Die Wochendämmerung

Mit Katrin Rönicke & Holger Klein

#155. Wir haben noch zwei Jahre

| 75 Kommentare


In dieser Folge: Wir nehmen uns die Kritik zu Holgers Selbstexperiment zu Herzen, der rantet übers Billigfliegenwollen, Katrin hat ein Interview über die drohende Heißzeit dabei, das sie mit Jonathan Donges vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung geführt hat, der Bundesgerichtshof hat ein soziales Urteil gefällt und in Italien (das gar nicht so arm ist) zieht die rechtspopulistische Regierung offenbar antineoliberale Reformen durch.

Links und Hintergründe

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75 Kommentare

  1. Das Feature zu Ryanair welches Holgi meint ist meiner Erinnerung nach parallel das WDR Die Story erschienen. Die ist auf dem YouTube-Kanal des WDR noch abrufbar: https://www.youtube.com/watch?v=UqClb-WF92U

    • @Holgi @all

      ich habe das Radio Feature “Ryanair hebt ab” aus dem Jahr 2010. Bei Interesse an einer “Privatkopie” hier bitte melden …

      Grüsse Florian

  2. Ein kleiner Gegen-Rant.

    Du unterstellst da “den Armen” einfach mal, dass sie egoistischer weise nur mal billig nach Malle fliegen wollen.
    Und dein Kommentar “dann sollen sie eben an den See” grenzt schon sehr an “let them eat cake”. Wenn für dich See und Ozean dasselbe ist, ok. Oder wenn für dich Griechenland und die Nordsee gleich toll sind, super. Aber für viele andere trifft es nicht zu.
    Nach deiner Logik argumentieren auch die FDP-Leute, die sagen, dass die Hartzer nicht in den Urlaub fahren brauchen, wenn sie es sich von der Stütze nicht leisten können. Auf Balkonien ist doch auch schön! Ich könnte wetten, dass das einer dieser Pseudo-Liberalen schon gesagt hat. Und es klingt fast eins zu eins wie das, was du gesagt hast.

    1. Ja. Ryan Air beutet sicher seine Leute aus. Und wir “Armen” werden genauso ausgebeutet. Im Gegensatz zum Ryan Air Personal, haben viele von uns keine Möglichkeit, zu streiken. Wir (meine Frau und ich zumindest) drücken dennoch alle uns verfügbaren Daumen, damit diese Leute Erfolg haben und unter besseren Bedingungen arbeiten können. Und für mehr Geld. Auch wenn wir nicht streiken können.
    Du sagst, wir sollen nur mit den Ausbeutern fliegen, wenn wir selber hinnehmen, dass wir ausgebeutet werden. Keine Sorge, das tun wir. Denn wir haben keine Wahl. Wie seit eh und je die Wenigverdiener keine Wahl haben. Wenn wir die Wahl hätten, wenn wir streiken dürften, würde man uns besser bezahlen und wir kämen vielleicht in die Mittelschicht.

    2. Auch die “Armen” haben das Recht, die Welt zu sehen. Ja, wir fliegen auf kleinem Raum, übernachten teilweise ziemlich spartanisch. Aber wir sehen ein wenig von der Welt, was sonst nicht so einfach möglich wäre.

    3. Für 50 Euro nach Malle. Ist aber oft auch einfach nur Quatsch. Meine Frau und ich fliegen morgen nach Thessaloniki, um unsere Familie zu besuchen. Wir bezahlen für den Hin- und Rückflug von Weeze aus knapp 600 Euro zusammen. Mit Eurowings hätten wir noch mehr bezahlt. Deshalb fliegen wir mit RyanAir. Wenn die RyanAir Leute Erfolg haben, werden wir beim nächsten Mal (wenn wir nicht irgendein Sonderangebot finden) mehr bezahlen müssen. Dafür werden wir unseren Verwandten weniger Geld mitbringen können. Deshalb schreibe ich “arm” auch in Anführungsstrichen. Denn, wer wirkliche Armut gesehen hat, würde nicht einmal Hartz IV Empfänger als wirklich arm bezeichnen.

    4. Wie viele der “Armen” in Deutschland, haben auch wir Migrationshintergrund und damit auch Familie im Ausland. Wir wollen unsere Nichten, Neffen, Eltern und Geschwister ab und zu sehen. Hätten wir nicht diese halbwegs bezahlbaren Flüge, müssten wir fahren. Damit wäre dann auch sicher gestellt, dass unsere Eltern uns nicht besuchen können, weil sie einfach zu alt sind, um drei Tage mit dem Bus zu fahren.
    Die allermeisten Leute, die morgen mit uns im Billigflieger sitzen, werden sich übrigens auf Griechisch unterhalten. Weil auch sie nicht einfach in den Urlaub fliegen, sondern auch die Familie sehen wollen.

    • “Auch die “Armen” haben das Recht, die Welt zu sehen.”

      Nein, das ist kein Recht von irgendjemandem. Es ist aber ein Recht einen bewohnbaren Planeten zu haben. Würde man die Energieträger vernünftigerweise nach CO2 und Joule (statt willkürlich) besteuern, wäre es mit den Flugreisen wie sie derzeit stattfinden für 90 Prozent der Bevölkerung sowieso vorbei. Was ich ehrlich gesagt überhaupt nicht schlimm fände…

    • Exakt. Wer kein Geld hat, einen realistischen Preis zu bezahlen, sollte auch nicht fliegen können (sondern halt auf eine Weise / dorthin reisen, wo es für ihn bezahlbar ist – und das ist im Zweifelsfall Camping am nächsten See), genauso wie wer das dazu nötige Geld hat, diesen Preis gefälligst auch bezahlen soll. Was ein realistischer eigentlich wäre, hat Titus da schön geschrieben.

      Ich weiß zwar nicht, was Du arbeitest, dass Du dich nicht gewerkschaftlich organisieren kannst, es würde mich aber wenig wundern, wenn du vor allem deshalb wenig verdienst, weil deine Kunden denken wie du selbst und möglichst unrealistisch wenig bezahlen wollen. Und deren Kunden… und deren Kunden… und deren Kunden etcpp… bis irgendwo der in der Sendung erwähnte Mittelschichtler steht und sich freut, weil er sich mit 2200 netto für wohlhabend halten kann – denn schließlich kann er sich ja so angenehm viel leisten (auf deine Kosten und die des Personals im Flugzeug).

      • Wo ich arbeite möchte ich nicht sagen, weil wir die einzigen in Deutschland sind, die das machen. Wir bekommen wenig Gehalt, obwohl die Firma genügend Überschuss erwirtschaftet, um uns mehr zu zahlen.
        Es wurden schon mehrfach Leute entlassen, die vom Betriebsrat oder ähnlichem sprachen. Ein Vorwand findet sich immer.
        Du kannst dir deine Urlaube offenbar ganz gut leisten, da fällt es einem natürlich leichter, anderen ihren Urlaub abzusprechen.

        • Ich spreche niemandem den Urlaub ab, sondern sage: Solange Du selbst billig fliegen (essen, tanken, younameit…) willst, darft Du dich auch wundern, wenn Du selbst schlecht bezahlt wirst. Und solange ich Mittelschichtler ebenfalls mit der Einstellung „alles möglichst billig“ rumlaufe, brauche auch ich mich nicht zu wundern, dass a) Du schlechte bezahlt wirst und b) ich dafür haftbar gemacht werde (bis hin zu körperlichen Angriffen).

      • Da Weltanschauung von Welt anschauen kommt, gucken die mit Money die große Welt an und die ohne das Dorf am See? Ich bin skeptisch.

        • Du musst doch nicht mit dem Flugzeug reisen. Ich bin mit meinen 34 Jahren erst einmal geflogen – und das beruflich und auch nur weil der Bahnstreik dazwischen gefunkt hat.

        • Ich behaupte mal, dass 10 Tage Malle die Weltanschauung nicht maßgeblich beeinflusst… bzw nicht in dem Sinne, wie wenn man sich die Welt angeschaut hätte

    • Einerseits: Als Geringverdiener/in habt ihr sicher insgesamt weniger Konsumausgaben als Mittelschichtler*innen und belastet das Kilma damit automatisch weniger. Es ist richtig, das zuallererst die Reichen eine Verpflichtung haben, ihren wirklich exorbitanten, lebensstilbedingten Rohstoff- und Naturverbrauch in den Griff zu bekommen. Andererseits: Wir können die Klimakrise nur in den Griff bekommen und überleben, wenn wir wirklich alle individuell UND gleichzeitig als Gesellschaft etwas tun, und das schließt auch Menschen mit kleinerem Einkommen mit ein (obschon zu einem geringeren Grad als die Reichen). Für 600 Euro hättet ihr auch beide einen ganzen Monat lang mit Interrail durch Europa fahren können (ja, sogar nach Griechenland, auch dorthin fahren noch Züge und natürlich Fähren). Ich weiß aber auch, dass nicht jede und jeder so viel Urlaub am Stück nehmen kann, und nichts liegt mir ferner als euch jede Konsumentscheidung vorschreiben zu wollen. Verantwortung tragen wir aber alle. Es ist schon viel erreicht, wenn man für Alternativen offen ist. Wenn wir irgendwann dazu übergeben müssen, Flüge zu kontingentieren, weil uns sonst das Klima komplett umkippt, bin ich voll und ganz dafür, dass Menschen mit Familienangehörigen im Ausland mehr Meilen bekommen. Mir ist es tausendmal lieber, ihr fliegt zu euren Verwandten in Griechenland als jemand anderes zum Saufen nach Malle. Die politische Lösung wäre, wenn es einen modernen, bequemen Nachtzug nach Thessaloniki gäbe, der für einmal hin- und zurück 150 Euro kostet.

