. Plötzlich sehen sich Politiker aller (nicht extremistischen) Parteien gezwungen Stellung zu beziehen. Da darf man sie nicht wieder raus lassen. Es müssen sich noch viel mehr Menschen aus Kultur, Sport, Gewerkschaften, Kirchen, Unternehmen eindeutig zur Verfassung und zu Menschenrechten bekennen. Sie müssen nicht nach Chemnitz fahren und dort demonstrieren. Sie müssen öffentlich Stellung beziehen und so den Druck auf die Politik erhöhen. Wir werden die Rechtsextremen nicht los, sie werden noch einige Jahre in den Parlamenten sitzen, wir müssen nur verhindern, dass sie unsere Demokratie vernichten.

      my 5 cents.

  5. Ich hab nichts mit Harry Potter zu tun und höre gerade zum allerersten Mal, dass es das Wort Muggel gibt und was es heißt. Eine Lehrerin hat uns mal eine Stunde kurz vor Weihnachten aus dem ersten Buch vorgelesen. In dem Jahr ist das Buch rausgekommen. Ich kann mich an kein Muggel erinnern.

    • Als riesen Potterhead kann ich dir versichern, dass Nicht-Magier von Briten Muggel genannt werden. Amerikaner nennen sie No-Maj. 🙂

  6. Ich möchte hier noch ein paar Links schmeißen…

    Warum die bürgerliche Mitte rechts wählt und toleriert (das dürfte Holgis Fragen beantworten oder weitere aufwerfen):
    https://twitter.com/Rabid_Glow/status/1028577277263732736

    Die Eliten haben sich vom Volk entfernt:
    https://www.sueddeutsche.de/kultur/politik-und-teilhabe-die-eliten-haben-sich-immer-mehr-von-der-bevoelkerung-entfernt-1.4089256

    Reaktionäre – Vorwärts in die Vergangenheit!
    https://www.deutschlandfunkkultur.de/sehnsucht-nach-frueher-vorwaerts-in-die-vergangenheit.976.de.html?dram:article_id=426721

    Wie Demokratien sterben – Regierst du noch oder herrschst du schon?
    https://www.deutschlandfunkkultur.de/steven-levitsky-daniel-ziblatt-wie-demokratien-sterben.1270.de.html?dram:article_id=421077

    Von Apartheid bis Pegida – Die Renaissance des Rassismus
    https://www.deutschlandfunkkultur.de/von-apartheid-bis-pegida-die-renaissance-des-rassismus.990.de.html?dram:article_id=426458

    Max Czollek: “Wir müssen uns vom Integrations-Denken verabschieden!”
    https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/max-czollek-ueber-migration-und-desintegration

  7. Wieder einmal eine unterhaltsame und informative Sendung!
    Zwei Anmerkungen aus psychologischer Sicht:
    1. Aus Frustration Dinge kaputtmachen zu wollen ist kein Zeichen von Dummheit, sondern von Unreife. Kinder und (zumindest männliche) Jugendliche, tun das häufig. Die meisten entwickeln sich weiter und hören damit auf. Der Rest marschiert halt aktuell in Chemnitz.
    2. Harry Potter erklärt nicht nur auf gesellschaftlicher Ebene die Entstehung faschistischer Systeme, sondern auch wunderbar den Prozess persönlicher Radikalisierung am Beispiel Voldemorts, s. http://charakterneurosen.blogspot.com/2017/12/furcht-ist-der-weg-zur-dunklen-seite.html

  8. “Welche Gründe hatten die restlichen 20 Prozent die Zeitumstellung beizubehalten?”

    Die restlichen 20 Prozent denken sozialer und europäischer, zumindest einige von denen.
    Uns in der Mitte Europas (Mitte der Nord/Süd-Achse + Mitte der Ost/West Achse) bringt die Zeitumstellung herzlich wenig. An den Rändern sieht das aber ganz anders aus.
    Auch wenn die Zeitumstellung nicht offiziell aus diesen Gründen geschaffen wurde, ermöglicht sie uns europaweit in einer Zeitzone zu leben ohne das die Nachteile für Viele zu groß werden.

    Wann und wo die Sonne in Europa auf&untergeht kann man ganz leicht auf dieser Seite simulieren.
    http://www.sonnenverlauf.de

    • PS:
      Warum eine einheitliche Zeitzone wichtig ist.
      Handel und Arbeitszeiten. Grade heute muß man immer schneller reagieren. Sind die Zeitzonen unterschiedlich gehen, je nachdem 1-2 Stunden Arbeitzeit verloren, wenn man Handel mit einer anderen in dem Fall europäischen Zeitzone betreibt.

      • Das Argument ist doch – pardon – asozial! Bei solchen Entscheidungen dürfen wirtschaftliche Interessen gar keine Rolle spielen, sondern ausschließlich das Wohl der Bürger. Und für die Mehrheit der Bewohner dieses Planeten ist es nach dem Wissensstand chronobiologischer Forschung das Beste wenn die Sonne vor dem Aufstehen über dem Horizont steht. Und deswegen sollte Europa wieder Sonnenstandsorientierte Zeitzonen bekommen.

        https://de.wikipedia.org/wiki/Mitteleurop%C3%A4ische_Zeit#/media/File:Zeitzonen_idealtypisch_Europa.png

        • Lieber Titus,
          atme mal tief durch und ließ noch mal meinen Text, so ganz ohne Scheuklappen und Selbstbezug.