  3. Zum Thema Klima und was wir konkret machen können, fand ich die Antwort etwas ungünstig gewählt.
    Es wurde gesagt, dass man sich ja selbst betrügt, wenn man einen Interkontinentalflug macht und man somit seine andere sparsame Lebensweise nichtig macht, was im Grunde ja nicht der Fall ist, denn man hat ja immer noch weniger CO2 verbraucht. (Wenn man von ausgeht, dass sonst nicht sparsam gelebt hat.)

    Das klingt für mich leider zu negativ und wird die Leute eher abschrecken, kleine Schritte zu machen. Es ging ja darum, was man konkret machen kann. Und da sollte man den Leuten mitteilen, dass kleine Schritte ebenso helfen.
    Wie Holgi ja auch meinte: wir sind verdammt konservativ und nur schwer von Änderungen zu überzeugen.
    Den Leuten dann vorschlagen konkret, einfach mal längere Urlaubsflüge ausfallen zu lassen, ist das nur schwer zu verkaufen.
    Da ist es schon einfacher, kleinere Schritte zu gehen. Weniger auswärts essen, mehr selbst kochen und dementsprechend dann auch so, dass es der Umwelt nicht schadet.
    Fahrradfahren attraktiver machen. ÖPVN attraktiver machen. Das sind so Änderungen, die lassen sich einfach verkaufen und Leute sind eher gewillt etwas zu ändern.

    Klar, ist der Urlaub im Ausland per Flieger oder Kreuzfahrt sehr hoch, aber eben auch etwas, wo viele eben auch drauf hinarbeiten: Auf die freien Tage im Jahr, um einfach mal aus dem Alltag auszubrechen.

    Grüße,
    Patrick

    • die Antwort ist nicht ungünstig, die ist einfach eine Tatsache.
      wenn du kleine Schritte machst und dann fliegst, verbrauchst du als einzelner – je nach Flugstrecke – so viel CO2, dass würden alle so leben wie du, man 2 oder 3 Erden bräuchte.
      Nur, wer das Fliegen sein lässt, macht einen echten Unterschied.

      Zum Thema “das ist zu viel verlangt” empfehle ich die wrint-Sendung mit Harald Welzer. Der hat sehr gut dargelegt, warum wir nur *denken*, dass wir uns ganz schlimm selbst beschneiden, wenn wir nicht mehr in den Urlaub fliegen, wir reden uns das ein.

      LG
      Katrin

      • Ich fand die Antwort auch etwas ungünstig, allerdings nur in Nuancen und Details:

        “Nur, wer das Fliegen sein lässt, macht einen echten Unterschied.”

        Dasselbe gilt für Autofahrten auch. Laut Atmosfair entspricht einmal Thailand hin und zurück 3.500kg und ein Jahr Autofahren (Mittelklassewagen, 12.000 km) 2.000kg.

        Wer also auf das Auto verzichtet und sparsam heizt, der macht einen ähnlichen Unterschied wie jemand der auf das Fliegen verzichtet. Man könnte andersrum auch sagen “Wer mit dem Auto fährt und viel heizt, der macht damit seine Bemühungen durch den Flugverzicht zu nichte”

        Das macht deine Aussage übers Fliegen ja nicht falsch. Ich finde es nur manchmal etwas merkwürdig wie man sich speziell aufs Fliegen fokussiert. Der durchschnittliche Deutsche verbraucht ~12.000kg CO und davon sind nur 2.0000 durch Mobilität verursacht. Das Einsparpotenziel ist an der Stelle also <20%. Da müssen also noch ganz andere Hebel her, wenn man etwas erreichen will.

        Ich denke z.B. dass man nicht um massive staatliche Regulierungen rumkommen wird. Die kommt mir in den Medien immer etwas zu kurz – dort geht es dann eher im privaten Verzicht, der aber natürlich auch nur Leute erreicht, die eh schon politisch "grün" sind.

        Wie gesagt – das sind natürlich Detailfragen der Vermittlung eines komplexen Problems der politischen Strategie. Aber als ich den CO2-Calculator angeworfen habe, kamen da andere Zahlen raus, als ich durch die mediale Berichterstattung erwartet hätte.

        • Aufs Fliegen kann man sich so gut kaprizieren, weil es fast inner unnötig ist. Beim Autofahren sieht das schon ganz anders aus – auch weil der Eingriff in den Lebensstil hier viel tiefgreifender wäre.

          • Hm, interessant… Bei mir ist es genau andersrum. Ich komme problemlos mein gesamtes Leben ohne Auto aus und brauche es im Winter eh nicht groß warm in der Wohnung. Auch Konsumverzicht (Konsum ist für doppelt so viel CO2 verantwortlich wie Mobilität!) fällt mir relativ leicht. Darauf ferne Länder zu berreisen und fremde Kulturen kennen zu lernen möchte ich aber ungern verzichten. Das kratzt deutlich mehr an meinem Selbstverständnis als der Rest. Wobei ich da die Vorschläge/Links aus der Sendung sehr interessant fand und ich die definitiv bedenken werde.

            Aber vielleicht erklärt das weshalb ich die Darstellung in den Medien und hier im Podcast suboptimal finde: Ich bin einfach nicht repräsentativ für die Zielgruppe?

          • Das Selbstverständnis ist die eine Sache. Da sieht es bei mir ja ähnlich aus, denn ich hätte auch wenig Lust, nicht mehr Motorrad oder Auto zu fahren. Es würde aber unser beider Existenz nicht gefährden, wenn Du fremde Länder ab sofort nur noch per Bahn oder ähnlichem bereisen könntest und ich nur noch Fahrrad und ÖPNV fahre.
            Beim Autofahren sieht das halt für viele Menschen ganz anders aus (auch wenn ich davon überzeugt bin, dass die meisten Autofahrer sich nur einbilden, nicht auf das Auto verzichten zu können, beziehungsweise dafür bestraft gehören, dass sie gedankenlos siedeln – aber das ist eine andere Diskussion).

            Ich glaube, fast niemand ist hier repräsentativ – aber jeder sehr wohl Zielgruppe 😉

          • niemand ist repräsentativ! das ist ja das Problem.
            aus einem Spiegel-Artikel:
            „Dafür gibt es jetzt die Quittung: Der Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) ist im vergangenen Jahr um 0,4 auf 118,5 Gramm gestiegen. Besonders Deutschland registrierte Neuwagen mit hohen CO2-Werten. Ursache ist der gestiegene Verkauf von schweren SUV und Benzin-Modellen als Folge des Dieselskandals, um Fahrverboten in den Städten zu entgehen.“
            Immer mehr Leute kaufen klimaschädlichere Wagen, als sie vorher hatten. Die ganzen SUV-Fahrer sind schon wieder ne andere Gruppe! Man kann eigentlich nicht alle gleichzeitig ansprechen – weil jede und jeder seinen eigenen Abdruck betrachten muss. aber als Privatperson hat man bestimmte Dinge in der Hand und andere nicht so:
            Den größten Einfluss hat man auf die Bereiche bzw. Unterbereiche Privater Konsum (wieviele Ressourcen verbrauche ich? kaufe ich Dinge gebraucht und Second Hand?), Beheizung (hier kann ich als Mieterin zB wenig tun, außer sparsam heizen), Ernährung (welchen Weg hatte mein Essen? ernähre ich mich möglichst regional?), PKW-Verkehr (habe/brauche ich ein Auto? wieviel Verbrauch hat es?), Flugverkehr und Stromverbrauch (Kohle oder Erneuerbare?).

          • Will man das Klima wirksam schützen und es gleichzeitig dem Einzelnen überlassen, in welchen Lebensbereichen er “seine” Emission klimaschädlicher Gase reduzieren will, bleibt eigentlich nur eine Lösung: Man muss JEDE solche Emission ordentlich bepreisen. Das würde zum Beispiel bedeuten – so hörte ich es mal von einem Umweltökonomen -, dass ein Mittelschichthaushalt ENTWEDER Fleisch essen ODER ein Auto unterhalten und fahren ODER einmal pro Jahr in den Urlaub fliegen kann. Momentan ist es zumindest theoretisch sehr billig, den CO2-Austausch zu reduzieren. Man muss nur Emissionsrechte erwerben und diese ungenutzt lassen. Zur Zeit kostet das Recht, 1 Tonne CO2 zu emittieren, etwas mehr als fünf Euro.
            @Patrick Thorenz: Ich habe nicht verstanden wie “Weniger auswärts essen, mehr selbst kochen” dem Klima helfen soll. Gehst Du dabei davon aus, dass man mit dem Auto ins Restaurant fährt?

          • @Tarifkenner
            Nicht, dass man mit dem Auto hinfährt, sondern eher, dass in der Gastronomie eine Menge an Essen verschwendet und weggeschmissen wird. Besonders wenn man zum Beispiel in einer Kantine isst beim Arbeitgeber (was ich auch mache und ändern sollte). Oder die beliebten All-You-Can-Eat Buffets.
            Lieber dann zu Hause kochen und mitnehmen zum Beispiel.
            Das ist auch etwas, was das Klima beeinflusst.

            Es gibt so viele Drehschrauben, die etwas beeinflussen können und jeder auch konkret angehen kann, wenn man es eben auch so vermittelt.
            Ich versuche zum Beispiel immer nur das zu kaufen, was ich dann in den nächsten 2-3 Tagen esse. Mein Kühlschrank ist in der Regel leer, so dass ich wirklich kaum was wegschmeißen muss.

            Siehe auch:
            https://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/acs.est.5b05088

          • Das verrückte ist ja auch: würden wir alle konsequent viel mehr Fernreisen per Zug antreten, wäre die Einrichtung von Hochgeschwindigkeitszügen viel wahrscheinlicher. 400 km/h Geschwindigkeit könnten für Zugfernstrecken Normalität sein, wenn die Nachfrage das Angebot entsprechend stimulieren würde (und wenn diese äußerst sinnvolle Option angemessen gefördert würde). Mit so einer Reisegeschwindigkeit, kommt man natürlich nicht so schnell um die Welt, wie mit einem Flugzeug, aber Reisen in Ferne Länder wären damit auch möglich.
            Ein Flug nach Wladiwostock z.B. dauert 12 Stunden und 45 Minuten. Wenn man für eine hypothetische Zugstrecke die benötigten Straßenkilometer für diese Reise zugrundelegt (laut googlemaps 10977km), dann wären das 27,5 Stunden bei 400 km/h Reisegeschwindigkeit, was lang ist, aber durchaus einplanbar. Allerdings sind für Hochgeschwindigkeitstrassen ja idealere Routen zu denken als im Straßennetz und die 400 km/h könnten sicherlich zukünftig auch noch getoppt werden – reguläre Geschwindigkeiten von 500 km/h sind heute schon denkbar.

            Mit anderen Worten: fahrt mehr Zug, dann werden die Züge auch besser, schneller und erschwinglicher.

          • @Patrick Thorenz: Vielen Dank für die Erläuterung. Selbstverständlich hat die Lebensmittelverschwendung schlimme Auswirkungen: nicht nur für das Klima, sondern auch für Armut und Hunger. Ob es aber wirklich nennenswert die Lebensmittelverschwendung reduziert, wenn man selber kocht, statt im Lokal isst? Unter der Annahme, dass das Lokal im Großhandel, ich aber im Einzelhandel einkaufe, würde das ja bedeuten, dass bezogen auf eine Mahlzeit in der Gastronomie signifikant mehr Lebensmittel verschwendet würden als im Einzelhandel und im Haushalt zusammen!
            Würde man die Methode anwenden, zu Hause selber zu kochen und für die Hälfte der Differenz zum Restaurantpreis CO2-Emissionszertifikate zu kaufen (und natürlich nicht zu nutzen), wäre der Effekt auf das Klima vermutlich um etliche Größenordnungen größer.

          • Holger Klein schreibt: „Aufs Fliegen kann man sich so gut kaprizieren, weil es fast immer unnötig ist. Beim Autofahren sieht das schon ganz anders aus – auch weil der Eingriff in den Lebensstil hier viel tiefgreifender wäre.“
            Atmosfair sieht es genau andersherum: Zum Autofahren und zum Kurzstreckenfliegen gibt es klimafreundlichere Alternativen. Die soll man wählen und nicht die Kompensation. Der Versuch einer Kompensation könnte sogar kontraproduktiv sein. Auch für Fleischessen und Heizen soll es keine Kompensation geben.
            Zum Langstreckenflug gibt es noch keine klimafreundlichere Alternative. Wenn man ihn nicht vermeiden kann, sollte man ihn wenigstens kompensieren.
            Ich will gar nicht behaupten, dass Atmosfair Recht hat und Holger Unrecht. Aber interessieren würde mich, ob Holger weiß, dass Atmosfair es so anders sieht als er selbst.
            Beim Thema Kurzstreckenflug verhält sich Atmosfair dann übrigens meines Erachtens nicht ganz konsequent. Wenn man einen Flug Berlin-München kompensieren will (und das müsste auf jeden Fall ein Kurzstreckenflug sein), wird man zwar darauf hingewiesen, dass die Bahn eine klimafreundlichere Alternative wäre, aber die Kompensation wird einem trotzdem angeboten. Pecunia non olet?

        • Ein durchschnittlicher Urlaub mit Langstreckenflug erzeugt mehr CO2 als eine vierköpfige Familie in 40 Jahren durch den Bau eines KFW60 Hauses im Vergleich zu einem normalen Haus einspart. Zwar stößt die Zementproduktion viermal so viel CO2 aus wie der Flugverkehr, allerdings lassen sich mittlerweile achtgeschossige Gebäude problemlos aus Holz bauen.

      • Ich weiß, was du meinst. Natürlich ist es eine Tatsache. Es ist klar, dass Fliegen einen ziemlich hohen CO2 Ausstoß hat und man besser drauf verzichten sollte. Genauso wie das Autofahren. Oder sich täglich den Lieferservice zu bestellen. Oder klimaunfreundliche Haushaltsgeräte zu nutzen.
        Aber warum dann alle anderen Bemühungen, die Leute unternehmen, direkt abweisen und sagen, “Hey, du fliegst, also hast du nichts beigetragen!”, obwohl genau das Gegenteil der Fall ist, wenn man aufs Auto oder eben auch auf seine Ernährung zum Beispiel achtet. Dann hat man was beigetragen.

        Und das ist mein Punkt hier. Die Kommunikation nach außen in dem Thema ist immer verdammt Vorwurfsvoll, was auf der einen Seite ja auch wichtig ist, denn es ist ja Fakt, dass das Klima derzeit in einer Spirale ist, die man wohl nicht mehr oder nur sehr schwer aufhalten kann, aber so erreicht man eben die Menschen nicht.
        Ich finde es immer schade, wenn in solchen Diskussionen immer nur das Negative hervorgehoben wird und das Positive dann hinten ansteht. Menschen brauchen eben auch positives Feedback, um sich vielleicht für den nächsten Schritt zu motivieren und ihnen dann etwas kleinreden, wo sie dann wirklich viele Gedanken reinstecken, um etwas zu ändern, ist meiner Meinung nach eher kontraproduktiv. Die gehen dann in den Modus “Ist mir doch egal!”.

        Grüße,
        Patrick

        • hm. ja. ich lebe seit 20 Jahren mit dem ständigen Vorwurf, die Klimaschützer seien zu negativ und zu vorwurfsvoll.
          es ist sicher manchmal ein schmaler Grat zwischen “ich versuche mit Nachdruck auf eine große Gefahr hinzuweisen, die von der Menschheit komplett verdrängt wird” und “ich hasse euch alle” 😀

          aber Jonathan kann man hier echt keinen Vorwurf machen! der ist so sachlich.

          wenn, dann nehme ich das auf meine Kappe. aber ich hab auch immer diese zwei Kinder vor mir, denen ich in 20 Jahren gern in die Augen gucken können möchte.

          • Ich glaube, negativ bei dem Thema zu sein, kommt mit der Sache. Daher ist das verständlich.
            Aber man merkt halt, dass es den Leuten echt schwer beizubringen ist.
            Und wenn man dann noch jemanden wie Gauland im Sommerinterview heute hört, der direkt mal wieder damit ankommt, dass der Mensch ja keine Auswirkung auf den Klimawandel hat, macht es das gleich noch viel schwerer.

            Auch mal von meiner persönlichen Seite. Laut CO2 Fußabdruck-Rechner bin ich unter dem deutschen Durchschnitt, was ich doch recht überraschend fand, da ich doch immer mal wieder gerne in den Urlaub fliege, auch weiter weg (Japan ist da öfter mal mein Ziel, da ich dort die Sprache versuche aktiv zu lernen).

            Aber dann hab ich halt noch nie ein Auto besessen und pendle mit dem Fahrrad täglich zur Arbeit, egal bei welchem Wetter.
            Und für alles andere in Deutschland nutze ich die Bahn. Inlandsflüge hab ich bisher noch nie in Betracht gezogen muss ich sagen.

            Ich heize relativ sparsam (in der Regel wirklich nur den Raum, den ich auch nutze und alles andere bleibt kalt) und dann auch nur, wenn es draußen wirklich eiskalt ist. Wozu gibt es Decken im Winter? 😀
            Stromverbrauch ist bei mir mit 1200 KWh im Jahr auch recht okay.

            Wo ich wohl noch CO2 einsparen könnte, ist bei der Ernährung. Da bin ich manchmal echt zu faul und in einem Single Haushalt, will man nicht immer direkt kochen, weil es doch ein großer Aufwand ist.
            Aber das ist halt etwas, was ich selbst leicht anpassen kann und mir wohl auch guttut am Ende. Also ziehe ich aus dem zweifachen positiven Nutzen. Gesünder ernähren und Klimaschutz.

            Wenn ich auf den Urlaub verzichten müsste, wäre es positiv für das Klima, aber eben für mich persönlich negativ. Also ist es direkt schwerer zu vermitteln.

            Grüße,
            Patrick

          • Mein Jahresbedarf an elektrischer Arbeit sind als Single 550 bis 650 KW/h. Da geht bei dir also noch was.

          • Whoa! Das habe ich nur einmal in meinem Leben geschafft: In der Wohnung mit Kombitherme – also Heizen, Warmwasser und kochen mit Gas. Aber damals war das tatsächlich ähnlich wenig.

          • Die eigene Gastherme in der Wohnung habe ich auch, allerdings Koche ich mit Induktion. Ansonsten habe ich aber auch keinen Fernseher sondern nutze den Monitor vom Rechner für Netflix und die Mediatheken, die Gefrierkombination habe ich gegen einen 90 Liter A+++ Kühlschrank mit Gefrierfach getauscht und die Waschmaschine läuft für die normale Wäsche auch nur für eine Stunde bei 40 Grad. Dafür spende ich Strom und WWW für Freifunk.

  4. Ich hoffe das folgende kommt jetzt nicht als Vorwurf oder Kritik rüber (*):

    Es hat mich sehr nachdenklich gemacht, dass selbst ihr als politisch engagierte und irgendwie “linksliberale” (“linksgrün-versiffte”) Menschen erst jetzt darüber nachdenkt aufs Fliegen zu verzichten. Also nicht, dass mich das wundert – ich bin da auch nicht groß besser. Nur ist es doch bei politischen Veränderungen (Umweltschutz, Antirassismus, LGBTQ-Rechte, …) oft so, dass eine kleine, progressive Gruppe vorangeht und mit deutlicher Verzögerung die Mehrheitsgesellschaft nachzieht.