          Es ist naiv anzunehmen das sich andere europäische Länder es leisten könnten in anderen Zeitzonen zu leben als wir. Die Konsequenz ist dann, daß die Einen noch viel weniger Tage als du bei Sonnenlicht aufstehen können und die Anderen noch viel seltener als du bei Tageslicht von der Arbeit kommen.
          Dir als Deutscher könnte das Thema eigentlich ziemlich egal sein, kaum jemand in Europa ist so wenig von deiner Problematik betroffen wie du. Mit und ohne Zeitumstellung.

        • Wirtschaftliche Interessen können auch zum Wohl der Bürger beitragen.

    • Wir leben in Europa nicht in einer Zeitzone. Zwischen Griechenland und Portugal liegen (aktuell) zwei Stunden, das sind drei Zeitzonen.

  9. Ich arbeite in Chemnitz mit Flüchtlingsfamilien. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich den Eltern empfehle gerade die Innenstadt zu meiden. Aber auch ich als deutsche Frau vermeide es tatsächlich allein abends in der Innenstadt zu sein. Es gibt viele seltsame Gestalten, aber ich würde behaupten, dass es die in jeder größeren Stadt in bestimmten Vierteln gibt, in denen es überdurchschnittlich viele Menschen mit schlechten Perspektiven und viel Langeweile gibt. Asylbewerber haben nämlich entgegen der landläufigen Meinung der Nazis nicht alle ein Auto und Reichtümer, sondern treffen sich oft mangels Privatsphäre in der Unterkunft und wegen guter Infrastruktur im Zentrum. Und ja so wie Deutsche mit geringer Bildung, zu wenig Selbstwirksamkeitserlebnissen und evtl ohne Familie im Rücken,bauen auch Migranten Scheiße wenn sie dort so rumhängen.
    Egal, was ich eigentlich sagen wollte. Auf Arbeit erlebe ich schon, dass die Kinder in vielen Fällen sehr offen aufgenommen werden. Es ist hier nicht alles verloren. Noch nicht. Ich denke wir dürfen noch nicht kapitulieren und zeigen, dass Chemnitz auch (!) mehr ist/sein kann. Es gibt morgen und Montag große Anti-Nazi-Demos. Bei uns wurde sogar der Elternabend verschoben, damit Gesicht gezeigt werden kann.
    Wenn die AFD regiert, nehme ich dann aber doch meinem Hut, dann verliere ich eh meinen Job…

  10. Zu der Frage nach Migrantengewalt hat Fefe die Tage eine kleine Analyse veröffentlicht, die ein strukturelles Problem im Raum Chemnitz zumindest statistisch suggeriert. Er aber stellt gleichzeitig die Frage, wie diese Statistik zusammen kommt und wie man sie deuten kann:

    https://blog.fefe.de/?ts=a576f744

    Zitat: “Das Zwischenergebnis ist also: Bei einem Ausländeranteil von 7,5% sind Ausländer unter den von der Polizei ermittelten Tatverdächtigen mehr als doppelt überrepräsentiert.”

    Falls dieses Thema nächste Woche noch relevant ist (und davon können wir ausgehen) könnt ihr ja vielleicht ja nochmal darauf eingehen. Ich mache mir selber derzeit darüber Gedanken und wäre über ein paar Denkanstöße dankbar.

    Weiter so mit eurem Podcast!

  11. Hi Holger!
    Was macht das eigentlich mit Menschen, wenn sie dauernd Dinge, die sie gestern noch klasse fanden, heute schon durch etwas Neues ersetzen müssen? (Ich setze an deinem Jacken-Beispiel, der sexuellen Frustration, der kapitalistischen Erziehung und dem Instant-Denken an)? Ist es womöglich systemimmanent, dass die Aggressionen angeheizt werden? Müssen Menschen, die der Tendenz nach merken, dass die kapitalistische Marktordnung nur funktioniert, wenn sie den „Scheiß“, den sie produzieren, auch kaufen, nicht über das Anheizen der Aggression dazu gebracht werden, ihre Jacke aus dem letzten Winter jetzt ohne funktionellen Grund durch eine neue zu ersetzen? Die verkürzten Produktzyklen, die einen immer schnelleren Warenumsatz erfordern, heizen m.E. nicht nur den Planeten auf, sondern auch die Aggressionen an. – Und dann gibt es immer noch die Menschen, die ihr Seelenleid nicht durch das Kaufen von zwei Autos, drei Fahrrädern und vier Smartphones lindern können. Es gibt in den „abgehängten“ Regionen Menschen, die die Triebabfuhr nicht durch KAUFEN erledigen können. – Ich will hier eigentlich nicht die Aggressions-Frustrations-Hypothese abfeiern, sondern noch einmal deinen Blick auf die realen Produktions- und Verteilungsmechanismen fokussieren.
    Wir wissen ja: Verschwörungstheorien können die Sinne schärfen! Aber am Ende reicht Wissenschaft, um die tatsächlichen Verhältnisse offen zu legen; man muss sie nur Domänenübergreifend anwenden.