    Wenn wir jetzt nur noch 2 Jahre Zeit haben, dann hätte die Veränderung bei Menschen wie euch (und mir) schon vor ~10 Jahren stattfinden müssen. Wenn wir “linksgrün-versifften” JETZT damit ANFANGEN, dann habe ich ja irgendwie wenig Hoffnung, dass da in 2 Jahren in der Mehrheitsgesellschaft IRGENDWAS passiert 🙁

    Ich bin mir noch nicht sicher was für Schlüsse ich aus diesem Sachverhalt ziehen soll, aber es passiert selten dass mich etwas so sehr zum Nachdenken bringt….

    (*) von den Produzenten der Bestsellers “Ich bin ja kein Nazi, aber…”, “Nichts für ungut, aber…” 😉

    • Hi Venyo,

      ich spreche mal für mich:
      seit bald 20 Jahren rede ich mir den Mund in Sachen Klimaschutz fusselig. Ich habe damals schon bei der Grünen Jugend gefordert, Inlandsflüge komplett zu verbieten. Ich fange also nicht erst jetzt an, darüber nachzudenken.
      Aber erst jetzt – oder sagen wir seit drei Jahren oder so – wird es für mich zu einer nochmal anderen Entscheidung. Auch wenn ich schon recht alt bin: ich stehe erst seit 2015 im Berufsleben. D.h., ich konnte mir davor solche Sachen wie Urlaub nicht wirklich leisten. Dennoch hatte ich die besagten 20 Jahre lang immer eine BahnCard 50 – ich glaube sogar, die habe ich schon länger. So habe ich alles, was ich an Urlauben hatte, mit dem Zug gemacht. Fliegen war die absolute Ausnahme – so, wie es sein sollte.
      Ich war in der langen Zeit davor auch nicht in Irland – weil ich es mir eben nicht leisten konnte. All das ist jetzt erst überhaupt eine OPTION und deswegen habe ich mich auch jetzt erst so richtig ernst entscheiden müssen, diese Option komplett auszuschließen.
      Ein wenig hängt es auch mit Holger zusammen, mit dem ein sehr anderer Hang zum Fliegen in mein Leben getreten ist. Ohne jetzt zu privat zu werden – aber so viel kann ich sagen: wie in vielen anderen Bereichen, ist das dann eben auch ein aufeinander ein- und abstimmen innerhalb einer Beziehung, die da stattfindet. Das dauert auch ein wenig Zeit…

      LG
      Katrin

  5. Mit ICE über Köln und Brüssel, weiter mit EuroStar nach London – in 9:30h etwa… Finde ich gar nicht so abwegig lang. Und dabei muß es ja nicht bleiben, wenn sie die Strecken ausbauen, damit man mit 250kmh Durchschnitt fahren kann, dann wären es 4-5h und so nicht mal wirklich länger.
    Der Shinkansen (sehr tolles Erlebnis!) braucht von Fukuoka/Hakata nach Tokyo 5:15h für. 1150km…. Dazu braucht es nicht mal Transrapid oder noch trendiger Hyperloop…
    Berlin Wladiwostok sind 8Tage…

  6. Als Holger sagte, dass er das CO2 seiner Flugreisen kompensiert, klang an, dass er das eigtl auch irgendwie problematisch findet. Ich Frage mich warum? Das Ergebnis ist doch quasi das selbe, denn wo das CO2 herkommt bzw. nicht herkommt ist der Atmosphäre doch wurscht, oder? Auch von der Vorbildfunktion her unterscheiden sich beide Handlungen nicht, denn sowohl nicht fliegen, als auch kompensieren kann Vorbild sein. Man könnte jetzt natürlich argumentieren, dass man moralisch verpflichtet ist NICHT zu fliegen und das gesparte Geld trotzdem in die “Kompensation” zu stecken, aber das wäre schon ein hoher moralischer Anspruch.

    Ich selber Reise zum Glück nicht gerne, deshalb betrifft mich das Flugproblem nicht wirklich. Aber naja, was einem Spaß macht und was nicht, kann man sich eben nur bedingt aussuchen. Von daher props an alle, die gerne Reisen und trotzdem auf fliegen verzichten!

    • Ich finde das auch unter Kompensation immer noch problematisch, denn das CO2 entsteht ja erst, indem ich fliege und KfZ fahre. Dass Flugverkehr klimaschonend wird, passiert erst dann, wenn weniger fliegt – und dazu trage ich ja nicht bei, indem ich das Flugzeug besteige. Von der Quasi-Vorbildwirkung des Autofahrens ganz zu schweigen („wenn der fährt, dann darf ich ja wohl auch fahren!“).

    • Zu der Kritik gibt es jede Menge Artikel, kann man einfach mal Googlen “Kritik CO2 Kompenstation” oder sowas. Hier ein Beispiel aus der Taz http://www.taz.de/!5102262/

      Im Grunde läuft darauf hinaus: Ich schmeiße meinen Müll einfach achtlos in den Wald wo er Schaden anrichtet. Als Kompenstation bezahl ich meinen Nachbarn, der das sonst auch tut, damit er es diese Woche mal lässt. Jetzt ist meine Aktion einerseits “Müll-neutral”, weil der Wald ja nicht mehr Müll enthält als wenn ich nichts gemacht hätte. Andererseits habe ich trotzdem den Wald voll gemüllt…

      Wenn man CO2 oder Müll mal durch irgendwas Krasses ersetzt (z.B. Vergewaltigung, Mord, Flüchtlingsheim anzünden), dann würde niemand auf die Idee kommen, dass es okay ist Leute dafür zu bezahlen, dass sie ihre Übeltaten lassen, damit ich selbst weiterhin vergewaltigen, morden oder Flüchtlingsheime anzünden kann. Natürlich hinkt der Vergleich vorne und hinten, aber es veranschaulicht die Grundproblematik etwas.

      • Ich greife mal dein Beispiel mit dem Müll auf. Ich kann verstehen, das es erstmal unintuitiv ist, dass beide Aktionen (müll selbst reinwerfen + kompensieren, oder selbst keinen müll rein werfen und der Nachbar tut es) denselben Effekt haben. Aber genau das ist der Fall. Dem Wald ist es egal wer den Müll hinein wirft, es kommt erstmal nur auf die Menge an (es sei denn man hat irgendeinen sekundären Effekt nicht bedacht, weshalb diese Rechnung nicht stimmt, siehe dazu letzten Absatz).

        Außerdem, wie ich oben bereits geschrieben habe, kannst du natürlich einen höheren moralischen Anspruch an die Person stellen: es wäre wohl noch moralischer, einfach selbst keinen Müll in den Wald zu werfen und das Geld trotzdem zum kompensieren aufzuwenden; denn dann hätte man insgesamt einen noch deutlich positiveren Effekt erzielt. Aber wenn man einfach selbst keinen Müll in den Wald wirft, und das Geld was man sonst zu Kompensation aufgewendet hätte einfach versäuft (und dementsprechend der Nachbar Müll in den Wald wirft) dann finde ich das tatsächlich nicht besser als wenn man kompensiert.

        Und genau dieser moralische Anspruch unterscheidet auch deine zweiten Beispiele, Mord etc., von der Kompensation von Müll oder CO2. Bei so etwas Schlimmen wie einem Mord würden wir auf jeden Fall den moralischen Anspruch stellen, dass man das Verbrechen nicht begeht und gleichzeitig noch dafür sorgt dass auch ein anderer es nicht begeht. Und man könnte diesen moralischen Anspruch natürlich auch an die Leute beim Klimawandel stellen, aber das ist in meinen Augen nicht das, was Leute fordern, die Kompensation als zweitbeste Lösung bezeichnen, wie z. B. in dem taz Artikel (kann natürlich auch sein, dass ich die falsch verstehe).

        Außerdem, ist es bei einem Verbrechen natürlich so, dass es dem Opfer natürlich herzlich wenig bringt, wenn irgendwo anders ein Verbrechen durch deine Kompensationszahlung vermieden wird. Aber das ist bei Klimawandel und Müll eben anders, weil es ein Gesamtsystem ist. Hier kommt es eben nur auf die Gesamtmenge an; wobei man vielleicht noch bestimmte Sekundäreffekte wie irgendwelche Wolkenbildung mit einberechnen muss.

        Aber naja, die Rechnung funktioniert natürlich nur dann, wenn kompensieren und fliegen tatsächlich GENAU den selben Effekt haben. Der Mensch betont im taz Artikel z. B., Dass nur atmosfair bestimmte Sekundäreffekte mit einberechnet. Wenn man das natürlich nicht tut, funktioniert auch das kompensieren nicht. Und naja, ich habe ja schon in meinem ersten Post angedeutet, dass z. B. Die Vorbildfunktion, ein solcher sekundärer Effekt sein könnte, der dann eben doch einen Unterschied macht. na dann würde ich mich eben dafür interessieren, was das für Sekundäreffekte sind. Und die im tazartikel genannten, hat atmosfair dann auch mit einbezogen und so die Rechnung korrigiert.

        grundsätzlich bin ich aber glaube ich gar nicht so weit von euch entfernt, als dass ich auch sagen würde das Fernreisen vermutlich einen zu hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft genießen, dafür was sie einem eigentlich bringen. Ich glaube die sind schon sehr oft auch nur Statussymbol. Aber in der Argumentation, dass kompensieren nur die zweitbeste Lösung ist, sehe ich eben trotzdem Probleme.

        • Hi Christoph,

          ich widerspreche!

          wenn ich den Flug sein lasse, anstatt ihn zu kompensieren, sinkt die Nachfrage. Denn es ist ja nicht automatisch so, dass der Nachbar fliegt, WEIL ich es sein lasse. Warum sollte er?