    Macht im Podcast bitte weiter so!

  12. Zur Zeitumstellung:
    Ich vermute, dass das Argument für Beibehaltung der Umstellung das gute alte “haben wir doch schon immer so gemacht”-Argument ist. Eine andere Möglichkeit ist, dass viele Leute damit auch mehr oder weniger eine egal-weil-irrelevant zum Ausdruck gebracht haben.

    Zum knappen Sand:
    Das ist in der Tat krass. Bekannt ist das schon länger und immer mal wieder bekomme ich von Leuten mit, wie sie genauso baff sind, wie ich, als ich das erste Mal eine Doku darüber gesehen habe. Besonders abgefahren fand ich, dass es da sogar richtig Sandbeschaffungskriminalität gibt, bei der Strände heimlich und ohne Genehmigung weggebuddelt werden.
    Wir könnten aber zum Ausgleich einfach hübsch Buntglas auf die Strände kippen: https://de.wikipedia.org/wiki/Glass_Beach_(Fort_Bragg)

  13. Aus dem Alltag im öffentlichen Dienst in NRW:

    Zum Thema Fachkräfte: ich habe einen Arbeitskollegen aus Syrien bei mir. Er ist vor knapp 2 Jahren nach Deutschland gekommen mit einem abgeschlossenen B.Sc in Informatik und einem fast fertigen Master. Den Master muss er wahrscheinlich neu anfangen, aber er arbeitet inzwischen für die IT der Uniklinik und ist sonst (wie die meisten) super integriert. Trotzdem sagt ein anderer (promovierter) Kollege, der mit ihm im Büro saß “die [rechten] in Chemnitz haben doch Recht”. Ich kämpfe gerade zwar auch um einen Job zu finden (in der IT ist man scheinbar ohne Studium und nur mit IHK Abschluss nicht relevant), aber mein Problem sind eher die eigenen Ansprüche als “der faule Asylbewerber”. Mit denen (gerade mit dem syrischen Kollegen) geh ich trotzdem lieber ein Bier trinken als mit dem promovierten Kollegen, auch wenn er sonst sehr sozial engagiert ist.

  14. Das blöde in der Welt ist, dass man sich mit Geld, welches es gar nicht geben darf die Welt kaufen kann. Ich bin für Fortbildung der Grünen in Richtung Derivate Handel. Versteuert endlich Mal den Handel mit Nichts – davon wäre so ziemlich alles gute in der Welt finanzierbar.

    + Volksabstimmung
    + Imporiere Obst aus Afrika
    + Stop JEDEN Export nach Afrika
    + free Portugal from Eukalyptus

    Gruss Matze

  15. (Bin gerade im Fluss und kann leider den eigenen Post nicht kommentieren).
    Und wenn sich jetzt Leute fragen, warum ich diesen Kollegen nicht Bloßstelle oder wenigstens mal konfrontiere… Ich bin in der Probezeit und habe da Angst meinen Job zu verlieren, weil derjenige mir vorgesetzt ist. Ich glaube auch, dass “Angst” einer der größten Punkte ist, warum sich Leute den rechten nicht entgegen stellen. Im Zweifelsfall sind diese Leute sehr gewaltbereit oder veröffentlichen Namen und Adressen um den gewalttätigen Rechten einen Hinweis zu geben.

  16. Ich bin gerade bei der Instantisierung der Demokratie und wollte noch etwas aus meiner ostdeutschen Jugend (als die Wende war, war ich 16) einwerfen.
    Diese schnellen politischen Änderungen gab es für viele aus meinem Jahrgang schon, nämlich in den Jahren 1989 und 1990. Und auch wenn ich bezweifle, dass viele von denen die da jetzt „unser Volk retten“ wollen, sich damals aktiv aufgelehnt haben (ich auch nicht), haben sie doch erlebt wie der Protest von zunächst wenigen tausend Leuten am Ende ein System komplett zu Fall bringen kann. Das war der Unterschied zwischen der DDR und unserer heutigen Demokratie. Damals waren Demonstrationen verboten aber sie hatten massive Auswirkungen. Heutzutage darf man für oder gegen fast alles demonstrieren, aber man hat das Gefühl, den Politikern ist das völlig egal. Natürlich weiß ich, dass es nicht so ist, aber man denke mal an die TTIP-Demos oder ähnliches. Da waren auch 100.000 Leute und wen hats interessiert? Dieses Gefühl erzeugt eine Art Ohnmacht für die Leute die von damals gewohnt waren, dass sich etwas ändert, und zwar schnell. Der zweite Punkt ist die heute deutlich geringere Unterscheidbarkeit der Parteien. Die CDU ist nach links gerückt, die SPD nach recht, Grün ist (zumindest auf dem Papier) sowieso jeder und der Wirtschaft soll es auch gut gehen. Das wiederum erzeugt die Vorstellung der Blockparteienbildung und erzeugt wiederum das Gefühl „Ja, jetzt kann ich zwar wählen, aber die machen eh alle die gleiche Politik. Exportweltmeister, Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, kurzfristiges Flickwerk statt langfristiger (und vor allem gut dem Bürger vermittelter) Visionen.“ Die letzte grosse Umwälzung die die Leute erlebt und die ihr Leben direkt oder indirekt in diesem Staat beeinflusst hat, war Hartz4, eine Erfindung von Rot-Grün.
    Und zum Schluß: Ja, ich denke ernsthaft, viele dieser Leute wollen das System brennen sehen, so wie auch etliche Trump-Anhänger in den USA. Aber im Gegensatz zu denen haben die Ossis schon ein System brennen sehen…und danach ging es Ihnen besser. 😉
    Das das diesmal wahrscheinlich nicht der Fall wäre ist dabei erstmal egal.

    • Ach ja, und noch ein Punkt. Im ach so sozialistischen Osten war das Neonazitum nicht unverbreitet. In meiner Klasse an der POS gab es einen ganzen Haufen, die eindeutig diesem Spektrum zuzuordnen waren (und wahrscheinlich zum Teil heute noch sind). Das lag IMHO an zwei Punkten:
      Es gab deutlich weniger Migranten in der DDR. Da waren ein paar Vietnamesen (und der Begriff „Fidschi“ war natürlich gang und gäbe) und Kubaner die aber ausserhalb ihrer Arbeit fast so gut vom Rest der Bevölkerung separiert waren wie der Bundeshorst es gern in seinen Aufnahmezentren hätte.
      Der Geschichtsunterricht war, soweit ich mich erinnern kann, eine Katastrophe. Reines Schwarzweiß-Denken, die Nazis waren die bösen, die Russen waren die Guten, aber die in der DDR waren natürlich keine Nazis, das gab es nur im Westen. Die Ursachen für den 2.WK wurden eigentlich nicht näher erläutert, nur das die Kapitalisten und Imperialisten schuld waren. Diese eindimensionale Beschreibung warf natürlich Fragen auf und dann fragte man halt die Grosseltern oder holte die verbotenen Bücher hinterm Schrank hervor. Und ja, „Mein Kampf“ gab es auch im Osten, natürlich nicht mit irgendwelchen Anmerkungen, sondern die Originalausgaben die dann stolz im Kinderzimmer geteilt wurden.

  17. Nur ganz kurz zum Thema Audbildung in Deutschland:

    Liebe Grüsse aus der Schweiz 😉

  18. Zu Chemnitz will ich mich nicht äußern, da ich die Lage leider gar nicht einschätzen kann aus meiner westlichen westdeutschen Großstadtsicht. Als ich allerdings im Juli in Dresden mit sonst rein sächsischen und einer brandenburgerischen Teilnehmerin auf Fortbildung für den Betriebsrat war( ich arbeite in einem Betriebsratfeindlichen Unternehmen BTW), war und die Gespräche irgendwann ins politische abgeschwiffen sind, merkte man schon deutliche Unterschiede. Ich würde mich selbst als links liberal einordnen und als überzeugten Demokraten, der von der europäischen Republik träumt. Die anderen Teilnehmerinnnen hatten keine Oder kaum Persönliche Berührungen mit nicht Almans und waren tendenziell sehr Demokratieverdrossen. Eine Deutungsidee die ich mit zwei offeneren Teilnehmern diskutierte war, dass das Versprechen von Freiheit und Demokratie falsch vermittelt wurde beim Übergang der DDR in die BRD; von staatlicher totlitärer Lenkung zu Freiheit und Demokratiewurde verklärt und als unmittelbar und sofort „gekauft“. Im Sinnne von: Freiheit zu tun und sagen was man will, sofort entscheiden zu können und da wir alle ja das selbe Denken wird der angenommene Volkswille sofort umgesetzt. Überschätzte Selbstwirksankeitserwsrtung die gescheitert ist. Freiheit würde aber nicht als großes Risiko begriffen. Als Sinnbild: Wenn ich die Freiheit habe den höchsten Baum zu erklimmen, dann habe ich auch die Freiheit von der Spitze zu fallen. Oder andersherum: wenn ich die Freiheit habe zu scheitern, dann erst habe ich auch die Freiheit zu brillieren.

    Man sollte vlt auch anmerken, dass die DDR für mich ein historisches Konstrukt ist, welches ich nie erlebt habe. Ich bin zwar Ende der 80er geboren, aber bin mit einer Republik mit 16 Bundesländern sozialisiert. Die Erfahrung die ich vor kurzem auf der Fortbildung gemacht habe, habe ich übrigens auch auf einem 30. Geburtstag in Dresden vor genau einem Jahr mit Gleichaltrigen gemacht.