          Ich senke die Nachfrage alleine natürlich so minimal, dass es keinen Unterschied macht – das Flugzeug fliegt eh. Das ist auch die Antwort, die ich immer bekomme, wenn ich sage: ich fliege nicht mehr. “Ja, aber das Flugzeug fliegt doch auch ohne dich!”

          Und das Flugzeug mit mir fliegt, auch wenn ich Atmosfair zahle.

          Wenn ich aber nur eine von vielen bin, die beschließen, nicht mehr zu fliegen, dann erhöht sich mit jedem einzelnen weiteren die Chance, dass immer weniger Flugzeuge fliegen werden, weil die Nachfrage wirklich sinkt.

          Und die Nachfrage sinkt null, wenn jeder mit einem Gewissen in Atmosfair einzahlt. Das ist in meinen Augen der Unterschied. die Fluggesellschaften merken nicht, dass wir Atmosfair zahlen – sie merken nur, wenn wir nicht mehr fliegen.

          Natürlich ist es besser, als nix tun. Wirklich! aber noch besser ist, aus einem System, das Fehlverhalten darstellt, komplett auszusteigen. Zumal weiter oben von ich glaube njorg ja ganz richtig angemerkt wurde, dass wir vielleicht ganz andere geile Bahnstrecken haben könnten, wenn wir nicht dauernd fliegen würden.

  7. Hallo Katrin, hallo Holger,

    ich saß selber wegen dem Ryanair Streik Freitag Abend fest und das trotz gebuchtem Flug bei einer anderen Airline.
    Es war zwar ärgerlich, dennoch prima zu sehen dass grosse, organisierte Streiks Auswirkungen haben und zwar auf alle. Es sollte viel öfter gestreikt werden.

    Auf meinem Rückflug am Samstag Morgen dann, habe ich eure aktuelle Folge gehört und Holger zuerst reflexhaft zugestimmt als er meinte, dass Leute die sich keine verantwortungsvolle Airline leisten können eben nicht fliegen sollen. Bei längerem darüber nachdenken wurde mir seine These aber immer unangenehmer.

    Vor ein paar Wochen habe ich bei fussabdruck.de meinen ökologischen Fussabdruck berechnet und war entsetzt, denn trotz Veganer Ernährung, keinem Auto und der Meinung mein Fussabdruck kann gar nicht hoch sein, sagte mir der Test am Ende, dass meine grosse Wohnung und meine vielen Freizeitaktivitäten negativ zu Buche schlagen.
    Das liegt dann aber eben an einem höheren Einkommen.
    Bisher habe ich eher davon gehört, dass je wohlhabender eine Person und ihr Herkunftsland ist, desto grösser wird auch ihr ökologischer Fussabdruck. Wenn der Wohlstand steigt, steigt auch der Konsum.

    Nichtsdestotrotz: ja Flüge sind zu billig und ja, Menschen sollten angemessen bezahlt werden.
    Vielleicht ist es falsch gerechte Bezahlung und den Klimawandel thematisch zu vermischen? Denn Reisende bei Ryanair sorgen wahrscheinlich für den Erhalt von schlecht bezahlten Arbeitsplätzen, haben aber im Gegenzug (wenn sie sich denn nichts anderes leisten können) einen niedrigeren ökologischen Fussabdruck weil sie eben im Ganzen nicht so viel konsumieren können.

    Viele Grüße
    Daniela

    • „Vielleicht ist es falsch gerechte Bezahlung und den Klimawandel thematisch zu vermischen?“

      Denke ich auch gelegentlich, aber dann denke ich auch wieder, dass es sehr wohl miteinander zusammenhängt. Gerade die Idee, billig zu reisen, funktioniert doch ausschließlich durch Ausbeutung – erst der Natur, dann der Menschen. Vielleicht ist es ein grundsätzliches Wertschätzungsproblem, das hier nur auf zwei unterschiedliche Arten zum Ausdruck kommt?

      • Hmm,

        ich glaube, dass für eine Vermengung von Bezahlung und Klimawandel der Lohnanteil beim Ticketpreis viel zu klein ist. Würde Ryanair pro Flug 10 Euro Cabin Crew Zuschlag erheben, könnten sie bei 150 Passagieren pro Flug bei 5 Crewmitgliedern 300 Euro verteilen. Fliegen wäre immer noch billig, und bei 20 Flügen im Monat bekäme jedes Crewmitglied 6000 Euro brutto mehr.

        So kriegen wir die Rettung der Welt nicht hin. Das muss anders laufen.

        Das mein Überschlag nicht so ganz falsch ist:
        (https://blog.zeit.de/teilchen/2016/05/19/flugpreise-zusammensetzung-tickets-treibstoff-gebuehren/)

        • Atmosfair kompensiert Tegel-Antalya und zurück für 31,-. Das heißt, wir würden für 40,- extra bessere Arbeitsbedingungen und Klimaschutz hinbekommen.
          Da drängt sich die Frage, ob wir noch alle Tassen im Schrank haben, ja umso heftiger auf.

          Aber vielleicht sind auch schon die 40,- Euro zusätzlich zuviel für viele Menschen?

  8. Fun fact: Die von Holger beschriebene “Dann ist es jetzt auch egal”-Haltung ist in der Psychologie unter dem schönen Namen “What-the-hell-effect” bekannt.
    https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0195666310004630?via%3Dihub

  9. Hier vielleicht mal ein anderer Blick auf den Klimawandel: https://www.youtube.com/watch?v=ml-Ee0b2oG0&t=1668s

    • Das Video kurz zusammengefasst, da man die 50 min erst mal Zeit haben muss:

      Ganteför zieht aus den Klimadaten folgende Schlüsse:

      1. Deutschland bzw. die Schweiz könnten den C02 Ausstoss auf 0 senken und das 2 Grad Ziel würde trotzdem verfehlt.

      2. Das Argument, einer muss mal damit anfangen, dann werden die anderen Länder das schon nachmachen entkräftet er damit, dass gerade die Länder die am meißten CO2 ausstossen überhaupt kein Interesse daran haben dies zu ändern. Bsp. U.S.A mit Trump, Kanada mit Ölsänden, China, das über fast unerschöpfliche Kohlereserven verfügt und einen wachsenden Energiehunger hat…

      3. Das weltweite Bevölkerungswachstum mit ebenso wachsendem Energiebedarf hebelt die Verringerung des CO2 Ausstosses erst mal aus, da in den Ländern wo die Bevölkerung wächst billige Energie erzeugt wird, bisher Kohle.

      4. Die Lösung kein zurück zur Natur sein kann, neben den ganzen Umweltproblemen hat uns die Industrialisierung auch viele Vorteile gebracht, geringere Kindersterblichkeit, die moderne Landwirtschaft ist fähig Milliarden von Menschen mit geringerem Arbeitseinsatz zu ernähren, etc.

      5. Einschränkung der Mobilität wäre ein Rückschritt, Stichwort: Fliegen. Weiter oben hat schon jemand geschrieben, dass es ein großer Verlust wäre, wenn man fremde Kulturen nicht mehr so einfach erreichen bzw. kennen lernen könnte.

      6. Generell sieht Ganteför die Lösung darin unsere Zivilisation in eine globale Hochtechnologie-Gesellschaft zu entwickeln, die irgendwann auch das Klima im Griff hat. Kann man darüber streiten, aber ich denke mal diese Aussicht ist genauso realistisch, wie die Erwartung dass wir in 2 Jahren den Co2 Ausstoss soweit senken, dass wir unter die 2 Grad kommen.

      Schaun wir mal.

      • Danke für die Zusammenfassung! 🙂

        2,3 und 5 teile ich nicht mit ihm, hab grad bloß keine Zeit, das aufzuschreiben. Kann ich aber in der nächsten Sendung gerne mal erzählen, falls gewünscht.

        • Ist gewünscht :-). Zu den Punkten 2,3, und 5 mal kurz meine Einschätzung:

          2. Selbst wenn die anderen nicht mitmachen und da habe ich wie Ganteför große Zweifel, macht’s Sinn hier die Energiewende voranzutreiben. Rohstoffeffizienz und Nachhaltigkeit ist generell eine gute Idee, das ist denke ich selbsterklärend.

          3. Die bevölkerungsreichen Länder wie z.B. China oder Indien werden ihren steigenden Energiebedarf die nächsten Jahre weiterhin mit Kohle decken, solange das vermeintlich billig ist, da bin ich absolut der gleichen Meinung. Aber wer weiß schon, ob das Billigargument noch lange so trägt. Die Technologie entwickelt sich hoffentlich weiter und eventuell sind alternative CO2 freie Energieträger in nicht ganz so ferner Zukunft wesentlich billiger und effizienter.

          5. Mobilität und die Möglichkeit für eine breite Bevölkerung zu reisen finde ich schon ein hohes Gut, die Frage ist natürlich für welchen Preis (und damit meine ich keine Euro). Billig fliegen muss nicht sein. Aber Mobilität so teuer zu machen, dass hier nur noch die obere Mittelschicht die Möglichkeit hat zu Reisen kann auch nicht die Lösung sein. Bleibt also nur das ganze Richtung Umweltverträglichkeit zu entwickeln, wieder ist Technologie und Innovation gefragt.

          Allgemein finde ich die Thesen Ganteförs ganz interessant aber die Zeit wird’s zeigen, was davon tragbar ist. Für das 2 Grad Ziel sehe ich schwarz, aus den genannten Gründen, bin aber trotzdem optimistisch was unsere Zukunft auf dem Planeten angeht. Oder um’s mit der von dir oft zitierten Kölner Redensart zu sagen : Et het noch emmer jot gegangen (sorry für mein saumäßiges Schrift-Kölsch :-))

          • Was wäre falsch daran das Reisen per Flugzeug und Schiff aufzugeben? Manchmal sind vermeintliche Rückschritte in Wirklichkeit ein riesen Fortschritt.