    Und ich habe für die Beibehaltung der Zeitunstellung gestimmt. Im ersten Moment dachte ich mir „ABSCHAFFEN“ aber irgendwie wollte ich dann doch dieses Ritual behalten. Gefällt mir irgendwie. Vlt werde ich langsam auch konservativ? Und außerdem müsste ich dann die Küchenuhr oben von der Altbaudecke nehmen und sie umstellen, so geht sie das halbe Jahr richtig…

  19. Rund ⅔ der Teilnehmer an der großen, EU-weiten Zeitumstellungsabstimmung waren übrigens Deutsche.
    Angela Merkel sagt dazu: “Ich persönlich hätte jedenfalls dafür eine sehr hohe Priorität”.
    Schon lustig, was uns offenbar voll wichtig ist.

  20. Ich habe ehrlich gesagt Verständnis dafür, dass Maaßen über die Existenz von V-Männern nicht wahrheitsgemäß berichten kann. Wie im zitierten Text erwähnt: Schon die Aussage, dass es einen V-Mann gibt, kann dessen Tarnung gefährden.

  21. Zur Zeitumstellung ein paar Argumente, die bisherige Variante (auch ich gehöre zu den „20%”) beizubehalten:

    Was zum Beispiel völlig untergeht, ist, dass die Zeitumstellung nicht nur den Sonnenuntergang, sondern auch den -aufgang beeinflusst. Ist es zum Beispiel wirklich so wichtig, ob es nun nachmittags im Winter um vier oder um fünf dunkel wird? Mir wäre viel wichtiger, dass es morgens zu einer vernünftigen Zeit hell wird. Sonnenaufgang am 21.12. in Berlin ist mit der herkömmlichen Winterzeit um 08:14. Reichlich spät für Normalverbraucher, deren Wecker um 06:30 klingelt, oder? Tja, bei ganzjähriger Sommerzeit rückt der Sonnenaufgang dann sogar eine weitere Stunde auf 09:14 vor.

    Außerdem wird gerne vergessen, wie breit so eine Zeitzone ist und wie unterschiedlich daher die Sonnenauf- und -untergangszeiten. Die oben angesprochene späte Sonnenaufgangszeit läge im EU-weiten Extremfall (westlichster Zipfel Frankreichs) nach 10 Uhr!

    Was den Sonnenuntergang angeht, möchte ich (aus zugegeben egoistischen Gründen) ungern auf die langen Sommerabende verzichten. Auch wenn dadurch im Vergleich zur Winterzeit der Sonnenaufgang eine Stunde nach hinten rückt, ist das hier wegen der viel größeren Tageslänge viel eher verschmerzbar. Bei ganzjähriger Winterzeit dann künftig den Sonnenuntergang am 20. August schon um 19:22 Uhr? Kann man machen, muss man nicht. Als idealer Kompromiss ergibt sich daher für mich das bisherige Modell mit Zeitumstellung.

    Chronobiologische Forschungsergebnisse will ich nicht in Abrede stellen. Etwas wundert es mich aber schon, wie einen einmal im Jahr *eine* „geklaute” Stunde so durcheinanderbringen können soll (im Herbst darf man ja kostenlos eine Stunde länger schlafen). Demzufolge müsste ein Transatlantikflug mit anschließendem Jetlag ja geradezu unmittelbar lebensgefährlich sein. Den gönnen sich die Leute aber freiwillig, gerne gleich mehrmals im Jahr. Von etlichen durchzechten Nächten am Wochenende, die den Biorhythmus mit Sicherheit viel mehr ad absurdum führen, ganz zu schweigen.

    Und dass es eine gute Idee sein soll, die Mitgliedsstaaten selbst wählen zu lassen, zu welcher Zeitzone sie künftig gehören wollen (denn genau das bedeutet so eine Auswahl de facto), kann nicht euer Ernst sein und wäre allein schon ein riesiges Wirtschaftshemmnis innerhalb der EU.

    • Es wurde in einer der letzten Sendungen von Kadda erklärt weshalb ihr Sonne morgens weniger bringt, als Abends. Morgens macht man eh wenig draußen, weil man zur Arbeit, Schule o.ä. geht. Nach “Feierabend”, aber profitiert man mehr von 1h zusätzlich hell als morgens, weil man da eben noch Freizeit hat, die man dann im hellen draußen verbrigen kann. Deshalb dauerhaft Sommerzeit.

      “Mir wäre viel wichtiger, dass es morgens zu einer vernünftigen Zeit hell wird.”

      Da scheinst du in der Minderheit zu sein, wenn man sich die EU-Umfrage anschaut…

      “Demzufolge müsste ein Transatlantikflug mit anschließendem Jetlag ja geradezu unmittelbar lebensgefährlich sein. Den gönnen sich die Leute aber freiwillig, gerne gleich mehrmals im Jahr. Von etlichen durchzechten Nächten am Wochenende, die den Biorhythmus mit Sicherheit viel mehr ad absurdum führen, ganz zu schweigen.”

      Aha, was qualifiziert dich zu so einer Aussage? Vielleicht macht einfach einen sehr großen Unterschied ob man mal 1-2 Tage/Wochen früher aufsteht oder ein gesamtes halbes Jahr…

      Mal ganz abgesehen davon, dass es immer ein großer Unterschied ist ob etwas freiwillig (Urlaub, durchzechte Nacht) oder staatlich verordnet ist. Es leiden auch bestimmte Gruppen besonders, nämlich solche mit organischen Störungen oder Schlafstörungen. Diese können dann ihrem Wohlbefinden zu Liebe einfach in derselben Zeitzone Urlaub machen oder auf die durchzechte Nacht verzichten.