      • hier vielleicht mal ein anderer Blick auf Leute wie Ganteför: https://www.nytimes.com/interactive/2018/08/01/magazine/climate-change-losing-earth.html

        – ich weise in der heutigen Sendung auch nochmal kurz auf diesen Text hin. Er ist sehr furchtbar zu lesen, macht fast ein wenig depressiv, aber ich finde, hinterher versteht man sehr gut, warum so Leute wie Ganteför Teil des Problems sind.

        LG

        • Seien wir realistisch, das 2 Grad Ziel wird verfehlt. So schnell wird weltweit nicht aus Fossilwirtschaft ausgestiegen, egal wie sich das Klima entwickelt und auch egal wie oft man die verschiedenen Weltuntergangszenarien wiederholt.

          Nichtsdestotrotz finde ich’s richtig, die Energiewende voran zu treiben, alleine so einen wertvollen Rohstoff wie z.B. Erdöl nur zur Energiegewinnung zu verbrennen, macht so und so auf Dauer keinen Sinn. Vor allem, wenn durch technischen Fortschritt nachhaltige Alternativen billiger und verfügbarer werden. Nur Verzicht und die Ökodiktatur (ob die kommen wird ist auch die Frage) wird da nicht helfen.

          Was mir immer Hoffnung macht sind Holigis Resonator Folgen. Ich verweise hier auch noch mal auf die Folge mit dem Küstenforscher Hans von Storch (Name mit üblichen Verdächtigen wohl rein zufällig :-)) der sich dort auch noch mal zum Klima äußert.

          Elektromobilität kommt schon mit Riesenschritten, allein China wird dafür sorgen, da das Regime dort bereits Milliarden in die Entwicklung rein buttert (anders als hier).

          Jedenfalls sehe ich zu einer Zivilisation, die auf Wohlstand für alle und Nachhaltigkeit hin arbeitet keine Alternative. Den Witz mit den zwei Planeten, an dem der eine an “Mensch” erkrankt ist finde ich schon lange nicht mehr lustig. Zurück zur Natur wird nicht mehr gehen, das Ziel ist meiner Meinung eher unsere Zivilisation so umweltverträglich wie möglich zu gestalten.

      • Zu Punkt 5: Ich finde, Geo-Engineering (aktives Eingreifen zur Steuerung des Weltklimas) und Klimaschutz stehen überhaupt nicht im Widerspruch, und eines ist kein Ersatz für das andere. Meinem Verständnis nach befinden uns bereits jetzt in einem Szenario, auf der wir irgendwann zwangsläufig aktiv in das Klima eingreifen werden müssen, um den Planeten bewohnbar zu halten. Massiver Klimaschutz und CO2-Vermeidung ist trotzdem absolut notwendig, denn nur so erkaufen wir uns die nötige Zeit, diese Technologien überhaupt zu entwickeln und aufzubauen. Wenn wir weiter emittieren wir bisher sehen ich keinen realistischen Zeitrahmen für den Aufbau einer Geo-Engineering Infrastruktur, bevor unsere Zivilisation zusammenbricht. Bin aber kein Experte auf dem Gebiet, nur interessierter Laie.

  10. Ohh wie ermutigend, dass Du auch nicht mehr fliegen willst, liebe Kadda! Ich fliege seit sechs Jahren nicht mehr (war in der Zeit in: Spanien, Frankreich, Italien, Schweiz, Polen, Ukraine, Litauen, Russland, Niederlande – alles mit dem Zug von Südbayern aus) und habe irgendwie nie jemanden getroffen, der auch bewusst nicht fliegt + mir das aber immer gewünscht. Und bei meiner letzten großen Zugreise vor zwei Wochen hatte ich im Zug Berlin – Moskau tatsächlich eine Mitfahrerin, die meinte, sie würde mit dem Zug reisen, um ihren ökologischen Fußabtritt klein zu halten. Das hat mich so gefreut. Und jetzt auch noch Du! Toll!!! 🙂 Ich fahre sehr gerne mit dem Zug +mag besonders auch das langsame Heimkommen: schon weg, aber noch nicht da, diese Zeit ist mir oft besonders wertvoll. Dir gute Reisen!

  11. Liebe Katrin, lieber Holger,

    vielen Dank für die Sendung!

    Ich würde dem Nicht-Mehr-Fliegen gerne einen positiven Dreh geben: Endlich-Entspannt-Reisen. Ich bin immer gerne geflogen (obwohl ich das Drumherum eher stressig fand). Das hat sich nach der Geburt unserer Tochter vor fünf Jahren geändert. Ich sah mein kleines Mädchen, las Artikel über den Klimawandel nochmal ganz neu und beschloss, nicht mehr zu fliegen.

    Wir als Familie sind sehr reisfreudig, ich bin beruflich viel unterwegs und das geht wunderbar mit der Bahn. Wir sind mit Kleinkind schon von Berlin nach Südspanien gefahren (haben dabei, zumindest für einen Abend und eine Nacht Marseille gesehen und dort die leckersten Croissants ever gegessen), ich bin zu einer Tagung nach Wien gefahren – auf der Hinfahrt meinen Vortrag vorbereitet, auf dem Rückweg ein Manuskript fertiggestellt, jeweils dazwischen ein Kaffee in Prag. Ich komme, auch wenn ich 10 Stunden unterwegs bin, entspannt an, habe das Gefühl zu reisen.

    2 Tipps: Ich habe einen Bahngott bei einer DB-Agentur, der mir ohne Mehrkosten die günstigsten Verbindungen raussucht, er findet immer was, auf das ich nicht gekommen wäre. Das spart mir viel Zeit und Geld, Berlin-Wien z.B. hat mich in der ersten Klasse (für meine beruflichen Touren habe ich mir eine Bahncard 25 1. Klasse geholt) hin und zurück unter 100 Euro gekostet. Und, wenn ihr selbst buchen wollt: Für mich ist es sehr hilfreich, eine lange Umsteigezeit (z.B. 45 Minuten) anzugeben, das ist sehr gut für die Nerven.

    Übrigens ist eine meiner intensivsten Kindheitserinnerungen die Fährfahrt von Calais nach Dover. Nach Großbritannien würde ich niemals fliegen wollen, da bringt man sich doch um ein irres Erlebnis.

    Also: Nur Mut, das wird spitze.

    Viele Grüße

    Christine

    • Ich habe die Absicht in nächster Zeit sehr viel Bahn zu fahren. BahnCard 50 wird gekauft werden. Aber dann fehlt mir offensichtlich noch ein „Gott“. Bahnpreise sind für mich Woodoo wie es auch Telko Tarife sind.

      • Ich kenn auch so einen Bahngott, aber ich weiß nicht, ob das hier Werbung wäre, die Agentur zu nennen? Hmm. Bei internationalen Zugverbindung ist bahn.de jedenfalls nicht immer das Beste (obwohl das schon auch gut ist), so jedenfalls meine Erfahrung. Die Logik der Bahnpreisgestaltung ist mir aber auch weiterhin ein Rätsel. Nur so viel ist klar: Mittwoch ist der beste (also günstigste) Reisetag. 😉 Frohe Fahrt!

      • Hallo Stefan,

        wenn du Infos und Preisvergleiche für internationale Bahnfahrten suchst, schau mal auf folgenden Webseiten vorbei:

        seat61.com
        rail.cc
        trainline.eu
        loco2.com

        Ich hoffe, das ist jetzt nicht zuviel der Schleichwerbung. VG, Juli

  12. Schön zu hören, dass ich nicht der einzige bin, der sich über die teilweise gute Berichterstattung auf T-Online wundert. Ich dachte schon, dass ich verblöde, weil mir die Artikel teilweise wirklich gut gefallen haben. Sie waren solide, gut recherchiert und ziemlich neutral. Es kommt wahrscheinlich auf den Schreiberling an, aber anscheinend kriegen die auch gutes Personal.

    • T-Online wurde von Ströer gekauft und soll durch Qualität im Onlinejournalismus Leser anziehen. Die haben auch einige sehr gute Leute abgeworben.

  13. Hallo Kathrin und Holgi,
    ich habe schon immer versucht so weit es geht aufs Fliegen zu verzichten. Nun habe ich aber vor einigen Jahren in einem Austauschjahr in Mexiko meinen Freund kennen gelernt. Wir werden also immer wieder mal nach Mexiko fliegen müssen, um die Familie zu besuchen etc. Wie steht ihr zu dieser Thematik? Ich verstehe vollkommen, dass man auf den interkontinentalen Urlaub verzichten kann, aber bei binationalen Paaren?
    Liebe Grüße

  14. Von Harald Lesch hab ich die Idee, dass die “Klimakosten” auf jeder Rechnung ausgewiesen werden sollten. Beim Flugticket gibt es dann einen Posten mehr, den man freiwillig bezahlen kann.
    Beim Discounter kann ich mir das auch gut vorstellen. Könnte man sofort sehen welche Produkte welche Klimakompensation erfordern. Damit könnten die gut Werbung machen: Solaranlage auf dem Dach, Stromtankstelle auf dem Parkplatz, freiwillige Klimakompensation an der Kasse.
    Bis die Politik so ein Gesetz beschließt können wir wohl nicht warten (nur noch 2 Jahre!). Da müssten Unternehmen von überzeugt werden.
    Viele Grüße
    Michael

  15. Vor ein paar Folgen hier gab es ein Interview mit einem Klimaforscher, der eine sehr interessante Idee eingeworfen hat, die nicht nur die Klimaproblematik entschärfen könnte, sondern im gleichen Zug auch soziale Ungerechtigkeiten ausgleichen könnte.

    Der Grundgedanke dabei ist, dass jedem Mensch qua Geburt zunächst der gleiche klimarelevante Ressourcenverbrauch zugestanden wird.