      Dazu kommt, dass der Urlaub eben auch Vorteile bringt, da nimmt man etwas Müdigkeit halt in Kauf. Die Zeitumstellung hat – je nach Position – keinerlei Vorteile, aber die bekannten Nachteile.

      • „Da scheinst du in der Minderheit zu sein, wenn man sich die EU-Umfrage anschaut…”

        Mein Punkt ist ja gerade, dass viele Leute diesen Punkt meiner Meinung nach nicht oder zu wenig bedacht haben. Es ist ebenso erwiesen, dass es vielen Leuten schwerer fällt morgens aufzustehen, wenn es draußen noch dunkel ist, was ich den wesentlich direkteren „chronobiologischen” Effekt finde der hier reinspielt. Bei mir persönlich ist es auch so, dass ich mich den ganzen Winter lang morgens aus dem Bett quälen muss und mich tagsüber meist sehr müde fühle, und das obwohl mir bei der Uhrenumstellung im Herbst eine Stunde geschenkt wurde. Will mir nicht vorstellen, wie das ist, wenn es im Winterhalbjahr über noch längere Zeit noch später hell wird. Natürlich ist mir klar, dass meine persönliche Erfahrung keine wissenschaftliche Studie ist.

        Dass ich in der Minderheit bin, streite ich ja nicht ab (sieht man ja an den Umfrageergebnissen), ändert aber nichts an meiner Meinung dazu.

        „Aha, was qualifiziert dich zu so einer Aussage? Vielleicht macht einfach einen sehr großen Unterschied ob man mal 1-2 Tage/Wochen früher aufsteht oder ein gesamtes halbes Jahr…”

        Nichts qualifiziert mich. Aber beim Jetlag heißt es doch auch, dass die innere Uhr sich nach einer Woche angepasst hat, warum ist das bei der Zeitumstellung anders? Gewöhnt sich der Körper nicht mit der Zeit daran? An Aufstehen bei Dunkelheit gewöhnt sich zumindest mein Körper wesentlich schlechter, weil hier permanent das Verhalten (= Aufstehen) dem äußeren Reiz (= Dunkelheit) widerspricht.

        • “Mein Punkt ist ja gerade, dass viele Leute diesen Punkt meiner Meinung nach nicht oder zu wenig bedacht haben”

          Aha. Und das weißt du, weil?

          “was ich den wesentlich direkteren „chronobiologischen” Effekt finde der hier reinspielt”

          “”Nichts qualifiziert mich.”

          Ich finde es extrem merkwürdig wie du einerseits der Einschätzung von Chronobiologen widersprichst und dann selber sagst, dass du dazu gar nicht qualifiziert bist. Könntest du bitte Quellen für solche Aussagen liefern?

          Hier mal eine Quelle für die “Gegenseite”: “Vor allem in der Anpassungsphase, die mehrere Wochen dauern kann […] Zwölf- bis 18-Jährige brauchen demnach bis zu drei Wochen zur Umstellung. https://www.welt.de/gesundheit/article3448849/Zeitumstellung-ist-wider-die-Natur-des-Menschen.html

          “Aber beim Jetlag heißt es doch auch, dass die innere Uhr sich nach einer Woche angepasst hat, warum ist das bei der Zeitumstellung anders?”

          Woher hast du diese Aussage mit dem Jet Lag? Ich habe mal kurz gegoogelt und eher das Gegenteil gefunden:

          “Je nach Anzahl der durchschrittenen Zeitzonen, der Flugrichtung und der individuellen Verfassung kann das allerdings bis zu 12 oder 14 Tage dauern”, Quelle: https://www.intersom.de/de/infopool/gestoerter-schlaf/jetlag-und-stoerungen-des-schlaf-wach-rhytmus/wie-lange-dauert-ein-jetlag/

          • Ich meinte, dass mal gehört zu haben mit der einen Woche. Aber gut, dann sind es halt zwei oder drei. Wiegt für mich immer noch weniger schwer als dass ein halbes Jahr lang meine Aufstehzeit unnötig weit in die Dunkelheit hinein gedrückt wird. Ist aber nur meine ganz persönliche Auffassung, wahrscheinlich habt ihr Recht und wissenschafltichen Erkenntnissen möchte ich auch gar nicht widersprechen.

  22. Hallo!

    Wenn Ihr schon die Kapitelmarken in den Shownotes hinterlasst, dann wäre es super, wenn diese auch im Player integriert werden würden. Kein Muss, nur wäre das top!

    Macht weiter so!

    Danke!

    • ich fände das auch super!
      wir konnten bislang den Fehler noch nicht finden, der dafür sorgt, dass er das nicht macht. bleiben aber dran. So lange bleibt es bei dieser improvisierten Lösung.
      Beste Grüße,
      Katrin

  23. Sand ist auch in Deutschland knapp

    Zumindest in einzelnen Bundesländern, denn die Bedarfsplanung um den Abbau zu genehmigen ist Ländersache und bezieht sich auf den lokalen Bedarf.

    „Nicht alle Länder planen dabei gleich gut. Wenn die Prognose schlecht ist, kann das zu Problemen führen. So stellen zum Beispiel viele Brückensanierungen die Bauhvorhaben in NRW vor Probleme. Dann werden entweder Sandimporte nötig. Oder die Industrie verlangt nach schnellen Neu-Genehmigungen von Kiesgruben – auch in Naturschutzgebieten.“

    https://detektor.fm/wirtschaft/sand-wird-knapp

  24. Achtung, der folgende Kommentar ist absichtlich simplifiziert und überspitzt geschrieben, vertritt aber meine Meinung über die “dauerhafte” Sommerzeit:

    “Ihr extrovertierten, sonnenliebhabenden Tagmenschen habt doch eh schon das Narrativ in diesem Land (und nbahezu überall im Westen) an euch gerissen und übergeht uns introvertierten, Regen liebenden Nachtmenschen ständig, so dass in den Medien von “schönem Wetter” und “endlich Sonne” und so gesprochen wird. Und glaubt mir, dass ständig zu hören, oder auch wenn generell über Regen gejammert wird belastet uns sehr, ähnlich wie Holgis #metwo-Selbstversuch.
    Und jetzt versucht ihr auch noch die Zeit an euch zu reißen “weil es ja so toll ist, dass es abends länger hell ist”… NEIN! Ist es eben nicht für alle. Also bitte lasst eure Finger von der #Normalzeit, denn darauf habt Ihr keinen Anspruch!

    • @Marco
      Ich kann verstehen, dass das für dich doof ist, das Pech zu haben, in diesem Punkt in der Minderheit zu sein.
      Allerdings hakt dein Argument etwas darin, dass du einfach von dir selbst darauf schließt, dass alle Extrovertierten den Tag udn die Sonne und alle Introvertierten den Regen und die Nacht lieber mögen würden. Zumindest kenne ich reichich nachtliebende Extrovertierte und tagliebende Introvertierte.

      Und ja, es ist nicht “für alle” toll , wenn es abends länger hell ist. Die Frage ist doch aber, für *wen* es toll ist. Ich finde da Kaddas Argument sehr sinnvoll, dass es vor allem für Kinder toll ist. Und ich finde in so einer Sache könnten wir uns als Gesellschaft für das Wohl der Kinder entscheiden, denn die sollen ja irgendwann mal unsere Altersarmut finanzieren.

  25. Hallo,

    Gerade läuft im Radio das Konzert in Chemnitz und ich muss einfach mal was los werden.
    Am Freitag lief auf DLF “der Tag” ein Interview mit einem Pegida Anhänger https://www.deutschlandfunk.de/der-tag-die-spaltung.3415.de.html?dram:article_id=426882 , das für Wirbel sorgte und heute noch mal aufgegriffen wurde https://www.deutschlandfunk.de/der-tag-wir-muessen-reden.3415.de.html?dram:article_id=427153
    Mir fällt folgendes auf.
    Nicht nur dass man den Argumenten des Interviewten irgendwie begegnete, auch das Konzert ist meiner Meinungnach nicht wirklich ein echter Aktionspunkt der hilft.
    Dort treffen sich wieder nur Leute, die zumeist alle einer Meinung sind (die ich auch gut finde). Aber es wird nicht versucht irgendwie die Sachlage so zu erklären, dass Menschen, die eben die Welt anders verstehen, versucht zu überzeugen.
    Es gibt kein Konzept. Ich habe auch keins.
    Aber sich nun auf die Schultern zu klopfen, dass Zehtausende zum Konzert nach Chemnitz kamen ist für mich nicht wirklich ein Erfolg.
    Ich nenne uns (also Menschen die nicht auf der Seite von Pegida, AFD und schon gar nicht der Nazis sind mal die “Guten”.
    Wir “Guten” brauchen ein Konzert und Unterhaltung, damit wir uns aus der Couch erheben. Anscheinend sind wir zu träge oder faul um nur für unsere Überzeugung auf der Straße zu laufen.
    Die “Anderen” gehen ohne “Belohnung” auf die Straße.
    Und tatsächlich glaube ich auch, dass die “Anderen” die Wankelmütigen dadurch eher überzeugen, weil sie für ihre Sache demonstrieren.
    Keiner, der orientierungslos ist wird wählen gehen, weil “Zehntausende auf ein Konzert gegen Rechts auf die straße gegangen sind.”
    Es bringt nichts, wenn heute 3-4 mal so viele Menschen ein Konzert besuchen, das einen politischen Hintergrund hat als am Montag mit rechtem Gedankengut durch die Straßen liefen. Am Wahltag aber nicht 3-4 mal so viele Menschen die “Guten” wählen.
    Toby hat bei Holger im Podcast oft den Hinweis, dass man mit “dagegen” sein nichts erreicht.
    Aktuell sind die “Guten” einfach nur gegen die “Anderen”. Die “Anderen” sind aber für einen Politikwechsel, deswegen bekommen sie eher Anhänger. Ähnlich wie bei den Wahlen in den USA. Die Demokraten waren “nur gegen Trump”, Trump war “für Änderungen”.
    Ich enke daraus sollte man lernen und versuchen zumindest die Menschen, die noch nicht komplett verbohrt sind auf unsere Seite zu ziehen. aBer aktuell werden alle, die mitgelaufen sind zu Personae non gratae degradiert. Damit holen wir niemanden auf unsere Seite. Eher im Gegenteil. Die Unentschlossenen, denen es egal ist, was passiert, werden durch ein fröhliches Konzert nicht motiviert die “Guten” zu wählen.
    Eher werden die Unentschlossenen, die schon leicht nach rechts neigen, sich auf die Seite des “Antihelden” schlagen (mir fällt kein besseres Wort ein) und schlimmstenfalls aus Trotz die “Anderen” wählen.
    So. Das musste raus. Ich hoffe es kam an, was ich ausdrücken wollte.