    Im Prinzip geht es also darum, die Idee von CO2-Zertifikaten, anstatt bisher nur im Energie- und Industriesektor, ubiquitär einzurichten und damit jedem Menschen auf der Welt oder einer Einführungsregion (z.B. EU) ein gleiches klimaverträgliches Emissionsrecht, also eine Menge an CO2-Zertifikaten z.B. monatlich oder jährlich zuzuteilen.

    Diese Zertifikate können jedoch frei gehandelt werden.

    Entwicklungsländer, die niedrige CO2-Emissionen pro Kopf aufweisen, könnten durch den Verkauf von CO2-Zertifikaten das Kapital hereinholen, um eine klimaschonende Infrastruktur auszubauen.

    Ebenso könnten innerhalb eines Wirtschaftsraum Niedrigverdiener durch den Verkauf von nicht benötigten Zertifikaten an Besserverdienende soziale Ungerechtigkeiten ausgleichen.

    Das würde weitere soziale Verwerfungen verhindern, die unweigerlich auftreten, wenn man die CO2-Emissionen nur über den Preis regeln wollte.

    Dank Blockchain-Technologie könnte so ein System sogar allein durch gesellschaftlichen Konsens und zur Not ohne Beteiligung von Regierungen eingeführt werden.

    Holger Klein kann tatsächlich ganz entspannt mit gutem Gewissen seinen London-Trip machen, weil er sicher sein kann, dass die Emissionen woanders eingespart werden und mit dem Erwerb der CO2-Zertifikate anderen Menschen sogar geholfen hat.

    Im Prinzip führt man damit sogar über die Hintertür ein Grundeinkommen ein.

    Für die Wirtschaft wäre dieses System ein direkter Anreiz überall CO2-Emissionen einzusparen, weil bei jedem Produkt neben dem Preis auch weit wertvollere CO2-Rechte zu entrichten wären.
    Wer mit einem Privatjet fliegen will, kann das gerne machen, muss dann aber von Leuten CO2-Zertifikate abkaufen, womit automatisch ein sozialer Ausgleich geschaffen wäre. Wer mit dem Fahrrad fährt kann sich dagegen z.B. mehr kulturelle Angebote oder Technik leisten.

    Es wäre die perfekte Symbiose aus Marktwirtschaft, sozialer Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit.

    Der einzige Knackpunkt, der mir direkt einfällt wäre die Erfassung der CO2-Emissionen, die ja ebenfalls ubiquitär sein müsste.

    Naja, vielleicht finden sich ja mal kluge Leute, die so ein System weiterdenken.

    • “Dank Blockchain-Technologie könnte so ein System sogar allein durch gesellschaftlichen Konsens und zur Not ohne Beteiligung von Regierungen eingeführt werden.”

      Aha, und wer verhindert dann dass Firmen/Einzelpersonen einfach mehr CO2 raushauen als ihnen eigentlich zusteht? Die Blockchain? Verurteilt die dann Leute zu Strafzahlungen? Und wie willst du bitte einen gesellschaftlichen Konsens über die ganze Welt herstellen? Im Grunde ist da schon was Wort falsch, weil es die eine Weltgesellschaft ja nicht gibt, sondern sehr viele unterschiedliche Gesellschaften.

      Sorry, aber das ist halt ein typischer Vorschlag, der oberflächlich sehr schlau klingt, aber praktisch unmöglich umzusetzen ist. Sobald man einen globalen Konsens zur Lösung des Problems hätte, gäbe es Hunderte mögliche Lösungen. Aber genau das fehlen eines Konsens’ ist halt das Problem. Alle Vorschläge, die nicht das Problem der Umsetzung direkt mitdenken, kann man für die nähere Zukunft direkt in die Tonne treten…

      “Der einzige Knackpunkt, der mir direkt einfällt wäre die Erfassung der CO2-Emissionen, die ja ebenfalls ubiquitär sein müsste.”

      Wie gesagt: Der noch größere Knackpunkt ist auch meiner Sicht, dass wir global ganz unterschiedliche Interessenslagen haben und es keine Weltregierung gibt, die das einfach so verordnen kann. Gegen Raubbau am Klima hilft dann auch keine Blockchain…

      • Zumal gerade der Blockchainschwachsinn ordentlich Rechenleistung benötigt und dadurch krasse Mengen CO2 erzeugt.

      • “Zumal gerade der Blockchainschwachsinn ordentlich Rechenleistung benötigt und dadurch krasse Mengen CO2 erzeugt.”

        Ich habe lange überlegt, ob ich die Blockchain mit ins Spiel bringen soll. Mir war bewusst, dass das sofort Abwehrreize auslöst. Aber eine auf einer Blockchain basierende Datenhaltung erscheint mir hier gut zu passen. Es kann natürlich auch mit irgendwelchen anderen Datenbanktechnologien erfolgen. Der hohe Energieverbrauch durch Mining bei Kryptowährungen ist kein immanenter Teil einer Blockchaintechnologie, sondern der Tatsache geschuldet, dass diese Kryptowährungen keine zentralen Vertrauensinstanzen akzeptieren, sonders das Vertrauen durch Proof of Work sicherstellen. Im Fall einer CO2-Zertifikate-Blockchain müsste man natürlich einen Ansatz mit Vertrauensinstanzen verfolgen.

        “Aha, und wer verhindert dann dass Firmen/Einzelpersonen einfach mehr CO2 raushauen als ihnen eigentlich zusteht? Die Blockchain? ”

        Wer keine CO2-Zertifikate hat, bekommt keine CO2-relevanten Energieträger und Leistungen. Damit ist es nicht möglich mehr CO2 rauszuhauen als man Zertifikate hat. Wirtschaftsteilnehmer, die auf kriminelle Art und Weise die CO2-Kontrolle übergehen, müssten diese Emissionen dann nachzertifizieren und zusätzlich eine Strafe zahlen.

        “Und wie willst du bitte einen gesellschaftlichen Konsens über die ganze Welt herstellen?”

        Am besten führt man den Konsens dadurch herbei, dass man überzeugend genug ist, dass jeder dadurch Vorteile hat. Das könnte damit beginnen, dass man so ein System z.B. erstmal EU-weit einführt. CO2-relevante Im- und Exporte würden dann virtuell abgerechnet. D.h. sie würden so abgerechnet, als würden die anderen Länder mitmachen, aber sie bekommen halt kein Geld für ihr eingesparten CO2-Emissionen, auf der anderen Seite müssten aber sie Emissions-Zölle zahlen. Irgendwann würden die anderen Länder dann auch ganz gerne das Geld für ihre CO2-Zertifikate haben wollen. Gerade Entwicklungsländer bekommen durch ihre hohe Bevölkerungszahl ja große Vorteile in diesem System.

        Das ist jetzt alles ein bisschen zu kompliziert in einem Kommentar zu erklären und ehrlich gesagt habe ich das auch nicht wirklich ausgearbeitet, aber grob überschlagen würde ich sagen, es ist zumindest wert weiter darüber nachzudenken.

        “Sorry, aber das ist halt ein typischer Vorschlag, der oberflächlich sehr schlau klingt, aber praktisch unmöglich umzusetzen ist.”

        Sorry, aber das ist eine typische Reaktion auf einen (nicht meinen) Vorschlag, die sich nur auf die Probleme konzentriert, weil einem die Veränderungen zu revolutionär erscheinen.

        “Sobald man einen globalen Konsens zur Lösung des Problems hätte, gäbe es Hunderte mögliche Lösungen.”

        Nenn mal ein oder zwei, damit wir sie diesem Vorschlag gegenüberstellen können.

        “Alle Vorschläge, die nicht das Problem der Umsetzung direkt mitdenken, kann man für die nähere Zukunft direkt in die Tonne treten…”

        Nun, man muss ja nicht direkt in die Vollen gehen, es gibt auch sinnvolle Zwischenschritte. Einer wäre z.B. die möglichst genaue Erfassung der CO2-Emissionen und entsprechende Kennzeichnung bei Produkten und Leistungen. Einer Dose Krabben sieht man ja nicht an, ob sie vor Ort verarbeitet wurde, oder ob sie zur Verarbeitung um die halbe Welt mit subventioniertem Treibstoff in Niedriglohnländer gebracht und wieder zurückgeholt wurde.

        • Ich schreibe deshalb Blockchainschwachsinn weil eine Menge hochbezahlter Dummschwätzer dieses Thema mit einer dermaßen enormen Monstranz vor sich her tragen, dass es den Dorftrottel mit dem goldenen Kalb damals ähnelt. Eine Datenbank als Blockchain zu betreiben ergibt überall dort Sinn, wo ich eine bekannte Menge Transaktionen erwarte die weder zeitkritisch sind, noch besonderer Anonymität oder gar Infrastruktur bedürfen. Der Kauf von Immobilien ist ein gutes Beispiel für solch eine Anwendung. Jeglichen Zahlungsverkehr oder elementaren Handel mir Rechten öffentlich zu machen, ist meiner Meinung nach dumm und naiv. Man denke nur an den derzeitigen Umbau der Gesellschaft in China.

        • “Wer keine CO2-Zertifikate hat, bekommt keine CO2-relevanten Energieträger und Leistungen. Damit ist es nicht möglich mehr CO2 rauszuhauen als man Zertifikate hat. Wirtschaftsteilnehmer, die auf kriminelle Art und Weise die CO2-Kontrolle übergehen, müssten diese Emissionen dann nachzertifizieren und zusätzlich eine Strafe zahlen.”

          Achja und wer führt die Kontrollen durch? Und wer legt die Strafen fest? Die Blockchain? Die einzige Instanz aktuell, die sowas machen könnte wären eben die Regierungen von denen du behauptet hast man bräuchte sie nicht mehr…

          Ganz ehrlich: Alleine die Tatsache, dass du an so einer Stelle überhaupt die konkrete Datenbanktechnologie erwähnst, schreit schon nach Bullshit-Bingo.

          Die Idee ist ja nicht schlecht, aber weshalb sollte man zum jetzigen Zeitpunkt schon über die konkrete Technologie nachdenken? Vermutlich geht es mir da wie Titus. Ich bin einfach mittlerweile davon genervt, dass Leute gedankenlos in der Blockchain den Heilsbringer sehen…

          “dass jeder dadurch Vorteile hat”

          Jeder hat Vorteile dadurch, dass wir den Vorschlag umsetzen? Ernsthaft? Wenn die Entwicklungsländer dadurch Geld bekommen, dann muss das ja irgendwo herkommen. Irgendwer zahlt. Und der macht das freiwillig, weil es so toll ist?

          “Sorry, aber das ist eine typische Reaktion auf einen (nicht meinen) Vorschlag, die sich nur auf die Probleme konzentriert, weil einem die Veränderungen zu revolutionär erscheinen.”

          Ich finde die Änderung überhaupt nicht zu revolutionär. Es gibt ja schon CO2-Zertifikate, die gehandelt werden. Nur ist das ohne Blockchain, lokal und staatlich organisiert. Ich fände es gut, wenn der Vorschlag umgesetzt wird. Wenn ich Gott wäre, würde ich den Vorschlag JETZT umsetzen anstatt hier zu schreiben.

          Mein Punkt ist einfach: Aktuell sind die meisten relevanten Player auf diesem Planeten (China, Russland, USA) überhaupt nicht ernsthaft an einer Lösung interessiert. Deshalb sind Vorschläge uninteressant, die nicht mitdenken wie die Beteiligten motiviert werden könnten.

  16. “Jeglichen Zahlungsverkehr oder elementaren Handel mir Rechten öffentlich zu machen, ist meiner Meinung nach dumm und naiv.”

    Klingt für mich irgendwie nach der etwas eleganteren Version für “Quatsch”.

    Ich denke wir stehen bei der Blockchain-Technologie noch relativ am Anfang, da bisherige Implementierungen wie Bitcoin oder Ethereum eher ein proof of concept waren, die allerdings erstaunlich robust funktionieren.
    Mit Blockchain-Technologie meine ich die abstrakten Prinzipien, so wäre z.B. IOTA, dass keine Blockchain als Datenstruktur verwendet, auch unter Blockchain-Technologie subsummiert.
    Wenn man einen speziellen Anwendungsfall vor Augen hat, kann man durchaus Lösungen entwickeln, die die passende Anforderung an u.A. Skalierbarkeit und Anonymität erfüllen.

    • Die Blockchain (iSd gold. Kalb) bei sensiblen Transaktionen einzusetzen halte ich tatsächlich für dumm und naiv. Das ist in etwa so dumm wie Türschlösser zu verbauen die sich mit dem Smartphone oder dem Fingerabdruck öffnen lassen, aber eben nur bei aktiver Internetverbindung… ^^
      Mit Datenbanksystemen ähnlich IOTA bin ich im Ansatz einverstanden – sofern der Staat seine Finger davon lässt. Das wird in der Regel nur teuer und halbseitig Transparent.

  17. Ihr habt den Finger ordentlich auf die Wunde gelegt und mein Wunsch mit den Kindern zu fliegen ist mir reichlich vergangen. Allerdings schwindet meine Toleranz für Aussagen wie: Echt du isst kein Fleisch? Nee also das könnte ich nicht, Schnitzel ist einfach so lecker!
    zunehmend, je mehr mir vor Augen geführt wird, dass ich mir wünsche die Kinder würden eine bewohnbare Erde erben und wie unmöglich das scheint.
    Aus einem CO2 Dilemma komme ich aber irgendwie nicht heraus… auf Arbeit fahren. Wir wohnen auf einem Hof, wöllte ich hier arbeiten so wäre ich Landwirtin. Da ich im Beruf arbeiten möchte den ich studiert habe und der mich glücklich macht, fahre ich täglich 30km einfache Strecke (30 Min. Autofahrt) . Mit Bus und Bahn 2 Stunden einfache Strecke – das wären 3 Stunden täglich die ich meine Kinder weniger sehe, um klimaverträglicher zu fahren. Alternativ in die Stadt ziehen würde selbiges für meinen Partner bedeuten.
    Das Beispiel nenne ich jetzt, weil ich denke es gibt sicher viele Grautöne und wie jemand schrieb – Fliegen dient ja nicht immer nur dem Urlaub.
    Viel wäre wahrscheinlich schon gewonnen, wenn nicht jedes Geschäft und jede (fast) Wohnung bei uns von sinnlosem Überfluss (odt weit gereist) strotzen würde, der auf Kosten der Umwelt produziert wird. Wer braucht diese ganzen Sammelfiguren aus Plastik, die einzeln verschweißte Paprika, das geschälte in Plastik verpackte Ei im Rewe. Müssen wir Ganzjährig bzw überhaupt Obst essen, was extra eingeflogen wird? Unser Gewissen soll rein gewaschen in Papiertüten mit Bio-Aufdruck nach Hause getragen werden, aber auch dass es plötzlich statt einem 10 Sorten Biofrischkäse im Plastikbecher gibt, macht das Problem nicht besser und wir konsumieren nur vermeintlich vernünftiger, denn 5 dieser Frischkäse werden nicht vor Ablauf des MHD verkauft und landen auf unseren Restmüllbergen…

    • Hi Anna,
      meine Eltern wohnen auch auf dem Land. Hier gibt es ein Haus, das hat eine komplette Dachseite mit Solarpanellen zugekleistert. Als Holger das sah, sagte er “Yeah! Und jetzt ein Elektroauto!” und tatsächlich stand auf der anderen Seite des Hauses eines, das gerade an der Leitung war und auflud.
      Für 30 km ist Elektroauto doch super! und es muss ja nicht gleich der eigene Solarstrom sein – Ökostrom ist auch prima.
      klar – Elektro-Autos sind erstmal ne ganz schöne Anschaffung. aber das ist jedes Auto.

      LG
      Katrin

      • Danke liebe Katrin, ich fühle mich ermutigt mich intensiv damit auseinander zu setzen und werde demnächst mal ins Autohaus gehen und mich beraten lassen:) manchmal braucht man Hilfe beim Perspektivwechsel

  18. Na super Holgi, erst die Immobilienspekulation mit anheizen (“aber meine Rente und die Inflation …”) und dann den geschröpften Normalbürgern noch den Urlaub vermiesen.

    Will sagen: selektiv-moralisches Handeln bringt uns auch nicht weiter.

  19. Etwas verspätet, aber ich kam erst jetzt zum Nachhören. Wem die Wall-Of-Text zu lange ist, nur ein Tipp, hier reinhören: https://www.bbc.co.uk/programmes/w3cstyfd


    Es war zwar nur ein kleiner Nebensatz, aber wichtig: Holgi meinte dass die Schifffahrt wegen CO2 im Kontext von Treibhausgasen problematisch wäre.

    Das ist nicht richtig. Im Kontext von CO2 und anderen Treibhausgasen ist die Schifffahrt sehr, sehr effizient. Die Gesamte Schifffahrt macht, je nach Quelle ca. 2-3% des CO2 Ausstoßes aus. Im Vergleich dazu, der Straßenverkehr liegt um die 20%.

    Wo die Schifffahrt dreckig ist, sind die Stickoxyde (SO2), nachdem für die Schiffe keinen sauberen Diesel verwenden, sondern quasi mit Heizöl fahren. Die Schifffahrt ist für ~13% der gesamten SO2 Emissionen verantwortlich.

    Ein Hoax der sich sehr hartnäckig hält ist dass die 15 schlimmsten Schiffe soviel CO2 erzeugen wie alle Autos auf den Strassen. Das geht auf Journalisten zurück die unsauber von dem NABU abgeschrieben haben und aus SO2 das CO2 machten. Der NABU hat selbst zugegeben dass man nur eine plakative Zahl haben wollte ( https://www.zeit.de/2017/36/kreuzfahrtschiffe-co2-ausstoss-dreck ) und nicht sauber arbeitete. Die Idee für diesen Vergleich kam wohl von einer vom Guardian falsch verstandenen Studie, bei der ein Forscher ein Worst-Case-Gedankenexperiment machte. Dazu gibt es ein tolles Interview mit dem Forscher (James Corbett, Univ. Delaware): https://www.bbc.co.uk/programmes/w3cstyfd

    Auch interessant die Auflistung pro “Tonnenkilometer” – da ist die Binnenschiffahrt* besser als die Bahn in Sachen CO2 (nicht SO2): https://www.forschungsinformationssystem.de/servlet/is/334495/

    Zusammengefasst: die Schifffahrt ist sehr Klimafreundlich, aber gar nicht Umweltfreundlich. in Sachen CO2 ist die Schifffahrt eigentlich gut & sehr effizient, in Sachen SO2 sehr übel. Deswegen ist es sehr gut dass sich NABU für eine sauberere Schiffahrt (zB. Gasturbinen statt Diesel, bzw. einfach sauberen Diesel verwenden) einsetzt, treibt aber ein gefährliches Spiel da man die eig. klimafreundlichste Transportart in der Öffentlichkeit schlecht macht.

    PS: der BBC-Link oben ist von einer Sendung (“More Or Less”) die auch als Podcast den ich ganz allgemein jeden ans Herz legen möchte. Eine Folge die Holgi sicher gefällt: https://www.bbc.co.uk/programmes/p05yfqph

    * Ja in der Binnenschiffahrt wird etwas sauberer Diesel verwendet und kleinere Schiffe als auf dem Meer, auf das CO2 pro Tonnenkilometer wirkt sich das aber kaum aus, beim SO2 natürlich schon

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