    • Ich finde du hast insofern Recht, als dass nicht immer gut kommuniziert wird, wofür die “Guten” sind.
      Tatsache ist aber, dass die “Guten” real Politik machen und versuchen, Dinge zu gestalten, während AfD&Co doch selbst nicht für, sondern in aller erster Linie gegen alles sind. Sie sind gegen die “Guten”, gegen Ausländer, gegen Islam, gegen Klimaschutz, gegen Gender-Mainstreaming, gegen Abtreibung, gegen Homosexualität…

      Und dass so ein Konzert nichts bringt, stimmt nur bedingt. Das Konzert war als eine Rückenstärkung und Solidaritätsbekundung für diskriminierte Mitbürger und gegen die Rechten ankämpfenden Leute in Chemnitz (und Sachsen generell) gedacht und ich glaube so ist sie auch angekommen. Es gibt einen schönen Artikel in der taz, bei dem eine Einwanderin sich darüber freut, dass sie sorglos auf dem Konzert mit ihren Kindern in der Menschenmenge herumwuseln kann – einfach weil da alle wohlwollend sind. Ich denke schon, dass so etwas Kraft geben kann und auch Hoffnung darauf, dass es anders möglich ist, als man es im Alltag vielleicht erlebt.

  26. zur zeitumstellung:

    das war keine wahl, sondern eine umfrage. auch noch dazu so organisiert, dass sie auf keinen fall repräsentativ ist. es haben ein prozent (1%) der möglichen teilnehmer geantwortet. wenn davon 80% die meinung haben, dass die zeitumstellung abgeschafft werden solle, sind das also 0,8% aller möglichen teilnehmer.

    dazu mal zwei illustrationen: jemand macht eine umfrage, bei der die eine gruppe von leuten gefragt wird, ob für alle verpflichtend grüne socken oder rosafarbene jacken angeschafft werden sollten, die dann von allen auch zu tragen sind. damit man das leichter rechnen kann: 1000 leute sind davon betroffen, die umfrage können alle beantworten, wenn sie wollen. 10 leute haben dann am ende geantwortet, und acht haben sich für die rosafarbenen jacken ausgesprochen. ist es dann eine gute idee für die verantwortlichen hinzugehen und tausend rosafarbene jacken zu kaufen? mit der begründung, es seien ja alle für die jacken gewesen?

    genauso kann ich umfragen aufbauen, die ergeben, dass man autos abschafft, in berlin zb. einfach an einem belebten u-bahnhof unten ein jahr lang leute befragen: “auto: ja oder nein”. dann habe ich bestimmt mehr als 3000 antworten nach einer beliebigen zeit und kann mit denen dann, das autofahren verbieten lassen. ist zwar nur 0,1% der bevölkerung, aber wer kümmert sich schon so genau um kommasetzung. und allen, denen das nicht gefällt, kann man ja dann sagen, sie hätten ja auch in den entschiedenden u-bahnhof kommen können, um abzustimmen.

    noch mal; das war eine umfrage, keine wahl, noch nicht mal eine repräsentative umfrage. wenn jetzt juncker und co so tun, als befolgten sie volkes wille, weil 80% sich für die abschaffung ausgesprochen haben, dann hat das schon brexit-abstimmungs-qualität.

    und damit ihr wisst, in welche ecke ihr mich packen könnt: keine noch so rührselige mutter-geschichte kann mich davon abbringen, dass mir persönlich es sehr gut gefällt, wenn zum frühjahr hin die abende spontan länger werden. ich empfinde das als einen erheblichen gewinn an lebensqualität im vergleich zum winter. dazu braucht es sowohl den hin- als auch den rücksprung im winter.

  27. Zum Thema Sand moechte ich gern noch die Arte Dokumentation “Sand, die neue Umweltzeitbombe” von 2013 anfuehren (https://www.youtube.com/watch?v=T801BaCGJlk). Ich habe von Tim Pritlove 2015 in FS164 (https://freakshow.fm/fs164-die-sendung-ohne-maus) erfahren.

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